Das Museum Haus Lebuser Land  wurde am 14. Oktober 2020 als 34. Kulturerbeort im Oderbruch ausgewiesen. Und damit just an jenem Tag, als die Nachricht von der Befürwortung der Oderbruch-Bewerbung fürs Europäische Kulturerbe-Siegel durch die Kulturministerkonferenz durch die Republik ging.

Am Deichkilometer 0 beginnt das Oderbruch

Für künftige Besucher des Oderbruchs jedoch sollte das Museum, falls sie aus dem Süden anreisen, der erste Anlaufpunkt sein. Denn nur wenige Hundert Meter hinter dem Museum beginnt, am Deichkilometer 0 in Höhe der Pension „Mückenbusch“ am Oder-Neiße-Radweg, das Oderbruch ganz offiziell. Die Lebuser bezeichnen ihre Stadt deshalb als das „Tor zum Oderbruch“.
Inmitten der im 13. Jahrhundert ausgebauten Lebuser Altstadt befindet sich das Museum in einem der ältesten Gebäude der kleinen Stadt, die einst einem ganzen Landstrich den Namen gab: Das Lebuser Land erstreckte sich beidseits der Oder, östlich zwischen der Mündung von Warthe und Neiße, westlich zwischen der Märkischen Schweiz und dem Schlaubetal.

Lebus war lange das Zentrum im Oderraum

Lebus – der Name geht vermutlich auf den wilzischen Fürsten Liubus zurück – war jahrhundertelang das politische und religiöse Zentrum im Oderraum. Dies verdankt die kleine Stadt, die dem nur zehn Kilometer entfernten Frankfurt bis ins späte Mittelalter den Rang ablief, vor allem seinem dreigeteilten Burgberg. Der wurde erstmals vor rund 3000 Jahren von germanischen Stämmen, später von slawischen befestigt.
Seine Blütezeit hatte Lebus, als die Burg um 1125 zum Bischofssitz wurde. Ein Modell der Burg ist in  der ständigen Ausstellung im Erdgeschoss der Museums zu sehen. Auf dem Burg- oder auch Schlossberg sind ihre Umrisse in Cortenstahl und mit Grünflächen nachgebildet.

Den Sensationsfund machte der Sohn des Landeskonservators

Dort machte 2003 ausgerechnet der Sohn des einstigen Landeskonservators Franz Schopper eine sensationelle Entdeckung: In einer Baugrube auf dem Schlossberg fand der Junge drei Beilschäfte, den er seinem Vater zeigte. Der erkannte, worum es sich handeln musste und ließ den gesamten Aushub untersuchen: Der Lebuser Hobby-Archäologe Franz Slawinski fand mit seiner Sonde den „Rest“ des 105-teiligen Lebuser Bronzeschatzes, der heute im Landesmuseum in Brandenburg an der Havel aufbewahrt wird. Im Lebuser Museum sind einige Repliken zu sehen.

Ein Hobby-Archäologe fand den Silbermünzschatz

Ähnlich verhält es sich mit dem Silbermünzschatz, den Frank Slawinski 2015 an der mittelalterlichen Handelsstraße bei Lebus entdeckt hat. Repliken und einige Originale werden im Museum gezeigt.
Die Stadt als Eigentümerin des denkmalgeschützten einstigen Schulhauses hat selbiges nach der Wende im Zuge der Altstadtsanierung vorm Verfall bewahrt und es 2005 dem 1991 gegründeten Heimatverein Lebus als Vereinssitz und zum Betrieb eines Museums übergeben.
Bei der Sanierung sind Teile der alten Lehmdecke und ein Wandfragment aus einem Klassenraum sichtbar erhalten worden. In der Dauerausstellung wird auch die Arbeit des legendären Prof. Wilhelm Unverzagt gewürdigt, der einst die Ausgrabungen auf dem Lebuser Burgberg geleitet hat. Im Mehrzweckraum in der ersten Etage gestalten Mitglieder des Heimatvereins in Regie von Helga Töpfer und Ortschronist Manfred Hunger wechselnde Ausstellungen. Die zur Lebuser Mühlengeschichte musste im Oktober ohne Publikum eröffnet werden, soll aber in diesem Jahr länger als zunächst geplant gezeigt werden.

2026 feiern die Lebuser 800-jähriges Stadtjubiläum

Die dritte Ausstellung im Museum Haus Lebuser Land, die über den Lebuser Dichter Günter Eich (1907-1972), dem Verfasser von „Oder, mein Fluss“, konnte dank Stiftungsgeld der Sparkasse Märkisch-Oderland zu Jahresbeginn neu gestaltet werden: In Zusammenarbeit mit dem Brandenburger Literaturbüro gibt es sieben neue, großformatige Bild-Text-Tafeln und drei große Fotografien sowie eine Hörstation mit Auszügen aus Hörspielen des Autors zwischen 1949 und 1968.
Die rührigen Mitglieder des Lebuser Heimatvereins um ihren Vorsitzenden Günter Fehling bereiten sich aktuell auf mehrere Jubiläen vor. Nicht nur auf den 30. Geburtstag ihres Vereins und den 15. des Museums. 2026 feiern die Lebuser ihr 800-jähriges Stadtjubiläum. Und vermutlich 2024 schon 900 Jahre Bistum Lebus. „Genaue Daten gibt es dazu nicht“, sagt Manfred Hunger.

Museum Haus Lebuser Land, Schulstraße 7, 15326 Lebus; Telefon: 033604 230; E-Mail: heimatverein.lebus@t-online.de; www.heimatverein-lebus.de; Corona-bedingt ist das Museum derzeit geschlossen. Ansonsten sichern geringfügig Beschäftigte und Mitglieder des Heimatvereins vor allem am Wochenende die Öffnungszeiten.