Landwirtschaft
: Wie Landwirte das Klima schützen können

Experten der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung berieten im Zalf Müncheberg und bereisten das Oderland
Von
Ines Weber-Rath
Niederjesar
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Im Raps: Mitarbeiter der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung mit PdA-Geschäftsführer Herrmann Roeber (m.) auf einem Schlag des Betriebes bei Niederjesar.

Ines Weber-Rath

Er habe keine Ahnung gehabt, wie schön es hier ist, bekennt Hanns–Christoph Eiden. Der Präsident der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung war mit Kollegen aus der Bonner Zentrale und Mitarbeitern der drei Außenstellen in München, Hamburg und Weimar zur Beratung erstmals ins Oderland gekommen. Im Müncheberger Leibnitz–Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (Zalf) haben sich die Experten unter anderem über ihre Aufgaben als Prüfer der Reservelager des Bundes für Notfälle ausgetauscht.

Dass die Behörde auch den Klimafonds für die Landwirtschaft verwaltet, war Zalf–Wissenschaftler Frank Eulenstein Anlass, ins Rahmenprogramm der Beratung neben einem Besuch der Gedenkstätte Seelower Höhen und des Reitweiner Sporn auch einen Abstecher nach Alt Zeschdorf aufzunehmen.

25 Jahre lang hat Eulenstein mit dem Geschäftsführer des Alt Zeschdorfer Landwirtschaftsbetriebes PdA, Hermann Röber, Strategien entwickelt, um mit der landwirtschaftlichen Produktion Grundwasser und Klima zu schützen. Im Betrieb wurden Fruchtfolgen, Bodenbearbeitung  und Düngekonzepte geändert.

Das Ergebnis der Kooperation stellte das Wissenschaftler– und Praxis–Duo den Vertretern des Landesamtes jetzt vor: Die Stickstoffbilanzen sind deutlich gesunken. Der Überschuss beträgt jährlich zwischen 10 und 20 Kilogramm Stickstoff pro Hektar — der Bundesschnitt liegt bei 100 Kilo. Eulenstein: „Würden alle Betriebe so wirtschaften wie der Alt Zeschdorfer, hätten wir in Deutschland kein Nitratproblem.“

Der Zalf–Wissenschaftler verweist zudem auf den um durchschnittlich 0,8 Prozent gestiegenen Humusgehalt der Alt Zeschdorfer Böden. Das bedeute 36 Tonnen Humus mehr je Hektar und mehr als 100 000 Tonnen für die gesamte Betriebsfläche. Und Humus ist gebundenes Kohlendioxid. Ein Klima– und Grundwasser–schonendes Wirtschaften könnte eine Bemessungsgrundlage für künftige EU–Direktzahlungen sein, regte Frank Eulenstein vor den Experten an.