Grippe und Corona: Warum die Apotheken zwischen Bad Freienwalde und Lebus nicht impfen

Gegen Grippe, Masern, Tetanus oder auch Corona - Das Impfen soll helfen, die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern. Doch die Apotheken in Märkisch-Oderland impfen nicht. Warum?
Simone GriegerMit einer Impfung schützt man nicht nur sich selbst, sondern vor allem diejenigen Mitmenschen, die sich nicht impfen lassen können oder deren eigenes Immunsystem, trotz Impfung, nicht stark genug ist.
Nur wenn möglichst viele Menschen gegen eine Krankheit immun sind, kann deren Ausbreitung gestoppt oder sie bestenfalls sogar ausgerottet werden.
Was passiert bei einer Impfung?
Mit einer Impfung wird die körpereigene Abwehr angelernt, um einen Schutz gegen eine bestimmte Krankheit aufzubauen. Dazu werden abgeschwächte oder abgetötete Krankheitserreger in den Körper injiziert, um so eine Abwehrreaktion in Gang zu setzten. Der Körper bildet dabei Antikörper und speichert diese ab. Kommt es dann zu einer echten Infektion, können diese schnell abgerufen werden und den Erreger bekämpfen. Dieses nennt man aktive Immunisierung.
Im Gegensatz dazu werden bei einer passiven Immunisierung fertige Antikörper verabreicht. Das wird vor allem dann notwendig, wenn der Körper schon infiziert ist, der Impfschutz jedoch noch nicht ausreicht. Das ist oft bei Tetanus (Wundstarrkrampf) oder Tollwut der Fall.
Impfpflicht oder nur eine Empfehlung?
Eine Pflicht zur Impfung gibt es in Deutschland aktuell nur bei Masern. Diese gilt unter anderem für Kitas, Horte, Schulen, Gemeinschaftsunterkünfte, Krankenhäuser und Arztpraxen. Dabei gilt man auch als "geimpft", wenn die betreffende Person diese Krankheit schon einmal durchgemacht hat. Verstöße dagegen können mit Bußgeldern bis zu 2.500 Euro bestraft werden.
Während der Corona-Pandemie gab es darüber hinaus eine einrichtungsabhängige Impfpflicht für das Personal bestimmter Einrichtungen, wie Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen. Diese lief jedoch am 31.12.2022 aus. Seit dem spricht die ständige Impfkommission (STIKO), das ist eine unabhängige Expertenkommission, Empfehlungen zu Schutzimpfungen und Infektionskrankheiten aus.
Jährliche Standardimpfung im Herbst
Der Impfkalender Stiko empfiehlt für Menschen ab dem 60. Lebensalter sich einmal jährlich, und zwar im Herbst, gegen die Grippe impfen zu lassen. Gleiches gilt für die Impfung gegen Covid-19 (Corona), wo der Impfstoff auch jährlich an die neu auftretenden Varianten angepasst wird. Mittlerweile gibt es schon Kombipräparate, über deren Vor- und Nachteile ein Arzt Auskunft geben kann.

Die erhaltenen Impfungen werden im Impfbuch vermerkt, dass jeder Mensch als Nachweis führen sollte. (Symbolbild)
Markus Scholz/dpaFür Menschen zwischen 18 und 60 Jahren empfiehlt die Stiko die Grundimmunisierung. Diese sei erreicht bei dreimaligem Kontakt mit Sars-Cov-2 Antigenen, heißt es im Impfkalender. Davon sollte mindestens eine Impfung dabei sein. Bei Vorerkrankungen, Kindern und Schwangeren wird immer das Hinzuziehen eines entsprechenden Arztes empfohlen.
Wo bekomme ich zwischen Bad Freienwalde und Lebus die Impfung?
Wie die Krankenkasse BARMER dazu informiert, werden 85 bis 90 Prozent der Impfungen von niedergelassenen Ärzten durchgeführt. Diese bieten in der Regel auch die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen an.
Aber auch in Apotheken kann man sich impfen lassen – aber nur theoretisch, wenn man in der App ApoGuide oder auf der dazugehörigen Internetseite ‚https://www.apoguide.de/apothekensuche‘ sucht, welche Apotheken zwischen Bad Freienwalde und Lebus eine Impfung gegen Grippe oder Corona anbietet. Denn in diesem Bereich bietet keine Apotheke diese beiden Impfungen an.
Eine telefonische Nachfrage der MOZ bei Apotheken aus Bad Freienwalde, Wriezen, Seelow und Lebus bestätigt das Ergebnis. Der Aufwand stünde in keinem Verhältnis mit der tatsächlichen Nachfrage, erklären alle übereinstimmend. Das Infektionsschutzgesetz ließe diese Möglichkeit zwar ausdrücklich zu, doch müssten gewissen Auflagen erfüllt werden.
„Wir müssten einen separaten Raum einrichten, die Mitarbeiter schulen und alles genau dokumentieren“, sagt eine Apothekerin am Telefon. „Das wird sich vielleicht in größeren Apotheken in Ballungsräumen lohnen, aber nicht im ländlichen Raum, wie das Oderland“, vermutet sie vorsichtig. So bleibt den Menschen zwischen Bad Freienwalde und Lebus, die sich impfen lassen möchten, nur der Gang zum Arzt oder als Alternative eine längere Fahrt in die nächst größere Stadt.


