Mitten in einer für Gastronomen deutschlandweit deprimierenden und teils existenzbedrohenden Situation kommt aus dem Podelziger Gasthaus „Am Anger“ ein Signal der Hoffnung: Das traditionsreiche Dorfgasthaus wird weitergeführt. Barbara und Michael Baarsch aus Küstrin-Kietz haben es vom Vorbesitzer erworben, sind seit dem Jahresbeginn die neuen Eigentümer.

Die große Gaststube ist Baustelle

Wer durch die großen Scheiben am Eingang in die Gaststube schaut, kann sehen: Hier wird gebaut. Eben hat Michael Baarsch im Bereich rechts vom Tresen neuen Estrich gegossen. Dann soll auch dieser Bereich neu gefliest werden.
„Zum Glück habe ich meinen eigenen Handwerker“, sagt Barbara Baarsch lachend. Die 45-Jährige wird die neue Wirtin im Podelziger Gasthaus sein. Ihr Mann (57) ist selbständiger Bauhandwerker – und führt derzeit im Podelziger „Anger“ Regie. Zu tun gibt es viel. Barbara Baarsch spricht von einem „Sanierungsstau“, der abzubauen sei.

Erfahrungen als Wirtin im Oder-Café gesammelt

Die ersten Erfolge sind offensichtlich: Die neue weiße Decke, helle Wände und der neue Fußboden verleihen dem Gastraum ein freundliches Flair. Die Polster der hölzernen Sitzmöbel sind neu bezogen. Auswechseln will Barbara Baarsch sie nicht. „Es soll ja ein Dorfgasthof bleiben“, sagt die gebürtige Polin, die seit mehr als 20 Jahren in Deutschland lebt und 10 Jahre das Oder-Café und Restaurant in Kostrzyn (Küstrin) betrieben hat.
„Da hatte ich viele deutsche Stammkunden. Ich hoffe, die folgen mir auch nach Podelzig“, sagt die neue „Anger“-Wirtin. Sie will das Podelziger Gasthaus zu einer „guten Adresse für regionale deutsch-polnische Küche machen“.

„In Polen wäre das nicht möglich“

Dafür braucht es eine von Grund auf renovierte und neu ausgestattete Küche im Gasthaus. „Dass deutsche Hygiene-Inspektoren den bisherigen Zustand akzeptiert haben, wundert mich. In Polen wäre das nicht möglich“, sagt Barbara Baarsch. Derzeit wird auch die alte Elektroanlage im Haus erneuert.
Zum 1. März hat die Küstrin-Kietzerin ihr Gewerbe in Podelzig angemeldet und will auch die Servicekraft ihres Vorgängers wieder beschäftigen. Wann das renovierte Gasthaus wieder öffnen kann, ist noch ungewiss. „Aber ich will mit einem Außer-Haus-Verkauf starten“, so die Anger-Wirtin.

Die Gemeindevertreter waren eingeladen

Sie hatte Podelzigs Gemeindevertreter eingeladen, um sich und ihr Vorhaben zu präsentieren. „Mich freut besonders, dass es einen nahtlosen Übergang gibt und dass unser Gasthaus durch die Modernisierung Zukunft haben wird“, sagt Podelzigs Bürgermeister Thomas Mix danach.
Die Gemeindevertreter hätten der neuen Wirtin ihre Unterstützung zugesichert, so Mix weiter. So soll der traditionelle monatliche „Treff am Donnerstag“ weiter im Gasthaus stattfinden. Und wenn es ums Catering für eine gemeindliche Veranstaltung geht, „werden wir auch künftig die örtliche Gastronomin zuerst fragen“, betont Podelzigs Bürgermeister.
Seit wann es das Gasthaus „Am Anger“ gibt, ist dem Podelziger Geschichtsfreund Jürgen Kurtz nicht bekannt. An der Stelle habe jedenfalls schon vor dem Krieg ein Gasthaus gestanden, weiß die gebürtige Podelzigerin Evelin Röstel.