Festung Küstrin: Relikt der Kronprinzen-Tafel, deshalb kehrt sie nun zurück

Festung Küstrin: Martin Rogge vom Verein für die Geschichte Küstrins (l.) tauschte sich 2011 mit Wolfgang Bartsch zu einem Relikt aus der Küstriner Altstadt aus, einem Erinnerungstafel-Fragment für Kronprinz Friedrich.
Johann Müller- Ein Fragment einer Tafel, die an Kronprinz Friedrichs Aufenthalt in Küstrin erinnerte, kehrt zurück.
- Die Übergabe erfolgt am 24. Januar 2026 in Küstrin – ein symbolischer Akt zum 314. Geburtstag Friedrichs II.
- Das Fragment, 1993 entdeckt und illegal nach Deutschland gebracht, gehörte einst zu einer Sammlung.
- Jahrelanger Streit zwischen Museen und Sammlern verzögerte die Rückführung des Relikts.
- Unterschiedliche Sichtweisen auf Friedrich II. prägen die Darstellung seiner Geschichte in Polen und Deutschland.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Aus der MOZ hatte der damals frisch gebackene Küstriner Museumsleiter Richard Skalba 2011 davon erfahren: Im Letschiner Gasthaus von Wolfgang Bartsch befand sich ein Teil jener Tafel, die bis zur Zerstörung der Festungsstadt vor 81 Jahren am Haus in der Küstriner Schulstraße 50a hing.
Sie erinnert daran, dass der junge Kronprinz vom 19. November 1730 bis zum 26. Februar 1732 dort mit seinen Kammerdienern wohnte. „Ich bin verpflichtet, darauf hinzuweisen, dass diese Tafel dem polnischen Staat gehört?“, machte Skalba damals seinen geringen Spielraum deutlich. Es kam zu keiner Einigung.
Erst 15 Jahre später kommt es am Sonnabend, 24. Januar 2026, zu einem Happy End: Bei einer Veranstaltung mit dem Titel „Friedrich kehrt nach Küstrin zurück“ wird Dr. Andrzej Kunt, Bürgermeister der Stadt Kostrzyn-Küstrin von Michael Böttcher, Bürgermeister von Letschin, am Berliner Tor der Festung Küstrin das Relikt feierlich überreicht. Anlass ist der 314. Geburtstag des Preußenkönigs Friedrich II.

Fragment einer Tafel: 2011 entbrannte ein Streit zwischen einem Letschiner Preußen-Fan und dem neu gegründeten Festungsmuseum Küstrins um dieses Relikt.
Johann MüllerFestung Küstrin: Andere Teile des Fragmentes vermisst
1993 war das Relikt gefunden worden. Ein Sammler brachte es illegal nach Deutschland. Wolfgang Bartsch, der das Tafelfragment seit 2006 in seiner umfangreichen Sammlung hatte und liebevoll restaurieren ließ, zeigte sich damals wenig geneigt, es abzugeben. Aus der Herkunft der Tafel hatte er nie ein Geheimnis gemacht. Wo die anderen Teile der Tafel geblieben sind, ist bis heute ein Rätsel.
Umso wichtiger war es dem Festungsmuseum Küstrin, das sich 2011 noch im Aufbau befand, in den Besitz dieses Reliktes zu kommen. Trotz einer durch Museumsmitarbeiter vorgenommenen genauen Durchsuchung der Ruine wurden 2011 die anderen, verloren gegangenen Fragmente der Tafel nicht gefunden.
Doch Wolfgang Bartsch verwies damals auf andere Beispiele in Museen, wo es ebenfalls Rückgabewünsche zu Exponaten gebe. Der Preußen-Fan, in dessen „Friedrich-Zimmer“ die Tafel aufbewahrt wurde, bereitete sich damals auf das 675. Jubiläum Letschins sowie den 300. Geburtstag des Alten Fritz am 24. Januar 2012 vor.
Eine sofortige Rückführung des Tafelfragmentes hätte damals ohnehin wenig Sinn gehabt. Das Museum Kostrzyn stand erst am Anfang seines Aufbaus, schätzte Skalba ein. Es gab weder eine Ausstellungsmöglichkeit für Exponate, noch ein Archiv oder geeignete Räume zur Aufbewahrung von Museumsgütern. Skalba hatte große Zweifel, ob sich die Bastion Philipp, die für rund acht Millionen Zloty (etwa zwei Millionen Euro) saniert werden sollte, als Museum eigne.
Auch das Angebot Ryszard Skalbas, mit Bartsch einen Vertrag auszuhandeln, der dem Letschiner Friedrich-Fan gestattet, das Tafelfragment zu präsentieren, war fehlgeschlagen. In einer in Kostrzyn verbreiteten Zeitung waren zudem die polnischen Einwohner der Festungsstadt über den Fall informiert worden.
Darin hieß es: „Wir sehen Anlass zur Mahnung, dass jede Suche ohne Erlaubnis illegal und von Strafe bedroht ist.“ Kein Verständnis hatte Reinhard Schmook vom Bad Freienwalder Oderlandmuseum für die Auseinandersetzungen um das Tafelfragment. „Aus meiner Sicht handelt es sich dabei um das gemeinsame europäische Erbe, das auch als solches behandelt werden muss. Dieser Grundsatz muss Arbeitsbasis für den Umgang damit sein“, so Schmook. Er nannte als Beispiel dafür die sehr gute Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen in der ehemaligen Kreisstadt Königsberg/Neumark, dem heutigen Chojna.
Nach dem Unfalltod von Wolfgang Bartsch im vorigen Jahr hatte sich Letschins Bürgermeister Michael Böttcher mit den Erben in Verbindung gesetzt. Er sei schon immer davon überzeugt gewesen, dass diese Kronprinzentafke dahin gehört, wo sie herstammt: in die Altstadt von Küstrin-Kostrzyn. Am Samstag, 24. Januar, wird er sie dort um 12 Uhr übergeben.
Museum in Küstrin: Sichtweisen auf den Preußenkönig
In den vergangenen Jahren hat sich das Festungsmuseum unter der Leitung von Ryszard Sklaba, der sich nun auf seinen Ruhestand vorbereitet, gut weiterentwickelt. Es setzt sich auch mit den unterschiedlichen Sichtweisen auf die Geschichte auseinander. Aus polnischer Sicht werden Persönlichkeiten wie der Alte Fritz etwas anders bewertet als aus deutscher. Während die Deutschen ihn als großen König bezeichnen, ist er für das polnische Verständnis ein Herrscher, der die Teilung Polens mitbewirkt hat.
Die Geschichte der missglückten Flucht und der Festungshaft von Kronprinz Friedrich bleibt ein wichtiges Thema. Auch dass der Kronprinz, der am 6. November 1730 in Küstrin die Enthauptung seines engen Freundes miterleben musste, während seiner Verbannung Trost bei der schönen, damals 23-jährigen Louise Eleonore von Wreech suchte, die auf Schloss Tamsel in der Nähe von Küstrin wohnte, gehört zur Küstriner Geschichte.
Die beiden nannten sich Cousin und Cousine und schrieben sich französische Gedichte. Aber mehr als eine enge platonische Beziehung, sagte Marga van Tankeren, habe es zwischen ihnen nicht gegeben. Eleonore von Wreech las Friedrichs gefühlsbetonte Briefe immer auch ihrem Mann und dem Rest ihrer Familie vor.



