Gastronomie-Regeln
: Hunde im Oderbruch nicht immer willkommen

Enttäuscht wurden jetzt Stammgäste des Kunstspeichers Friedersdorf: Sie sollten ihren Hund ins Auto bringen.
Von
Anett Zimmermann
Seelow
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Lebus: Kerstin Scheffler geht mit "Einstein" und "Akus" oft spazieren. Im "Anglerheim" sei Einkehr mit Hund kein Problem, sagt sie.

Matthias Lubisch

„Wir waren die einzigen Gäste“, berichtet Irene Krauß auch am Telefon und kann das Folgende immer noch nicht verstehen. „Die Bedienung wies uns darauf hin, dass große Hunde nicht in den Gastraum dürften, sondern nur kleine. Unser Hund sollte ins Auto gebracht werden und dort verbleiben, während wir essen.“ Ein Hinweis auf diese Beschränkung sei im Kunstspeicher allerdings nicht sichtbar, sagt Irene Krauß und fügt hinzu: „Wir sind gegangen.“

Entscheidung von Fall zu Fall

Regina Kursawe hört über die Zeitung das erste Mal vom Vorfall und äußert sofort ihr Bedauern darüber. Allerdings, so macht sie deutlich, hätte sie sich auch gewünscht, dass die Kritik direkt gegenüber den Verantwortlichen des Kunstspeichers geäußert worden wäre. Hunde seien dort lediglich im Laden nicht erlaubt und darauf werde mit einem Piktogramm im Treppenhaus aufmerksam gemacht. Sollte es von Kunden mal übersehen werden, so würden diese darauf hingewiesen, dass Hunde wegen der angebotenen Lebensmittel nicht gestattet sind. Für den Gastraum gelte dies nur in bestimmten Fällen. „Wenn wir einen Brunch mit Büfett haben“, nennt Regina Kursawe ein Beispiel und verweist zudem auf Zeiten, wenn das Wirtshaus sehr voll ist. So würden Hundehalter bei Reservierungen in Weihnachtszeit gebeten, ihre Lieblinge zu Hause zu lassen. „Dafür haben die meisten auch Verständnis.“

Das Erlebnis der Stammgäste macht sie jedoch nachdenklich. Regina Kursawe will mit den Mitarbeitern sprechen, auch mit Irene Krauß. „Wir haben inzwischen telefoniert“, sagt sie, als die Redakteurin vorbeischaut, und fügt hinzu: „Wir werden bei der bisherigen Regelung bleiben.“ Das heißt: Hunde sind grundsätzlich willkommen. Alles andere müsse je nach Situation entschieden werden.

Und wie schaut es andernorts aus? In einem Fenster des Cafés am Markt in Seelow hängt ein Ausdruck mit Hundezeichnung, auf dem steht: „Ich muss draußen bleiben.“ Das habe hygienische Gründe, begründet eine Mitarbeiterin. Schließlich werden dort ebenfalls Backwaren zum Verkauf angeboten. Angelika Voigt von der Tourist-Information „Oderbruch und Lebuser Land“ in Seelow spricht bei Gästen mit Hund von einer starken Zielgruppe. Darauf hätten auch die Anbieter von Übernachtungsmöglichkeiten in der Region reagiert.

„Sie geben bereits in den Gastgeberverzeichnissen oder auf ihren Internetseiten an, dass Hunde willkommen oder auf Anfrage möglich sind.“ Denn: Hund sei nicht gleich Hund. „Da gehen die Vorstellungen mitunter auseinander“, sagt Angelika Voigt und gibt zu bedenken: „Wir sind hier im ländlichen Raum, gerade im Dorf gehören Hunde dazu.“ Und gerade zum Jahreswechsel würden von Hundebesitzern ruhigere Quartiere gesucht. Letztlich entscheiden alle Anbieter aber selbst.

Hotel- und Gaststättenbetreiberin Waltraud Meyer überlässt die Entscheidung letztlich ihren Angestellten. Schließlich hätten diese unter Umständen auch den Mehraufwand, sagt sie. Deshalb verlangen nicht wenige Anbieter von Unterkünften inzwischen auch eine Extra-Gebühr, weiß Sandra Haß vom Tourismusverband Seenland Oder-Spree. Der hygienische Aspekt sei nicht von der Hand zu weisen: Dennoch nehme die Nachfrage im Bereich Ferien-wohnungen für Übernachtungen mit Hund zu. „Mitunter haben Gäste nicht nur ein Tier dabei“, berichtet sie, weiß anderseits aber auch, dass Hunde zum Teil unerwünscht sind. „Miteinander zu reden, hilft in allen Lebenslagen“, meint sie. Wer vorab und vor allem höflich nachfrage, könne auch mit einer offenen Reaktion der Betreiber rechnen.

Und gerade im Sommer bei heißen Temperaturen seien viele Wirte auch sehr um die tierischen Gäste bemüht, würden Näpfe und Wasser zur Verfügung stellen. Nicht ganz außer Acht lassen dürfe man bei dem Thema allerdings, dass es Menschen gibt, die auf Tierhaare allergisch reagieren oder Angst vor Hunden haben. So sei es manchmal ein Balanceakt, alle Gäste zufrieden zu stellen. Erst recht, wenn Terrasse und Gastraum rappelvoll seien.