Gesund essen: Kompromisse auf der Kinderkarte

Nudeln mit Zimt und Zucker statt Salat: Für die achtjährige Frieda war es im Golzower Gasthaus Wagner schon ungewöhnlich, am Abend noch mal Mittagessen zu bekommen. Kellnerin Kerstin Kanne versuchte trotzdem, sie vom leckeren Salat zu überzeugen.
Ulf Grieger/MOZGrundlage für den Aufruf der Bundesinnenministerin war eine Studie der Uni Heidelberg, nach der sechs Gerichte auf den Kinderkarten 70 Prozent der Angebote ausmachen. Genannt wurde es „das übliche Pipapo“, wobei die Abkürzung für „Pizza, Pasta, Pommes“ steht. Klöckner rief dazu auf, jedes kleine Schräubchen für gesunde Kinderernährung zu drehen. Sie plant, ein Gütesiegel für gesundes Kinder–Essen einzuführen.
Im Golzower Gasthaus Wagner findet sich die Kinderkarte inmitten der für Erwachsene. Kinder sind sehr willkommen, bekommen zur Unterhaltung Malzeug und können aus den Gerichten auswählen, die vielerorts auf Kinderkarten stehen. „Wir haben immer auf der Kinderkarte ein komplettes gesundes Kindergericht wie zum Beispiel Schnitzel mit Mischgemüse und Kartoffeln. Ansonsten dürfen natürlich Pommes ebenso wenig fehlen wie Nudeln, wahlweise mit Tomatensoße oder Zimt und Zucker“, sagt Wirtin Stefanie Wagner. Die Hähnchennuggets werden selbst gemacht, die meisten Zutaten kommen aus der Region. Stefanie Wagner engagiert sich auch bei der Erziehung der Kinder von Golzow zur gesunden Ernährung. Viele Schulklassen haben bereits im Projekt "Fit durch den Winter“ bei ihr die Obstarten gelernt und viel über Tischhygiene und Tischkultur.
Viel Mühe gibt man sich im Letschiner Landhaus Treptow mit den jüngsten Gästen. Wirt Lars Treptow präsentiert stolz die eigens gestaltete Kinderkarte, auf der ein abwechslungsreiches Angebot von Spíegelei mit Kartoffelpüree, Nudeln mit Apfelmus oder Zimt und Zucker, selbstgemachten Fischstäbchen, Kinderpizza bis hin zum kleinen Schweineschnitzel stehen. Das werde auch gut angenommen, sagt Lars Treptow, der den Kindern zudem Erlebnisse auf dem Spielplatz mit Haustierzoo bietet. Wichtig ist ihm, dass die Produkte, die er verarbeitet, aus der Region kommen und keine zu Fischstäbchen oder Nuggets zusammengepressten Stoffe, die nur aufgewärmt werden.
In allen Gasthäusern gibt es natürlich den so genannten Schnorr– oder Klauteller umsonst, mit dem sich die Kinder von den Tellern der erwachsenen mopsen könne, was ihnen schmeckt. Für alle Gastwirte ist das Kindermenü ein Kompromiss zwischen gesundem Angebot und den Wünschen der Kinder nach Pommes und Pizza. Das geht auch Sabine Wache, Wirtin der Gaststätte zur Ulme in Diedersdorf, so. Natürlich fehlen auch dort die Spaghettis und die Fischstäbchen nicht auf der Karte. Es gibt aber auch Kartoffelplinsen mit Apfelmus, die selbstgemacht sind und gut angenommen werden, sagte Sabine Wache. Wie bei den anderen Gastwirten bietet auch sie die Möglichkeit einer Kinderportion von den vielfältigen Angeboten an, die auf der Erwachsenenkarte stehen, so dass schon von daher der Eintönigkeit auf Kinderkarte Einhalt geboten wird. Vorausgesetzt, die Kinder wollen das auch.
Im Lebuser Anglerheim bietet Wirt Hans–Peter Bienert den jungen Gästen ebenfalls die gängigen Kindergerichte an, wobei er betont, dass auch dort alles frisch zubereitet wird und es keine Fertigware aus der Mikrowelle gibt. „Ich habe mich ja als Wirt des Wulkower Ökospeichers auch mal redlich gemüht, dem Ort entsprechend ein besonders ökologisch–nachhaltiges Menü auch für Kinder anzubieten. Das funktioniert nur, wenn die Leute das auch bestellen. Kinder haben da ihre eigenen Vorstellungen“, sagt Bienert. Viel hänge natürlich auch von den Eltern ab.
Insgesamt, so ein Ergebnis der Umfrage, kommen die Gastronomen den Kindern mit ihren Angeboten entgegen, die jedoch aus gesunden und regionalen Zutaten frisch hergestellt werden.
