Europameister zu Gast
: Mario Basler plaudert in Neuhardenberg über seine Karriere

Fußballstar gastiert im Schloss auf Einladung vor 200 Gästen wegen seiner Biografie „Eigentlich bin ich ein Super Typ“.
Von
Cornelia Link-Adam
Neuhardenberg
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So stand Thorsten Legat nackig beim Kiefer-Röntgen: Fußballstar Mario Basler ließ sich am Dienstagabend vor 200 Gästen im Neuhardenberger Schloss nicht nur zu seiner Biografie befragen sondern erzählte auch noch ein paar Geschichten über die Kollegen.

Cornelia Link-Adam

Schumacher empfahl in Zeiten von Donald Trump und Boris Johnson nicht in Selbstmordgedanken zu verfallen sondern lieber Ablenkung durch die schönste Nebensache der Welt zu genießen. „Und dafür ist Mario Basler super geeignet.“ Viele Fußballer hätten während ihrer Karriere Bierchen getrunken, doch nur er habe es auch zugegeben. Seine Bodenständigkeit mache ihn sympathisch, zum gern gesehenen Gast, „hier mit Heimspiel“.

Legere Plauderei aus dem Leben

Mario Basler machten die lieben Begrüßungsworte eher verlegen. Er nahm auf der Bühne Platz, ihm zur Seite Moderatorin Christine Reinshagen. Sie stellte kurz seine Vita vor, was aber viele im Zuschauerraum schon wussten und nahm Bezug zu Baslers frisch erschienene Biografie „Eigentlich bin ich ein Super Typ“. Der 50-Jährige plauderte gut eine Stunde zu vielen Fragen. Schon mit 13 Jahren habe er angefangen zu trainieren, wollte immer Fußballprofi werden. Fuhr 35 Kilometer zum Training. Das letzte Jahr ließ er die Schule sausen. „Dann hab ich eine Maler-Lehre beim Onkel gemacht, musste aber nie hin, war immer beim Training.“

Dabei sei er immer schon der Beste gewesen. „Laufen war nicht so meins, ich hatte aber einen guten rechten Fuß.“ Der Mittelfeldspieler wird noch heute als genialer Fußballer geschätzt. „Dabei bin ich ein einfach gestrickter Mensch, geh’ in Jogginghose zum Bäcker und hab mir heute extra ein Sakko angezogen“, sagte er in Jeans, Pulli und Turnschuhen sitzend mit Blick auf viele schmuck gekleidete Zuhörer im Saal. „Ich hab’ nie wie ein Promi gelebt und trotzdem bewiesen, dass man prima Fußball spielen kann, wenn man auch nur zwei Stunden geschlafen hat.“ Damit nahm er Bezug auf viele durchzechte Nächte, die ihn in den 1990er-Jahren immer wieder in die Schlagzeilen brachten.

Mit 24 Jahren hatte ihn Trainer Otto Rehhagel zu Werder Bremen in die 1. Liga geholt und ließ ihm viele Freiheiten. „Die anderen Spieler haben halt nicht so gut gespielt." Freiheiten lasse er nur seinen drei Kindern. Dass er oft weg war, zum Training, habe den Ehen geschadet. Zweimal geschieden sei er, erzählte er. Echte Freunde, davon habe er nur fünf. Noch immer lege er Wert auf „Bitte und Danke“ bei Autogramm-Wünschen. Und wenn er keine Lust habe, werde er auch mal laut. Natürlich sprach man auch über seine Karriere bei Bayern München und das erst in der Nachspielzeit verlorene CL-Finale 1999 gegen Manchester United. „Hätten sie mich mal in der 89. Minute nicht ausgewechselt, da stand’s für uns noch 1:0“, sagte er überzeugt. Gefeiert habe er danach mit Bierchen trotzdem.

Autogramme gegeben

Nachdem sein Manager Wim Vogel noch Passagen aus dem Buch vorgelesen hatte, erzählte Mario Basler noch ein paar alte Storys. Der Saal grölte. Ehe er im Foyer zwischen den Büfett-Essern viele Autogramme schrieb, ging er erst mal eine rauchen. Und noch eine. Ob er schon mal hier in der Gegend war? „Nein“, sagte Mario Basler der MOZ. Bei der Hinfahrt habe er viel flaches Land gesehen. "Und ein Dorf, das schien unbewohnt wie eine Geisterstadt“, sagte er offen wie immer. Gemeint war Wulkow nebenan.

Stationen seines Lebens

Mario Basler wurde am 18. Dezember 1968 in Neustadt an der Weinstraße geboren. Seine berufliche Karriere begann er als Kind bei den Amateuren vom 1. FC Kaiserslautern, ging dann zu Rot-Weiß Essen und Hertha BSC Berlin. Den Aufstieg aus der 2. Bundesliga schaffte er mit dem Wechsel zu Werder Bremen. Trainer Otto Rehhagel machte ihn zum Star, wurde sein Mentor. Als Andi Herzog zurück zu Bremen wollte, nutzte Mario Basler seine Chance und kam dadurch zu Bayern München. Es folgten danach noch Anstellungen in Kaiserslautern und als Trainer in Kathar. Nebenbei war er Europameister, mehrfacher Deutscher Meister und Pokalsieger und Bundesliga-Torschützenkönig – als Mittelfeldspieler. Er war 2016 im TV-Dschungelcamp, ist Berater, hat Shows und engagigert sich sozial für Behinderte. ⇥co