Feuerfest Schönfließ: Grandiose Lasershow, WC-Flatrate – aber auch ein Abschied

Das 21. Feuerfest wurde am Sonnabend (15. Juni) in Schönfließ gefeiert.
Katja GehringSie wollte nicht allein zu Hause sitzen und ließ sich von Freunden überreden, mit ihnen zum Feuerfest zu fahren, erzählt eine Frau aus Frankfurter (Oder) am Sonnabend, während sie die Festwiese erkundet. „Ich war noch nie hier.“ Der erste Eindruck sei super.
Musik, Stände und viele Sitzgelegenheiten. „Das ist ja der Wahnsinn“, sagt die Mittvierzigerin, als sie von Maik Golze erfährt, dass in dem kleinen Dorf bei Lebus nur etwas mehr als 200 Menschen leben. Der Ortsvorsteher versichert: „Es wird noch besser“. Er sollte Recht behalten.
Man müsse keine Feier-Maus, um sich hier wohlgefühlt zu haben, resümiert die Frankfurterin, als sie gegen 0 Uhr den Heimweg antritt. Hinter ihr lägen sechs angenehme Stunden, für die sie gern Eintritt gezahlt habe. „Die sieben Euro waren total gerechtfertigt“, findet sie.
Auf dem Weg zum Auto fallen ihr die liebevoll arrangierten Detail auf. Der Wegesrand ist gesäumt von Teelichtern, an den Bäumen hängen bunte Bänder und bei einem Blick zurück zum Festgelände sieht sie erst, dass das Haus mit dem Schriftzug „Schönfließer Mitte“ bunt angestrahlt wird. „Wow, einfach nur wow.“
„Schönfließer Mitte“ heißt auch der Verein, der das Feuerfest nun schon zum 21. Mal organisiert hat. Die Vorsitzende Petra Golze teilt das Lob, dass ihr nahezu minütlich auf dem Festgelände zugerufen oder Daumen hoch signalisiert wurde, in ihrer kleinen Ansprache mit ihren Mitstreitern und den vielen Sponsoren. Während sie auf der Bühne ins Mikro spricht, präsentieren die Vereinsmitglieder sich auf der Tanzfläche, die sie gleich mit ihrem Tanz für die Besucher freigeben werden.
Roter Teppich für DJ Achim Orthen
Vorher wird im Bühnengraben aber noch ein roter Teppich ausgerollt. „Extra für dich, Achim“, verkündet Petra Golze. Der DJ begleitet das Feuerfest seit elf Jahren, ist in der Region zwischen Seelow und Frankfurt eine der DJ-Größen. An diesem Abend nun nimmt Achim Orthen Abschied von Plattenteller und Mischpult. „Du hast unsere Feuerfeste zu etwas ganz Besonderem gemacht“, versichert Petra Golze.

Petra Golze und DJ Achim Orthen beim Feuerfest Schönfließ 2024
Katja GehringSie erinnerte an den einen 16. Juni, als Achim Orthen als Vertretung im Zelt stand und alle mit seiner guten Stimmung überrascht habe. „Dein Gespür für die richtige Musik zur richtigen Zeit und deine Fähigkeit, die Menschen zum Tanzen und Feiern zu bringen, werden uns fehlen“, gibt Petra Golze ihm mit auf den Weg in den wohlverdienten Ruhestand. Dann – es dauert es einen Moment, bis sich alle wieder gefangen haben – erhebt Petra Golze ihr Glas und prostet der Menge vor der Bühne zu. Hunderte von Menschen jubeln zurück.

Fünf Meter hoch wurden die Holzscheite für das Feuer gestapelt.
Katja GehringWohlige Wärme am meterhohen Feuer
Die befreundete Truppe aus Frankfurt, zu der auch einige Kinder und Jugendliche gehören, hat es sich inzwischen im Zelt gemütlich gemacht. Einen Platz für alle zu finden, war kein Problem. Die Organisatoren vom Verein „Schönfließer Mitte“ haben ausreichend Bierzeltgarnituren aufgestellt – im Zelt und unter freiem Himmel.
Und: an jedem Tisch steht ein Abfallbehälter, der regelmäßig geleert wird. Dort landen dann auch die Pappteller, auf denen Minuten vorher noch Langos, Bratwurst und Kuchen waren. Geschlossen und bestens gelaunt gehen die Frankfurter in Richtung Holzscheite, die fünf Meter hoch gestapelt sind. Gleich wird das Feuer angezündet.
Die Leute der Schönfließer Feuerwehr laufen mit ihren Fackeln auf die Mitte des Festplatzes zu. Es sind Männer, Frauen und kleine Steppkes in viel zu großen Feuerwehr-Jacken. Das Zünden des Feuers, das von Böllerschüssen der „Königlich Preußische Festungsartillerie zu Küstrin“ begleitet wird, klappt reibungslos. In kurzer Zeit ziehen die Flammen hoch bis in die Spitze. Sofort strahlt das Feuer seine Wärme aus. In einem Umkreis von mindestens zwanzig Metern muss an diesem Abend niemand mehr frieren.

Die „Königlich Preußische Festungsartillerie zu Küstrin“ (r.)
Katja GeringVerena de la Caridad verbreitet Gänsehautfeeling
Verträumt sitzen die Besucher auf dem Rasen und beobachten das Feuer und lauschen dem Gesang von Verena de la Caridad, die mit ihrer Stimme Gänsehautfeeling verbreitet. In Gedanken versunken spielen viele von ihnen an ihren grünen Armbändchen, die am Einlass gegen das Eintrittsgeld getauscht wurden. Einige haben aber auch noch ein zweites, pinkfarbenes Band. Was es damit auf sich hat, erfährt die Mittvierzigerin, als die Kinder aus der Frankfurter Freundes-Gruppe nach reichlich roter Brause und Slush-Eis mal müssen.

Das Feuer konnte ohne Probleme angezündet werden.
Katja GehringAn dem eigens angemieteten Toilettenwagen, der etwas abseits geparkt ist, wird eine WC-Flatrate für zwei Euro angeboten. „Das ist ein Schnäppchen“, meint ein junger Mann, der gleich auch noch ein Bändchen für seine Partnerin mitnimmt. „Sowas haste echt nur beim Feuerfest“, erklärt er begeistert. Die Kinder aus Frankfurt haben Glück. Auch sie können noch solch einen pinken Armschmuck mit Mehrwert ergattern. Alle sind happy.
Lasershow begeistert das Publikum
Kurz nach 23 Uhr verkündet Achim Orthen, dass gleich die spektakuläre Lasershow beginnen wird. Die Veranstalter hatten sich in diesem Jahr gegen ein Feuerwerk entschieden. „Aus Brandschutzgründen“, lautete die Begründung von Ortsvorsteher Maik Golze. Für die Kinder aus Frankfurt sei das die beste Nachricht des Abends. Ein Feuerwerk wäre viel zu laut und Laser sowieso viel cooler. Zu dieser Einschätzung sind nach einer guten halben Stunde wohl auch die meisten anderen Besucher des Feuerfests gekommen.

Verena de la Caridad aus Frankfurt (Oder) sorgte mit ihrem Gesang für Gänsehautfeeling.
Katja GehringEs ist, als ob einem eine farbige Zimmerdecke auf den Kopf fällt – so stark sind die Lichtstrahle, die über das Festgelände wandern. Rot, Lila, Grün, Blau, Gelb, Pink und viele andere Farben sind am Himmel über Schönfließ zu sehen. Die Ahs und Ohs aus dem Publikum übertönen die Songs wie Rythm Is a Dancer, die aus den Lautsprechern erklingen.
Alle sind fasziniert –auch die Frau aus Frankfurt. Nicht als einzige zückt sie ihr Handy, um die Lasershow zu fotografieren und zu filmen. Mit diesen wundervollen Eindrücken und im Kreise ihrer Freunde verlässt sie das Festgelände und nimmt sich vor: „Beim nächsten Feuerfest in zwei Jahren bin ich hundertprozentig wieder dabei“.

Das Vereinsgebäude „Schönfließer Mitte“ wurde an farbig angestrahlt.
Katja Gehring








