Denkmalschutz: Schloss Wulkow ist verkauft
Das Wunder, das kaum ein Wulkower noch für möglich gehalten hat, ist geschehen: Die Ruine des Neorenaissance–Schlosses am denkmalgeschützten Gutspark ist verkauft worden. Das hat Wulkows Ortsvorsteher Wolfgang Gerlach auf Nachfrage eines Bürgers in der konstituierenden Sitzung des neuen Ortsbeirates in dieser Woche bestätigt. Er kündigte an, dass sich die neue Besitzerin, eine Mannheimerin, den Wulkowern beim Parkfest am 17. August vorstellen werde.
Dr. Joachim Naumann, der den Ortsteil Wulkow in der Lebuser Stadtverordnetenversammlung vertritt, hatte sich verwundert gezeigt, dass am Schloss „ja schon was gemacht wurde“. Die eingesetzten weißen Fenster seien doch aber wohl nicht denkmalgerecht, vermutete der Tierarzt. Sie seien auch nur ein Provisorium, erklärte Wolfgang Gerlach.
Kauf direkt vom Vorbesitzer
Auf Nachfrage bestätigte er, dass die neue Eigentümerin das Schloss nicht ersteigert, sondern vom Vorbesitzer, dem Berliner Immobilienhändler Heinz Müller, direkt erworben habe. Die Mannheimerin habe sich während eines privaten Aufenthaltes in einer Wulkower Pension „sofort in das Schloss verliebt“, weiß der Ortsvorsteher aus einem längeren Gespräch mit der Erwerberin, die lange für die EU–Kommission tätig gewesen sein soll.
Während mancher Wulkower bislang der Meinung war, dass man die durch einen Bauzaun gesicherte und von Bäumen fast eingewachsene Ruine des 1697 erbauten Schlosses „nur noch abreißen“ könne, will die Mannheimerin die Sanierung angehen. Die Expertise dazu hätten wohl ein Architekt und ein Bauunternehmer in ihrer Familie abgegeben, sagt Wolfgang Gerlach.
Ihm gegenüber habe die neue Schlossbesitzerin bekundet, mit ihrer Familie nach Wulkow ziehen und im Schloss eine Begegnungsstätte sowie ein kleines Museum einrichten zu wollen.
Geschichtsträchtig ist das Schloss allemal. Preußenkönig Friedrich der Große campierte hier im Sommer 1759 vor der Schlacht von Kunersdorf. Damals war das Schloss noch wesentlich kleiner. Es war 1697 zunächst als Gutshaus errichtet worden. Ab 1898 hatte es die Gutsbesitzer–Familie Schulz–Wulkow im Stil der Neorenaissance zu einem Schloss mit einem markanten Turm ausbauen lassen. Den gibt es schon seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Damals zogen Flüchtlingsfamilien ein, die LPG nutzte ein paar Zimmer. Geld für die Instandhaltung fehlte. Zum Ende der DDR stand das Schloss leer. Nach der Wende fand sich kein geeigneter Käufer, wohl weil der von der Treuhand verlangte Preis zu hoch war.
1998 übernahm es der besagte Berliner Immobilienhändler — und tat nichts. Auf die Frage nach dem Warum erklärte er am Rande einer Auktion in Berlin, dass ihn „ein Ereignis der besonderen Art aus der Bahn geworfen“ habe. „Ich habe es nicht gekauft, um es dann verfallen zu lassen“, versicherte er damals.
Niemand bot das Mindeste
Schloss Wulkow war wiederholt bei Grundstücksauktionen in Berlin angeboten worden. Zuletzt wollte bei der Versteigerung im Dezember vorigen Jahres niemand auch nur das Mindestgebot von 39 000 Euro dafür abgeben.
Die meisten Wulkower sind jetzt froh und zuversichtlich, dass das ortsbildprägende Gebäude vor dem endgültigen Verfall gerettet werden kann. Mitglieder des Wulkower Ökospeicher–Vereins, die einst vor Verzweiflung erwogen hatten, selbst bei einer Auktion mit fürs Schloss zu bieten, haben die neue Schlossbesitzerin inzwischen schon kennengelernt – und einen guten Eindruck gewonnen, wie es heißt.
Das Schloss grenzt an den Park, der der Kommune gehört und an den Ökospeicher, der im Besitz des Vereins ist.

