Die Bilder der Verwüstung durch die Hochwasser-Katastrophe im Westen Deutschlands sind schon im Fernsehen kaum zu ertragen. Die Mitglieder der Seelower Ortsgruppe des Technischen Hilfswerks (THW) haben eine Woche lang direkt im Einsatzgebiet Ahrtal die Schrecken miterlebt. Sie unterstützten die Aufräumarbeiten. Für alle war es eine anstrengende und bewegende Zeit.

Spendenkonto Hochwasserhilfe

Für die Spenden aus Brandenburg wurde ein Konto eingerichtet: Landkreis Märkisch-Oderland, IBAN: DE39 1705 4040 0020 0662 95, Stichwort: Spenden Hochwasserhilfe 2021

Acht Kameraden im Einsatzgebiet

Von einem aufreibenden Einsatz im Ahrtal berichtete Uwe Gaede. Er hat im Vorjahr bei der Seelower THW-Ortsgruppe den ehrenamtlichen Posten des Öffentlichkeits-Beauftragten von Manfred Utecht übernommen. Wie Gaede gegenüber der MOZ erst jetzt berichtete, waren bereits am 27. Juli um 6 Uhr morgens vom THW-Stützpunkt in Seelow acht Kameraden der Bergungsgruppe aufgebrochen, um die Arbeiten im Katastrophengebiet zu verstärken. „Der Ortsverband Seelow fuhr mit Kräften aus den Ortsverbänden Forst und Fürstenwalde zum Bereitstellungsraum am Nürburgring. Hier lösten sie Helfer aus Lübben und Prenzlau ab. Einige Prenzlauer blieben noch bis 3. August und beendeten mit den Teams aus Fürstenwalde und Seelow ihren Einsatz“, berichtete der Sprecher.

Tagesfahrt im Konvoi zum Nürburgring

Die Seelower erreichten erst gegen 21 Uhr im Konvoi das Basiscamp am Nürburgring. Mitgenommen hatten sie ihren Mannschaftstransportwagen, VW und Gerätekraftwagen. „Endlich, spät abends kam unsere Bergungsgruppe unter Leitung vom Gruppenführer Tobias Schmidt am Bereitstellungsraum Nürburgring an“, erinnert Uwe Gaede. Die Rennstrecke war zum Basislager umfunktioniert worden. Hier wurde geschlafen, gab es Besprechungen und Essen – für alle bis 22.30 Uhr in der Nacht. „Vom Nürburgring aus sind wir täglich in das Einsatzgebiet gefahren, ins Ahrtal, und abends wieder zurück.“
Oderländer helfen im Westen: Der THW-Ortsverband Seelow war im Hochwassergebiet Ahrtal mit ihren Fahrzeugen angerückt.
Oderländer helfen im Westen: Der THW-Ortsverband Seelow war im Hochwassergebiet Ahrtal mit ihren Fahrzeugen angerückt.
© Foto: Tobias Schmidt

Dankbarkeit war spürbar

Schon am ersten Tag ging es ans Eingemachte: Bau von Einzäunung und Sichtschutz des Friedhofs in Altenahr. „Weiter ging es zur Beräumung einer Arztpraxis und eines Stellwerkes der DB im Ort“, listete Gaede auf. Die Menschen vor Ort seien meist freundlich gewesen und dankbar, dass THW-Hilfe kam. „Der Arzt hat uns zur Erinnerung sogar eine Silbermünze geschenkt.“

Garagen sichern, Häuser beräumen

Der Donnerstag begann im Nachbarort von Altenahr mit der Absicherung einer Garage durch Aussteifen. „Damit die Gutachter gefahrlos die Gebäude besichtigen konnten“, erklärte Uwe Gaede. Außerdem mussten die acht Mitglieder der Seeloer Bergungsgruppe etliche Hauselemente wie Treppen demontieren und weitere Einsatzstellen erkunden. „Zum Feierabend haben die Kameraden im Auftrag eines Baufachberaters eine Teilabdeckung eines Daches vorgenommen, so dass das Objekt gefahrlos betreten und begutachtet werden konnte.“
Mit schwerem Gerät: Auch Brücken galt es im Hochwassergebiet Ahrtahl vom THW-Ortsverband zu beräumen.
Mit schwerem Gerät: Auch Brücken galt es im Hochwassergebiet Ahrtahl vom THW-Ortsverband zu beräumen.
© Foto: Tobias Schmidt

Eigenschutz geht vor

Kurzfristig musste dann das Abtragen von Trümmern am Bahnhof beendet und zwei dringendere Einsatzaufträge abgearbeitet werden. So galt es Dachziegel zur Eigensicherung der vor Ort eingesetzten Einsatzkräfte zu entfernten. „Das Problem konnte kurzfristig gelöst werden. Mit Einreißhaken wurden lose Ziegel vom Dach geholt.“ Laut Gaede gab im Anschluss der verantwortliche Bauchfachberater wieder „grünes Licht“ zum Weiterarbeiten.
„Ein weiterer Einsatzauftrag wartete schon auf unsere Kräfte in unmittelbarer Nähe vom ersten Einsatzort. Mit Kameraden aus dem Ortsverband Heidelberg sollte eine vollgelaufene Telekomstation leergepumpt werden.“ Dieses gestaltete sich schwierig und zeitintensiv. „Durch das ständig nachlaufende Wasser musste in Absprache mit dem vor Ort federführenden Techniker der Einsatz schließlich erfolglos abgebrochen werden“, so Gaede.
Bild der Verwüstung: Herumliegende Baumstämme und massenhaft Schutt - dies musste der THW-Ortsverband im Ahrtal nach der Hochwasser-Katastrophe beräumen.
Bild der Verwüstung: Herumliegende Baumstämme und massenhaft Schutt - dies musste der THW-Ortsverband im Ahrtal nach der Hochwasser-Katastrophe beräumen.
© Foto: Tobias Schmidt

Arbeiten an der Schule

„Leider war trotz guter Technik und Motivation der Kameraden nicht jeder Einsatz von Erfolg gekrönt.“ So begann auch der Sonnabend – Einsatzauftrag: Deckendurchbrüche in einer Schule erstellen, nur war dort der Hausmeister schneller und hatte bereits die notwendigen Arbeiten erledigt. Auch das Entfernen einer gefährlich in Schieflage geratenen Trennwand in der Schule mithilfe eines Baggers erwies sich schwieriger als gedacht. Der Tag konnte doch erfolgreich beendet werden. „Mit Kameraden der Bergungsgruppe aus Gelnhausen zusammen haben wir dann noch einen Trümmerberg beräumt.“
THW Ortsverband Seelow war im Hochwassergebiet Ahrtal auch zum Aufräumen und Abstützen von Garagen im Einsatz.
THW Ortsverband Seelow war im Hochwassergebiet Ahrtal auch zum Aufräumen und Abstützen von Garagen im Einsatz.
© Foto: Tobias Schmidt

Gute Zusammenarbeit mit anderen Organisationen

Die Motivation der Seelower THW-Einsatzkräfte sei großartig gewesen. Auch das Teamwork mit den anderen "Blaulichtorganisationen" und der Bundeswehr war ausgezeichnet, betonte Gaede. Dadurch entspannt bleiben konnte in der Heimat der Ortsbeauftragte Thomas Schwarz, der per Telefon täglich vom Geschehen informiert wurde.

Rückkehr ohne Verluste

Am Dienstag dieser Woche kehrten gegen 22:58 Uhr die Helfer aus der Katastrophenregion des Ahrtals zurück zum Seelower Stützpunkt. Gruppenführer der Bergungsgruppe, Tobias Schmidt, meldete: Alle Kameraden gesund, Technik und Ausrüstung vollzählig. „Der Einsatz war für unsere Helfer nicht nur mit hoher körperlicher, sondern auch mit extremer mentaler Belastung verbunden, betonte der THW-Sprecher. Nun solle erstmal Ruhe einkehren. Passend zum Spruch: „Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz!“ gab es am Donnerstag eine ausgiebige Putz- und Flickstunde am Standort. Technik und Ausrüstung wurden gewartet und gepflegt. „Nun ist der Ortsverband Seelow wieder einsatzbereit“, so Gaede, der allen Helfern für den großen Einsatz dankt.
Sichern und Räumen: Auch an zerstörten Häusern war der THW-Ortsverband Seelow im Ahrtal gefordert.
Sichern und Räumen: Auch an zerstörten Häusern war der THW-Ortsverband Seelow im Ahrtal gefordert.
© Foto: Tobias Schmidt

Hochwasser-Übung folgt in Kienitz

Doch lange wird die Ruhe nicht anhalten: Schon am 14. August folge eine große Sandsäcke-Übung gemeinsam mit der Kienitzer Feuerwehr am dortigen Hafen, fügt er an. Das Seelower THW sucht stets neue Mitglieder. Aktuell gibt es 36. Ausbildung ist an jeden dritten Sonnabend im Monat auf dem THW-Stützpunkt in Gewerbegebiet.