Drogen in Seelow
: Sucht- und Drogenberatung der Diakonie lädt zum Informationstag

Eine Sucht belastet nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch deren Angehörige. Die Diakonie möchte am Tag der offenen Tür über dieses sensible Thema aufklären.
Von
Peter Grenz
Seelow
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Eine junge Frau raucht einen Joint. Über die Ursachen, die Risiken und wie man davon wieder loskommt, informiert die Sucht- und Drogenberatung am 18. Oktober 2023 in Seelow.

Paul Zinken

Es gibt viele Arten von Süchten. Und nicht jedes regelmäßige Verhalten oder jeder regelmäßige Konsum ist bereits eine Sucht. Über die vielen unterschiedlichen Arten, deren mögliche Ursachen und wie Betroffene, Freunde und die Familie sich verhalten sollten – darüber möchte die Sucht- und Drogenberatung der Diakonie am Tag der offenen Tür informieren. Er findet am Mittwoch, 18. Oktober, in der Zeit von 14 bis 17 Uhr in Seelow statt.

Unterschiedliche Arten von Süchten

„Unabhängig blieben!“ – das ist das Motto der Sucht- und Drogenberatung der Diakonie in Seelow. Sie betreibt im Landkreis Märkisch-Oderland Beratungsstellen in Seelow, Wriezen und Bad Freienwalde. Insgesamt sind fünf Mitarbeiter, drei Frauen und zwei Männer, in diesem Bereich für die Diakonie tätig.

Im Gespräch mit der MOZ informieren Martin Schulze, kommissarischer Leiter der Beratungsstelle, und Julia Müller-Kallee, zuständig für Beratung und Prävention, über grundsätzliche Fragen bei der Sucht- und Drogenberatung. So könne man eine Sucht in zwei Arten einteilen, die substanzbezogene und die verhaltensbezogene Sucht. In den Beratungsstellen wird in Erwachsene über 27 Jahre und in Jugendliche unter 27 Jahre unterschieden. Hauptsucht bei Erwachsenen ist der Alkohol, bei Jugendlichen das Cannabis, auch unter dem Begriff „Gras“ bekannt.

Martin Schulze (kommissarischer Leiter) und Julia Müller-Kallee (Beratung und Prävention) von der Diankonie beraten mit weiteren Mitarbeitern Betroffene und Angehörige zum Thema Sucht. Dieser Service ist kostenlos und kann auf Wunsch anonym erfolgen.

Peter Grenz

Hinter jeder Sucht steht eine Geschichte

„Bei einer Sucht spielen mehrere Einflussfaktoren eine Rolle“, erklärt Martin Schulze von der Beratungsstelle. „Das sind das Suchtmittel selbst, der Mensch, das Milieu und die Geschichte dahinter“, sagt er. Bei Suchtmitteln spielten Kosten und Verfügbarkeit eine Rolle. Als Beispiel nennt er den Alkohol, der wesentlich einfacher und preiswerter beschafft werden kann, als harte Drogen.

Es gehe auch immer um die Charaktereigenschaften der Betroffenen, ob sie willensstark oder leicht beeinflussbar sind. Und letztendlich spiele das Umfeld eine nicht unwesentliche Rolle. Der Experte unterstreicht aber, dass eine Sucht nicht vom Bildungsstand abhängig ist. „Manchmal gibt es Umstände und Ereignisse im Leben, die Menschen anfällig für eine Sucht machen“, sagt Martin Schulze. „Diese zu kennen, kann ein Schlüssel zur Überwindung sein.“

Suchtverhalten in Deutschland

● 1,6 Millionen Alkoholabhängige

● 4,4 Millionen Tabakabhängige

● 1,5 bis 1,9 Millionen Medikamentenabhängige

● 1,3 Millionen Menschen mit Glücksspielstörung

● 309.000 Cannabisabhängige

● 103.000 Amphetaminabhängige

● 43000 Kokainabhängige

(Quelle Brandenburgische Landesstelle für Suchtfragen e. V.)

Prävention im Jugendbereich ist wichtige Aufgabe

Gerade im Jugendbereich möchte die Sucht- und Drogenberatung frühzeitig aufklären. „Wir besuchen in den Schulen Kinder und Jugendliche von der siebten bis zur zwölften Klassenstufe oder gehen in Betreuungseinrichtungen, um dort aufzuklären“, berichtet Julie Müller-Kallee im Gespräch mit der MOZ. Hier nennt sie beispielhaft den neuen Hype um die elektrischen Zigaretten, die sogenannten Vapes, oder die sozialen Medien, wie TikTok, die Vorstufen für ein Suchtverhalten sein können. Müller-Kallee: „Darüber klären wir auf. Was noch normal ist und ab wann man von einer Sucht sprechen kann.“

Die Kinder und Jugendlichen sollen in den Veranstaltungen die Gefahren erkennen und lernen, auch Nein zu sagen. Darüber hinaus schult die Beratungsstelle Lehrer, Betreuer und Erzieher und gibt ihnen Methoden zur Erkennung und wie man damit umgeht an die Hand. „Die Nachfrage nach Präventionsarbeit ist hoch“, so Julia Müller-Kallee.

Die Sucht- und Drogenberatung der Diakonie befindet sich in der Feldstraße 3e in Seelow. Sie ist unter der Telefonnummer 03346-896922 oder per E-Mail an suchtberatung@diakonie-ols.de erreichbar.

Peter Grenz

Nach Namen wird nicht gefragt

„Die Beratung, die wir anbieten, kann jedermann in Anspruch nehmen – Betroffene, Angehörige, Erzieher oder jeder, der sich informieren möchte oder Hilfe benötigt“, erklärt Leiter Martin Schulze. Diese werde nicht nur kostenlos angeboten, sondern könne auf Wunsch auch komplett anonym erfolgen. Denn manchen Betroffenen sei es peinlich, sich seine Sucht einzugestehen. „Es ist aber nicht unser Ansinnen, den Zeigefinger zu erheben“, betont Schulze. „Gemeinsam mit dem Hilfesuchenden schauen wir auf mögliche Ursachen und suchen nach Wegen heraus.“ Dabei solle die Person selbst entscheiden, wie oft sie die Beratungsstelle aufsucht. Manche kämen wöchentlich, andere monatlich und wieder andere sogar unregelmäßig.

Umfassende Informationen zur Arbeit der Sucht- und Drogenberatung der Diakonie erhalten Interessierte am Tag der offenen Tür, können sich aber auch zu den normalen Öffnungszeiten an die Beratungsstelle wenden. Sie ist dienstags von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 18 Uhr sowie donnerstags von 10 bis 12 Uhr erreichbar. Termine können auch unter der Rufnummer 03346-896922 vereinbart werden. Die Beratungsstelle ist immer paritätisch besetzt. Es kann also zwischen einer Beraterin und einem Berater gewählt werden. Der Tag der offenen Tür in Wriezen findet am 22. November 2023 und der in Bad Freienwalde am 6. Dezember 2023 statt.

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