Corona
: Steigende Zahlen in Märkisch-Oderland bereiten Sorgen

In Märkisch-Oderland sind aktuell sechs Menschen an Covid-19 erkrankt, 43 befinden sich in häuslicher Isolation.
Von
Anett Zimmermann
Seelow
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  • Kurz vor dem Feierabend: Imbiss-Koch Jörg Münch vor seinem Geschäft in Seelow. Auf Schildern bittet er seine Kunden darum, Abstand zu halten. "Bisher hat es da noch keine Probleme gegeben", sagt er.

    Kurz vor dem Feierabend: Imbiss-Koch Jörg Münch vor seinem Geschäft in Seelow. Auf Schildern bittet er seine Kunden darum, Abstand zu halten. "Bisher hat es da noch keine Probleme gegeben", sagt er.

    Anett Zimmermann
  • Fachdienstleiter im Gesundheitsamt: Stefan Kastner

    Fachdienstleiter im Gesundheitsamt: Stefan Kastner

    Anett Zimmermann
  • Leiter des Gesundheitsamtes und Amtsarzt: Steffen Hampel

    Leiter des Gesundheitsamtes und Amtsarzt: Steffen Hampel

    Anett Zimmermann
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„Wir müssen zum Beispiel schauen, was sich bei den Verordnungen ändert“, erläutert Stefan Kastner. Das Gros der Arbeit mache aber nach wie vor das Verfolgen der Kontakte aus. Und das sei deutlich aufwendiger geworden. Wer heute an Covid-19 erkranke, habe aufgrund der Lockerungen deutlich mehr Kontakte als zu Zeiten des Lockdowns, denen nachgegangen werden muss. Das gelte insbesondere für Reiserückkehrer, die das Virus zum Teil mitbringen.

In den vergangenen sieben Tagen hat es in Märkisch-Oderland sieben Neuerkrankungen gegeben. Die Türkei als Urlaubsland sieht der Fachdienstleiter inzwischen weit weniger problematisch, weil dort vor der Abreise ein Test gemacht werden muss. Ohne Negativbescheinigung geht es nicht in den Flieger. „Aber es sind ja auch Leute mit dem Auto und dem Wohnmobil unterwegs“, erinnert Stefan Kastner.

Der Anstieg der Zahlen der Covid-19-Erkrankten sei erwartbar gewesen, erklärt Amtsarzt Steffen Hampel. Auch weil insgesamt mehr getestet werde. „Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass darunter Betroffene sind, die keine oder wenig Symptome zeigen.“ Dass die Tests in Deutschland kostenlos angeboten werden, ist für Steffen Hampel nachvollziehbar. „Uns geht es doch darum, dass die Leute zum Test kommen“, macht er deutlich und kann verstehen, dass einige die Kostenübernahme auch als nicht gerecht empfinden. Er gibt aber ebenso zu bedenken, dass manche Reisewarnung kurzfristig erfolgt. „Das ist ja kein Verbot. Und was ist mit den Urlaubern, die bereits Tage vorher eingereist sind?“

Reiserückkehrer aus Risikogebieten hätten die Pflicht, sich testen zu lassen, mahnt Stefan Kastner. Im Schnitt erkranken Betroffene binnen fünf, sechs Tagen. Deshalb sei der Test immer nur eine Momentaufnahme. Die Forderung nach noch mehr Tests können Steffen Hampel und Stefan Kastner durchaus nachvollziehen, aber dafür würden die Kapazitäten der Labore nicht ausreichen. Dass sei nicht nur eine Frage der Geräte, sondern auch des verfügbaren Personals. Ein Restrisiko gebe es aber immer und das müsse die Gesellschaft tragen, sagt Steffen Hampel und fügt hinzu: „Wenn sich alle an die Regeln halten, ist dies aber auch überschaubar.“ Auf Abstand, Hygiene, Alltagsmaske, kurz A-H-A, komme es weiterhin an.

Tests für eigene Patienten

„Wir sehen die Nachlässigkeiten mit Sorge“, sagt Stefan Kastner. Solange die Zahl der Erkrankungen linear steige, sei die Situa­tion händelbar. „Aber im Moment steigen die Zahlen wieder sprunghaft an, vergleichbar mit den Monaten März und April. Das kann für uns alle problematisch werden.“ Dass in Berlin das Nichttragen einer Maske im öffentlichen Nahverkehr zum Beispiel geahndet werden kann und in Brandenburg nicht, sei allerdings eines der kaum nachvollziehbaren Dinge bei diesem komplexen Thema.

In Märkisch-Oderland gibt es zurzeit noch ein zentrales Abstrichzentrum an der Corona-Ambulanz in Rüdersdorf. Wer sich dort testen lassen möchte, müsste anhand von Tickets oder anderen Unterlagen aber nachweisen, dass er tatsächlich von einer Reise aus einem Risikogebiet zurückgekehrt ist. Normalerweise liege das Ergebnis am Folgetag vor. Auch niedergelassene Ärzte in Märkisch-Oderland würden die Tests inzwischen vornehmen, etliche jedoch nur für ihre eigenen Patienten. „Der Hinweis treibt uns gerade sehr um“, sagt Steffen Hampel und verweist auf ein anstehendes Gespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg.

Angenehm überrascht wiederum sei man im Falle einer Überprüfung eines größeren Arbeitgebers gewesen, der zahlreiche Leiharbeiter beschäftigt. Steffen Hampel: „Hier gab es den Hinweis auf einen Kontakt. Die Betriebsärztin hat 41 Mitarbeiter getestet, wir 18.“ Dabei habe man auch einen Blick auf die Unterbringung in Wohnungen geworfen. „Das, was wir gesehen haben, war in Ordnung.“ Leiharbeiter seien in Märkisch-Oderland zudem häufig in der Landwirtschaft und vor allem auch in der Pflege anzutreffen.

Unsicherheiten aufgrund von Neuerungen etwa im Kita- und Schulbereich könnten oft telefonisch geklärt werden. Seitens des Gesundheitsamtes habe man dem Land mehrere Kitas für den einmaligen Test vorgeschlagen. Davon sei eine, so Stefan Kastner ausgewählt worden. Zwar habe es dazu noch keine Rückinformation gegeben, aber er gehe davon aus, dass dort alles in Ordnung war. „Wir bekommen ja die positiven Ergebnisse übermittelt.“

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.