Mittwochvormittag in Lebus: Ein roter Kasten-Lkw steht an der Zufahrt zum Kulturhaus-Parkplatz. Auf der Laderampe drei Männer: Malermeister Sven van Dyk, Feuerwehrmann Jens Toppler und Rettungssanitäter Martin Thiel. Sie nehmen Sachspenden für die Hochwasseropfer in Rheinland-Pfalz entgegen.

Senioren aus der Ortsgruppe der Volkssolidarität sind unter den ersten Spendern

Kurz nach 10 Uhr fahren der Lebuser Matthias Fröse, Tochter Charlotte (12) und deren Freundin Nele Pilz (11) aus Frankfurt (Oder) vor. Sie übergeben den Spendensammlern einen Satz Eimer, mehrere Packungen mit Wasserflaschen und diverse Reinigungsmittel. Kurz darauf trifft die Lebuserin Susanne Richter mit Sohn Ben (6) ein. Sie bringen Besen, Gummihandschuhe, eine Großpackung Tempo-Taschentücher und Küchenrollen.
„Die ersten waren schon vor 10 Uhr hier“, sagt Sven van Dyk. Sein guter Draht in die Lebuser Ortsgruppe der Volkssolidarität hat geglüht. Die Ortsgruppen-Vorsitzende Ingrid Blankenfeld, van Dyks Schwiegermutter Heiderose Maukwitz und Ehrfrau Antje haben die Werbetrommel für die Spendenaktion im Rahmen von „Handwerk hilft“ gerührt. Mehrere Lebuser Seniorinnen bringen eimerweise Putz- mittel und Hygieneartikel.
Andrea Sommer aus Frankfurt (Oder) übergibt Wasser und Hygieneartikel an "Kosmetikeule" Anika Breetsch aus Frankfurt (Oder), die mit anderen Handwerkern die Spenden in die von der Flut betroffenen Gebiete an der Ahr bringt.
Andrea Sommer aus Frankfurt (Oder) übergibt Wasser und Hygieneartikel an "Kosmetikeule" Anika Breetsch aus Frankfurt (Oder), die mit anderen Handwerkern die Spenden in die von der Flut betroffenen Gebiete an der Ahr bringt.
© Foto: Lisa Mahlke

Was gebraucht wird, hat van Dyk mit der Koordinierungsstelle auf dem Nürburgring abgestimmt

Was konkret gebraucht wird, hat van Dyk mit der Koordinierungsstelle für die Hochwasserhilfe auf dem Nürburgring abgestimmt: Gummistiefel, Eimer, Besen, Handfeger, Schippen, Grubenlampen, Reinigungsmittel und Kosmetikartikel sind jetzt besonders nötig. Und Wasser. „Die Trinkwasserversorgung ist ja, ebenso wie die Stromversorgung noch immer unterbrochen“, erklärt der Lebuser.
Eine Frau, die mit Tapetenrollen und anderem Hausrat ankommt, muss all das enttäuscht wieder mit nehmen. Im roten Miet-Lkw stehen indes schon 100 Schneeschieber sowie viele Spaten, Schippen und 250 große Eimer. „Die Schneeschieber hat die Seelower Gartenfirma Sprockhoff gespendet, das andere die Frankfurter Firma Leymann-Baustoffe“, berichtet Sven van Dyk.
Als Jutta Ballenthin aus dem Lebuser Info-Punkt ein Paar neue Gummistiefel bringt, weiß Heidi Maukwitz: Gummistiefel gebe es in vielen Frankfurter Märkten schon nicht mehr.

Am Freitagmorgen geht es auf die 750-Kilometer-Tour

Die Akteure der „Handwerk hilft“-Spendenaktion aus Lebus und Frankfurt (Oder) wissen genau, wohin sie die Sachspenden bringen sollen: Nach Adenau und Altenahr, zwei Orte im besonders betroffenen Landkreis Ahrweiler. Am Freitagmorgen, 6 Uhr, wollen sich Sven van Dyk, Christian Borngräber und der 13-jährige Sportschüler Ryan Thiel aus Lebus sowie Kosmetikmeisterin Anika Breetsch, Mike Otto und der Linken-Politiker Jan Augustyniak aus Frankfurt (Oder) mit zwei Fahrzeugen auf die 750-Kilometer-Tour nach Rheinland-Pfalz begeben.
Anika Breetschs Kosmetiksalon in der Walter-Korsing-Straße ist seit Montag die Frankfurter Anlaufstelle für die Spendenaktion. Die Spender seien nicht nur ihre Kunden, sondern auch andere Menschen aus Frankfurt, Eisenhüttenstadt und sogar Berlin. Die Wichern- Diakonie habe unter anderem Lampen gespendet, berichtet sie.

Ein Abstecher zur Tochter einer Podelzigerin

Sicher schein inzwischen, dass der Spenden-Transport einen kleinen Abstecher machen wird – nach Bad Neuenahr im Landkreis Ahrweiler. Dort lebt die Tochter einer Podelzigerin, weiß Sven van Dyk seit Mittwoch von deren Freundin. Der Kontakt zur Tochter sei abgebrochen, seit deren Handy-Akku leer ist, die Mutter ist in größter Sorge.

„Mutti, ich kriege die Bilder von vorbei schwimmenden Leichen nicht aus dem Kopf“

Zum letzten, was die Podelzigerin von ihrer Tochter gehört haben soll, gehöre der Satz: „Mutti, ich kriege die Bilder von den vorbei schwimmenden Leichen nicht aus dem Kopf“, erzählt der sichtlich erschütterte Lebuser. Er will zur Tochter fahren, Power-Banking-Batterien fürs Handy-Laden und andere Hilfsgüter von daheim hin bringen.
Seine Malerfirma hat der Innungs-Obermeister für die Renovierung einer Kita im Hochwassergebiet angemeldet. Und abgestimmt, dass mit Mitteln aus dem Fonds von „Handwerk hilft“ Kindereinrichtungen dort unterstützt werden.
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