Gesundheitsamt Märkisch-Oderland: Personalwechsel mitten in der Corona-Krise

Mit dem nächsten Stapel: Stefan Kastner und André Riffer (r.) haben auch am Osterwochenende gearbeitet.
Anett ZimmermannJe früher Symptome erkannt werden und sich Betroffene in häusliche Isolation begeben, desto größer seien die Chancen, dass sich das Coronavirus nicht weiter ausbreitet. Das hat für den bisherigen Leiter des Fachdienstes und seinen Nachfolger zurzeit oberste Priorität. Die ersten beiden Wochen im April hatten sich die Beiden allerdings etwas anders vorgestellt.
Sie sollten zum Einarbeiten genutzt werden. Doch seit Ende Januar, als die ersten Verdachtsfälle der neuen Lungenkrankheit in der Region auftraten, sei nichts mehr normal. So lange befasst sich auch Stefan Kastner bereits mit dem Virus und seinen Folgen. Zu diesem Zeitpunkt allerdings noch als Mitarbeiter des Gesundheitsamtes im Nachbarkreis Oder-Spree.
„Wir arbeiten sehr vergleichbar, auch in der aktuellen Situation mit ihren besonderen Herausforderungen“, sagt der Frankfurter, der nun nicht mehr nach Eisenhüttenstadt oder Beeskow, sondern nach Seelow zur Arbeit fährt. Im Dezember hat sich der 35-Jährige auf die Stelle von André Riffer beworben, der sich nach mehr als dreißig Jahren in der Hygieneüberwachung beruflich verändern wird.
Er gibt sein Wissen künftig als Dozent und Ausbildungsleiter Hygienekontrolleure, Infektionsschutz und Umwelthygiene an der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen weiter. Diese wird von mehreren Bundesländern, darunter Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, getragen und verfügt jetzt auch über einen Standort in der Hauptstadt. Riffer, der in Neutrebbin zu Hause ist, wird also nach Tempelhof pendeln.
Es ist dem 48-Jährigen anzuhören, dass er sich die Entscheidung nicht leicht gemacht hat. Doch so kurz vor der 50 sei ein guter Zeitpunkt für den Wechsel und für einen Jüngeren an der Spitze des Fachdienstes, sagt er. Und für die Ausbildung von Hygienekontrolleuren könne er nun noch eine Menge neuer Erfahrungen mit Praxisbezug mitnehmen.
„Bei Infektionskrankheiten gibt es keinen Feierabend“, erläutern sie und verweisen auf Meningitis, Hepatitis A, Masern und EHEC als weitere Beispiele. Deshalb gebe es im Fachdienst auch immer eine Rufbereitschaft. „Solche Fälle müssen abgearbeitet werden“, sagt Stefan Kastner. Bei Hepatitis A sei etwa eine Impfaktion als Schutzmaßnahme möglich. „Aber dafür müssen dann auch die Kontaktpersonen möglichst schnell gefunden werden.“ André Riffer verweist auf mehr als 7000 Erkrankungsfälle, mit denen sich der Fachdienst Hygiene und Umweltmedizin sonst routinemäßig und über das Jahr befasst.
Handakte wieder zurück
Das Coronavirus habe die Abarbeitung der Ermittlungstätigkeit jedoch völlig verändert. „Das ist jetzt eher Fließbandarbeit.“ So können Fälle oft nicht von ein und demselben Mitarbeiter zu Ende geführt, sondern müssen an einen anderen übergeben werden. Das funktioniere aber derzeit besser händisch als digital, wie sonst. Die Handakte sei also wieder zurück. „Natürlich erfolgt die Computereingabe, wenn auch etwas zeitverzögert.“ Der Fachdienst als Abteilung sei derzeit zudem größer als je zuvor. Es gibt viele Helfer aus anderen Bereichen. „Wir arbeiten nach Dienstplan in Schichten – auch am Wochenende“, sagt Stefan Kastner.
Jeden Morgen gebe es Absprachen zwischen den Teamleitern. „Es gibt immer Sachen zum Nachsteuern“, erklärt André Riffer und fügt hinzu: „Ich bin stolz, was wir bisher hinbekommen haben. Ich verlasse ein tolles Team.“