Hochwasser an der Oder
: Warnung vor Starkregen – Kreis und Deichverband reagieren

UPDATE Dienstag, 17.30 Uhr: Nach meteorologischen Vorhersage-Modellen wird mit starken Niederschlägen am Oberlauf der Oder gerechnet. Was der Landkreis Märkisch-Oderland plant.
Von
Ulf Grieger
Seelow
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Zusammenfluss von Warthe und Oder in Kostrzyn-Küstrin: Nach einigen Vorhersagemodellen von Meteorologen ist mit erheblichen Niederschlägen am Oberlaub der Oder zu rechnen.

Zusammenfluss von Warthe und Oder in Kostrzyn-Küstrin: Nach einigen Vorhersage-Modellen von Meteorologen ist mit erheblichen Niederschlägen am Oberlauf der Oder zu rechnen.

Peter Grenz

Noch hat der Deutsche Wetterdienst keine Unwetterwarnung herausgegeben. Doch nach einigen Prognosen drohen am kommenden Wochenende verheerende Regenmengen. Mittlerweile zeigen die aktuellen Berechnungen der Vorhersage-Modelle vor allem einen Schwerpunkt über Osteuropa, von den Ostalpen in Österreich über Tschechien und die Slowakei bis nach Polen.

Erwartet wird ein sogenanntes Vb-Tief, das sich über Oberitalien bildet und bis nach Tschechien zieht, wodurch warme Luft auf kühlere Luft trifft und intensive Regenfälle verursacht.

Lagebesprechung mit dem Umweltamt

Am Donnerstag (12. September) gibt es am Vormittag eine Lagebesprechung des Kreises Märkisch-Oderland mit dem Umweltamt dazu, informiert Gregor Beyer, Beigeordneter des Landrates von MOL. Aktuell beobachte man die Situation sehr genau. Noch sei es aber zu früh, um Rückschlüsse daraus zu ziehen, ob es tatsächlich zu einer Hochwasser-Gefahr im Bereich des Oderbruchs kommt.

Julian  Butschke, Geschäftsführer der Gewässer- und Deichverbandes Oderbruch, informiert auf Nachfrage, dass es bereits am Dienstag dazu eine Beratung gegeben habe. Seiner Einschätzung nach sei die Gefahr nicht so groß, wie in den Prognosen vorhergesagt. „Aber wir werden gewappnet sein.“ Im Bereich Neurüdnitz-Spitz (Deichkilometer 64,3) gebe es eine Baustelle am Deich, die in der Gefahrensituation verbaut und gesichert werde.

Prognosen noch unsicher

Das Landesamt für Umwelt verweist darauf, dass mit den Prognosen noch Unsicherheiten verbunden sind: „Insbesondere am kommenden Wochenende (14./15. September) werden sehr hohe Niederschlagsmengen in den Einzugsgebieten der Oder und ihrer Zuflüsse prognostiziert“, informiert Pressesprecherin Wiebke Theuer-Glamann. „Dabei handelt es sich jedoch ausschließlich um Prognosen, für die heute (Dienstag, 10.09.) noch eine sehr große Unsicherheit besteht.“ So werden laut dem Ensemble des Wettermodells des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) im Gebietsmittel bis Sonntagabend zwischen 25 und 170 mm vorhergesagt. Damit ist sehr wahrscheinlich, dass ab nächster Woche die Niedrigwasserphase in der Grenzoder endet. Aussagen darüber, ob sich eine Hochwasserlage bildet, lassen sich aufgrund der aktuellen Unsicherheit der Wetterlage derzeit noch nicht treffen. Die Wetterdienste und die Hochwassermeldezentrale im Landesamt für Umwelt verfolgen die Situation weiterhin.

Die hohe Unsicherheit der Wetterlage betreffe auch die Frage, in welcher Region sich die Niederschläge konzentrieren werden. Hohe Mengen sind nach den heutigen Wettermodellen auch in der Lausitzer Neiße, der Spree und Schwarzen Elster möglich. Auch dort herrschen aktuell Niedrigwasserbedingungen. Um in den Mittel- oder Hochwasserbereich der Brandenburger Fließgewässer zu kommen, bedürfte es daher größerer Niederschlagsmengen.

Sollten die Prognosen für eine Hochwasserlage deutlicher werden, wird die Hochwassermeldezentrale am Landesamt für Umwelt eine Hochwasserwarnung herausgeben. Diese werden auf dem Brandenburger Pegelportal (https://pegelportal.brandenburg.de) veröffentlicht. Zusätzlich können alle Interessierten die Meldungen für ihre Region in der offiziellen App der Hochwasserzentralen der Länder – „MeinePegel“ – abonnieren.

Mittel-Einsparung des Landes wirkt sich noch nicht aus

In diesem Jahr habe der Deichverband noch ausreichend Mittel zur Verfügung, um die Deichpflege und die Unterhaltung der Gewässer der 1. Ordnung zu gewährleisten, so Butschke. Ob die angekündigte Mittelkürzung um 20 Prozent auch das Oderbruch treffen wird, könne man aktuell noch nicht sagen. Das werde man im April 2025 sehen.

Bereits im Februar 2024 hatte es ein Hochwasser der Oder gegeben. In Eisenhüttenstadt und Ratzdorf galt seit dem 12. Februar die erste Stufe des Hochwasseralarms und aus den Oderbruch-Dörfern Neutrebbin, Wuschewier, Gusow und Golzow wurden nasse und sogar geflutete Keller gemeldet. Das Wasser konnte nicht über das Wehr Hohensaaten aus dem Oderbruch geleitet werden.