Mauerfall: Mittler zwischen West und Ost

Fühlt sich wohl in Neuentempel: Max Georg Freiherr von Korff auf seinem Grundstück, auf dem viele Tiere zu Hause sind. Labrador Pearl verträgt sich bestens mit den vier Katzen und auch den Pferden, für die die Familie schon im ein Faible hatte.
Doris SteinkrausNeuentempel ist der schönste Ort in Brandenburg“ steht für Max-Georg Freiherr von Korff fest. Die Familie verdankt die Entscheidung, hier ansässig zu werden, Carola Freifrau von Korff, die 2007 auf Grundstückssuche ging. Von Korffs wohnten damals im Fischerhaus der Komturei Lietzen, wollte aber etwas eigenes aufbauen. Die Ehefrau fuhr überall herum und verliebte sich in das Grundstück mit dem weiten Blick auf die angrenzenden Wiesen, den Wald und den See. Darauf stand damals noch ein Haus, das eigentlich ausgebaut werden sollte. Doch das Fundament trug einen Umbau nicht, musste abgerissen werden. „Ich bin 16 Mal umgezogen. Damit sollte Schluss sein“, erzählt der 71-Jährige. Die Umzieherei hatte natürlich mit seinem Job zu tun.
Von Korff wurde 1968 Berufssoldat. Als Major und Taktiklehrer an der Offiziersschule des Heeres erlebte er am 9. November 1989 den Fall der Berliner Mauer. Da hatte er schon einige Stationen in der Bundeswehr absolviert, kannte die innerdeutsche Grenze nur zu gut. Schon immer habe ihn den Osten interessiert, obwohl es dort weder familiäre Verbindungen noch ehemalige Besitztümer gab. Am 9. November war er in Herzberg im Harz. Er erinnert sich: „Plötzlich war alles voller DDR-Fahrzeuge. Die Maueröffnung ging wie ein Lauffeuer durch den Ort. Man hatte das Gefühl, in einer unglaublichen Glückswelle zu schwimmen. Die Leute haben die vielen fremden Leute beköstigt, sie eingeladen.“ Er sei neugierig gewesen auf alles, was ihn auf der DDR-Seite erwartet.
Den Osten kennenzulernen, dazu bekam er sehr schnell Gelegenheit. Als Oberstleutnant erhielt er im Dezember 1990 den Auftrag, in Gotha ein Bataillon aufzubauen. „Das war die spannendste Zeit in meiner Laufbahn“, blickt er zurück. Er habe viele tolle Menschen und auch Wendehälse kennengelernt. In Erinnerung geblieben ist ihm die große Motivation vieler Soldaten in Gotha, die zupackten und auch Dinge erledigten, die sie eigentlich nicht hätten tun müssen, wie etwa Duschräume herzurichten.
Von Korff wechselte später an die Panzertruppenschule Munster, wurde Dezernent im wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages und Offizier bei der 1. Panzerdivision in Hannover. Das war im Jahr 2000. Dann kam die Anfrage, ob er noch mal einmal in den Osten gehen würde und zwar als stellvertretender Kommandeur des Verteidigungsbezirkskommandos 85 in Frankfurt (Oder). „Ich habe zugestimmt unter der Maßgabe, dass es meine letzte Versetzung sein wird“, erzählt von Korff. So kam es. Im März 2006 ging er in Pension. Das Kapitel Bundeswehr ist jedoch bis heute nicht beendet. Er wurde Beauftragter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge für die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr in Berlin und Brandenburg. Bis 2020 wird er diese Aufgabe noch ausüben.
Engagiert im Volksbund
Er hält Vorträge, verhandelt mit Botschaften über Einsätze von internationalen Soldatentrupps auf Kriegsgräberstätten, organisiert. „Wenn man Soldaten an Kriegsgräberstätten die Geschichte erzählt, werden sie ganz still“, so von Korffs Erfahrung. Noch immer würden in Brandenburg jährlich 200 bis 300 Kriegstote geborgen. Viele waren, als sie starben, nicht mal so alt wie die jungen Rekruten heute. „An Soldatengräbern kann man sehr anschaulich zeigen, was ein verbrecherisches System wie das der Nationalsozialisten anrichtet.“ Das sei etwas, dass er weitergeben will.
Er sieht sich zudem auch als Mittler zwischen Ost und West. Er hat hohen Respekt vor dem, was die Ostdeutschen seit dem Mauerfall geleistet haben und kann sich tierisch ärgern, wenn „oberschlaue Wessis meinen zu wissen, wie es war“. Er weiß inzwischen vieles aus den Erzählungen der Menschen, auch aus der DDR-Zeit. Denn der Jäger, Natur- und Pferdeliebhaber ist längst in der Region verwurzelt. 2017 wählten ihn die Mitglieder des Jagdverbandes Seelow zu ihrem Vorsitzenden.
Altes Adelsgeschlecht aus Westfalen
Korff ist der Name eines alten westfälischen Adelsgeschlechts. Die Familie, deren Zweige zum Teil bis heute bestehen, gehört zu den ältesten landsässigen Adelsfamilien im Münsterland. Max-Georg Freiherr von Korff wurde im Schloss Harkotten (Kreis Warendorf, NRW) geboren. Das Schloss war 1804 im klassisistischen Stil errichtet worden und ist bis heute in Familienbesitz. Der jüngere Bruder des Neuentempler Freiherrn bewohnt und unterhält den denkmalgeschützten Komplex, in dem sich auch ein öffentliches Café befindet. Max-Georg Freiherr von Korff hat einen Sohn, drei Töchter und sechs Enkel.. ⇥red