Katamaran-Bau: Vom Oderbruch aus fünf Mal um die Erde
Die Beziehung zum Oderbruch kommt bei Frank Ladewig, dessen Großvater bei Wriezen eine Landwirtschaft hatte, nicht von ungefähr. „Ich hatte mir vor 47 Jahren in Kienitz die Hand verletzt und verbrachte längere Zeit hier. Dabei habe ich Freunde gefunden, mit denen ich bis heute Kontakt halte“, erzählt Ladewig. Nach Kienitz war er gekommen, um ein Buch zu schreiben, in dem er sein abenteuerliches Leben beschreibt. Hinzu kam nun die Idee von der Weltumsegelung, die sogar eine fünffache werden soll: 210 000 Kilometer lang wird die Fahrt mit dem 15 Meter langen und sieben Meter breiten Katamaran, der Platz für zwölf Personen bietet.
Start am Humboldt Forum
Die Expeditionsreise beginnt Ende Mai 2021 vor dem Humboldt Forum des Berliner Stadtschlosses auf der Spree mit der Taufe des Bootes. Zuvor wird der Katamaran die Oder hinabschippern, um vom Schiffshebewerk zum Oder-Havel-Kanal gehievt zu werden. Per Handschlag verabreden sich die Teilnehmer des Teams, zu dem Wissenschaftler, Handwerker, Ärzte, Pädagogen und Seeleute ebenso gehören wie Künstler. „Es ist unser Anliegen, zum einen unsere Kultur anderen bekannt zu machen und zum anderen, Begegnungen zu organisieren, die dem um sich greifenden Fremdenhass etwas Konkretes entgegensetzen“, sagt Ladewig. „Die meisten Menschen haben nur Angst. Wenn sie sich erst mal kennengelernt haben, ist das schnell vorbei.“ Für sein Vorhaben setzt er auf konkrete Hilfe vor Ort und das Hinzurufen von Fachleuten aus Deutschland nach Bedarf. Dabei denkt er auch an Handwerker aus dem Oderbruch. "Wir haben hier gute Kontakte, sowohl zu den Kienitzern und ihren Ortsvorsteher Roland Grund als auch zu Firmen und Fachleuten wie Sebastian Streich, der selbst schon fast zum Team gehört.“
Was nicht verwundert, wenn man Frank Ladewig erlebt, der mitreißend von dem Vorhaben erzählt, das seine wohl letzte Reise wird. Auch viele große Firmen unterstützten das Vorhaben materiell.
Holz vom Berliner Schloss
Berühmtestes Element des Vehikels werden Dielenbretter sein, die aus dem Fundamentholz des alten Berliner Schlosses gefertigt werden. Gefunden wurde es beim Abriss des Palastes der Republik. Das Holz stellt ein Stück märkischer Landesgeschichte dar. Kurfürst Friedrich II., genannt „Eisenzahn“, ließ das Schloss 1442 errichten. Begeistert von dieser Idee ist Wilhelm von Boddien vom Förderverein Berliner Schloss, der sich bereits auf den Bau aus Schlossdielen in Kienitz freut. Das will er keinesfalls verpassen.
Wer beim Projekt mitmachen oder es fördern will, ist jederzeit willkommen. Und wer mindestens 100 Euro spendet, dessen Name findet am Mast des Seglers Platz, wird somit zehn Jahre lang um die Welt getragen. Die Reise führt zunächst über die Ostsee nach Polen, wo Ballons mit Kinderträumen in die Luft steigen werden. Im Anschluss geht es nach Skandinavien, wo auch viele Landexpeditionen geplant sind.


