Landwirtschaft: LVG jetzt im Odega-Verbund

Die letzten Jungtiere: Bis April und Mai wird die Landwirtschaftliche Vermögensverwaltungsgesellschaft (LVG) Seelow alle Milchrinder verkauft haben. Die Milchproduktion ist zu unrentabel geworden. Eine lange Ära geht damit zu Ende. Wie die Ställe am Müncheberger Weg (Foto) und an der Straße nach Werbig später genutzt werden, ist noch nicht entschieden.
Doris Steinkraus/MOZSeit Wochen kocht die Gerüchteküche in Seelow. Es geht um Veränderungen im größten Landwirtschaftsbetrieb der Stadt, der LVG. Sie gehört jetzt zum Odega-Verbund. Um die künftige Rentabilität zu sichern, wird die Milchproduktion eingestellt.
Die Veränderungen kamen nicht über Nacht, stellt Detlef Brauer, Chef der Odega-Gruppe, klar. Gerhard Steffen, einer der beiden bisherigen Geschäftsführer der LVG (Landwirtschaftliche Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH), ging im November 2018 planmäßig in den Ruhestand. „Wir haben natürlich lange im Vorfeld darüber beraten, wie wir das Unternehmen weiter aufstellen und es rentabel entwickeln“, so Geschäftsführerin Kerstin Voegler. In der Odega-Gruppe habe man letztlich einen verlässlichen Partner gefunden. Der noch dazu mit Flächen seiner Tochterfirmen an denen der LVG angrenze und seit Jahren eine stabile Entwicklung nehme.
Kerstin Voegler und Odega-Chef Detlef Brauer sind jetzt beide Geschäftsführer der LVG. „Die als eigenständiges Unternehmen bestehen bleibt“, betont Brauer. Sicher werde es im Bereich Bestellung oder Technik künftig Verknüpfungen geben. „Ansonsten bleiben die Ansprechpartner für Partner und Verpächter, die Firmenbezeichnung und alles andere wie gehabt.“ Die Odega-Gruppe hat Teile der Gesellschaft erworben, ist Minderheitsgesellschafter.
Brauer verhehlt nicht, dass es eine große Veränderung geben wird. Seit jeher wird am Landwirtschaftsstandort Seelow Viehwirtschaft betrieben. Die LVG hat zuletzt 350 Milchkühe und Zuchtrinder gehalten, insgesamt rund 700. „Schon in den zurückliegenden Jahren haben wir die Milchproduktion durch unseren Ackerbau quer subventioniert“, erklärt Kerstin Voegler. Das Ende der Milchproduktion sei keine Folge des Zusammengehens im Odega-Verbund, sondern letztlich nicht aufzuhalten gewesen.
„Die Menschen wundern sich und kritisieren uns Landwirte gern, weil immer weniger Tiere gehalten werden“, sieht es Detlef Brauer. „Das Ganze hat aber Gründe. Denn keinem Bauer macht es Spaß, seine Milchkühe abzuschaffen.“ Der Milchpreis sei jedoch seit Jahren so im Keller, dass in der Oderlandregion insgesamt die Milchproduktion nicht mehr rentabel ist. 34 Cent werden momentan für den Liter gezahlt. 40 müssten es mindestens sein, um wenigstens keine Verluste zu erwirtschaften. Im Oderbruch komme hinzu, dass es keine natürlichen Weidefläche gibt. Futter muss auf wertvollen Ackerböden angebaut werden. „Wir produzieren unser Futter zu teuer“, erklärt der Odega-Chef. Die LVG hat zudem bisher mit Strohhaltung gearbeitet. Weit effektiver wäre Gülle. Dafür jedoch müsste umfassend investiert werden. Angesichts der Situation auf dem Milchmarkt wagt das derzeit kaum ein Bauer.
Ein weiteres Problem sei die neue Gülleverordnung, betont Brauer. Gülle darf nicht mehr entsprechend des Einsatzbedarfs ausgebracht werden, sondern nur in bestimmten Zeiten und nur bei bestimmten Kulturen. Die Unternehmen müssen mit hohem Kostenaufwand Lagerflächen schaffen.
Noch stehen in den Anlagen am Müncheberger Weg in Seelow und im Komplex an der Straße nach Werbig Tiere, jedoch nur noch bis April und Mai. „Wir lassen die Produktion auslaufen“, erläutert Kerstin Voegler. Unverändert bleibe der Ackerbau auf 2200 Hektar, ebenso die Puten- und Entenproduktion. In zwei Durchgängen werden jährlich in den Ställen in Zernickow 37 000 Puten gezüchtet und das in zwei Durchgängen, denn die Tiere brauchen einige Zeit, ehe sie schlachtreif sind. Deutlich schneller wachsen Enten heran. In zehn Durchgängen produziert die LVG im Jahr am Müncheberger Weg sowie in der Siedlung in Gusow 240 000 Tiere.
Einige der Tierpfleger aus den Milchanlagen werden in anderen Ställen tätig sein, einige jedoch wurden entlassen. 22 Frauen und Männer stehen nach Abschaffung der Milchkühe in der LVG in Lohn und Brot.