Deutsch-polnische Begegnungsstätte
: Ruine in Trebnitz aus Dornröschenschlaf geholt

Verein Schloss Trebnitz hat mit der sanierten Feldsteinscheune jetzt einen großen multikulturellen Veranstaltungsraum.
Von
Doris Steinkraus
Trebnitz
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  • Die Arbeiten im Komplex der deutsch-polnischen Begegnungsstätte Schloß Trebnitz gehen auch in Corona-Zeiten weiter. Jetzt ist eine Ruine zu einem Veranstaltungsraum geworden. Jean Quiram (l.) und Robert Kwiatkowski von der Müncheberger Firma TSU realisieren derzeit mit weiteren Kollegen die letzten Arbeiten an den Außenanlagen der Feldsteinscheune in Trebnitz.

    Die Arbeiten im Komplex der deutsch-polnischen Begegnungsstätte Schloß Trebnitz gehen auch in Corona-Zeiten weiter. Jetzt ist eine Ruine zu einem Veranstaltungsraum geworden. Jean Quiram (l.) und Robert Kwiatkowski von der Müncheberger Firma TSU realisieren derzeit mit weiteren Kollegen die letzten Arbeiten an den Außenanlagen der Feldsteinscheune in Trebnitz.

    Doris Steinkraus/MOZ
  • Zufrieden: Karl-Heinz Gebhard vom Verein und Einrichtungsleiter Darius Müller in der Scheune mit den imposanten Stützpfeilern.

    Zufrieden: Karl-Heinz Gebhard vom Verein und Einrichtungsleiter Darius Müller in der Scheune mit den imposanten Stützpfeilern.

    Doris Steinkraus
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Die Außengestaltung ist dann abgeschlossen. „Das gesamte Ensemble wird damit noch einmal aufgewertet“, steht für Karl-Heinz Gebhard, den 2. Vorsitzenden des Vereins Bildungs- und Begegnungszentrum Schloss Trebnitz, fest. Die Anlagen sind denen rund um das ehemalige Waschhaus gegenüber angepasst. Rote Klinkersteine unterbrechen die Granitpflasterung.

Die Scheune selbst ist fertig. Ende Mai sollte das mit Interreg-Mitteln geförderte Objekt mit einem Festakt der Landesregierung anlässlich 20 Jahre deutsch-­polnische Zusammenarbeit eingeweiht werden. „Der Termin wurde bereits zu Beginn der Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie abgesagt“, erklärt Darius Müller, Leiter der Einrichtung. Schloss Trebnitz ist geschlossen. Es finden keine internationalen Jugendbegegnungen statt. Der Verein muss, wie alle anderen im Land, die weitere Entwicklung abwarten. Für einen Teil der Beschäftigten wurde Kurzarbeitergeld beantragt. „Wir erhalten jedoch Unterstützung durch das Ministerium“, ist Darius Müller dankbar. Er hofft, dass die Einrichtung durch diese Hilfe die Krise gut übersteht.

Die Einweihung der Scheune soll voraussichtlich im Herbst nachgeholt werden. Mit der Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes hat der Verein nach der Restaurierung der Alten Schmiede (2013), der Remise (2015, heute Dorfladen) und des Waschhauses (2017, heute Gustav-Seitz-Museum) noch einmal ein großes Vorhaben gestemmt. Rund 1,1 Millionen Euro fließen in den Bau. Der Verein muss entsprechende Eigenanteile aufbringen. Möglich wurde die Investition durch das deutsch-polnische Interreg-Projekt „Grenzenloser Dreiklang“ mit EU- und Landesförderung.

Zwickelmauerwerk erhalten

Dazu gehören die Herrichtung des Siemiradzkis-Parks zum Begegnungsort für Kunst und Natur in Gorzow sowie die Sanierung des Kulturhauses in Witnica. Gefördert wird die Schaffung von Kultur- und Bildungsnetzwerken in der Grenzregion. Der Verein Schloss Trebnitz agiert als Lead-Partner, übernimmt die Koordination und Abrechnung aller Mittel .

Vor zwei Jahren hätte kein Außenstehender der um 1870 errichteten Trebnitzer Feldsteinscheune eine Chance gegeben. Der Verein übernahm das Gebäude, um damit einen Veranstaltungsraum für 195 Personen zu schaffen. Aufgrund der Brandschutzbestimmungen dürfen sich in den Räumen des Schlosses maximal 60 Personen aufhalten. Ob Konzerte, Fachtagungen oder besondere Kulturprojekte – oft ist der Bedarf für den Besuch solcher Veranstaltungen deutlich größer. Das Seelower Planungsbüro pro3 übernahm Planung und Baubetreuung. Es war auch bei der Sanierung des Waschhauses federführend. Der Scheunenbau war einst typisch für die Mark. Umso wertvoller ist ihr Erhalt. Und wieder gab es einige Herausforderungen zu bewältigen, darunter die extreme 42-Grad-Dachneigung.

Die alten Mauern hätten ein neues Dach nicht mehr getragen. So wurden innen riesige Stützpfeiler eingebaut, auf denen das neue, imposante Dach ruht. Die Firma Jaß aus Libbenichen als Hauptauftragnehmer sowie Tauerbau aus Neuentempel haben ihr ganzes Know How in Sachen Restaurierung eingebracht.

Das Ergebnis sei beeindruckend, steht für Müller und Gebhard fest. „Die Handwerker haben großartige Arbeit geleistet.“ Das alte Feldsteinmauerwerk wurde zum großen Teil erhalten. Ein Hingucker sind die sanitären Anlagen, die in einem Anbau auf der Rückseite errichtet wurden. Das historische Zwickelmauerwerk der Scheune blieb auch dort erhalten.