Hochwasser an der Oder: Die Gefahr lässt sich nicht wegsparen


Hochwasserschöpfwerk Neutornow: Aufgrund der verbesserten Abflussverhältnisse an der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße müssen die Pumpen nicht angestellt werden.
Ulf GriegerDeichen oder weichen: Das ist die eherne Regel im Oderbruch. Der größte eingedeichte Flusspolder Deutschlands ist entweder ein Land zu Leben, oder er wird zu einer Retentionsfläche.
Das Oderbruch würde somit nur zeitweise als Tierweide nutzbar und die mehr als 20.000 Einwohner müssen weichen.
Hochwasser-Demenz auch bei den Einwohnern verhindern
Das bleibt auch so, wenn nun die Sonntagsreden verklungen und den Einsatzkräfte gedankt ist. Nach den Hochwassern 1997 und 2010 war das Interesse von Politikern und Medien rasch verflogen und auch bei so manchem Bewohner des Oderbruchs setzte „Hochwasser-Demenz“ ein: das Vergessen der immer wieder lauernden Gefahr einer Katstrophe. Gerade noch vor dem jüngsten Hochwasser sollten die Kosten für den Hochwasserschutz um 20 Prozent eingekürzt, die Regulierung für Biberschäden nahezu eingestellt werden.
Natürlich spielten da auch ideologische Erwägungen so kurz vor den Landtagswahlen eine Rolle. Wer aber im Oderbruch lebt, dem können auch Losungen wie „Gebt den Flüssen mehr Raum“ nicht helfen. Der Aufwand, das Oderbruch zu entwässern ist relativ gleichbleibend: Kürzt man ihn ein, wie beim Sparkurs in den 1990er Jahren, rächt sich das mit viel teurerem Rekonstruktionsaufwand. Wer nicht weichen will, muss auch künftig alles Notwendige für den Katastrophenschutz tun.

Mehr Starkregen bedeutet ein erhöhtes Hochwasserrisiko in Brandenburg. Experten fordern darum neue Prioritäten im Hochwasserschutz. Ein Kommentar zur Lage.