Mücken
: Diskussion um Plage in Seelow

Das Land solle endlich etwas gegen die Mückenplage unternehmen, forderte jetzt eine Leserin. Situation sei unerträglich.
Von
Anett Zimmermann
Seelow
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  • Ruckzuck da: Mehrere Mücken auf dem Arm von Doreen Werner. Bei einem Test der Forscherin wurden nach einer Minute rund 60 Mücken auf nur einem Arm gezählt.

    Ruckzuck da: Mehrere Mücken auf dem Arm von Doreen Werner. Bei einem Test der Forscherin wurden nach einer Minute rund 60 Mücken auf nur einem Arm gezählt.

    Patrick Pleul/zb
  • An einem Tümpel in Frankfurt: Doreen Werner, Biologin des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung, und Helge Kampen vom Friedrich-Loeffler-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, schöpfen Wasser mit Mückenlarven.

    An einem Tümpel in Frankfurt: Doreen Werner, Biologin des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung, und Helge Kampen vom Friedrich-Loeffler-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, schöpfen Wasser mit Mückenlarven.

    Patrick Pleul
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Das habe zwar gestunken, räumt er ein, die Mücken aber auch vertrieben. Die Leute um ihn herum hätten es ihm gedankt.

Allergiker empfiehlt neues Gerät

Eine Frau schwört auf „diese französischen Girlanden“, die es früher gab und von denen sie noch einige habe. Die kennt der Mann auch, aber um was es da genau geht, ist nicht herauszubekommen.

Derweil outet sich ein anderer als Allergiker und erklärt, bereits alle möglichen Mittel probiert zu haben. „Doch es hilft nichts“, sagt er und fügt hinzu, dass er seit Kurzem jedoch einen Stichheiler besitze, der wirklich Linderung verschaffe. „bite away“, nennt sich das Teil und ist laut Aufdruck auch bei der Deutsche Lebens–Rettungs–Gesellschaft (DLRG) im Einsatz.

Von „bite away“ hat auch Doreen Werner bereits gehört und verweist auf Untersuchungen der Stiftung Warentest. Sie selbst setze beruflich wie privat jedoch auf zwei Dinge: Nicht stehenbleiben und nicht kratzen. Der Stich an sich sei meist harmlos, auch  wenn die Stelle jucke. Das Aufkratzen mache alles nur schlimmer. Die Diplom–Biologin am Leibniz–Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg kennt sich aus mit Mücken. Sie gehört zu dem Team, das bereits seit acht Jahren den deutschlandweiten Mücken–Atlas erstellt — mit Hilfe von Bürgern.

Das zeige, wie wichtig das Thema bereits auf Bundesebene ist. Im Moment befasse sie sich mit Kollegen mehrerer wissenschaftlicher Institute auch mit der Vektorkompetenz und Pathogenlast von Stechmücken in Deutschland, erzählt sie. Dabei gehe es um ihre Verbreitung und welche sie Krankheitserreger übertragen können. Untersucht würden dabei Überflutungsflächen der Oder, Spree, Elbe, Weser und des Rheins, zudem verschiedene Landschaftsstrukturen wie Auen, Grünland und urbane Bereiche betrachtet.

Allerdings habe, so Doreen Werner, niemand geahnt, dass es Ende Juni ein kleines Hochwasser an der Oder geben würde. Aber nur zu diesem Zeitpunkt wäre ein Eingreifen sinnvoll gewesen, macht sie deutlich. „Jetzt sind keine Larven mehr da“, sagt sie und ergänzt: „In zwei, drei Wochen ist alles vorbei.“ Von polnischer Seite habe es geheißen, dass gesprüht worden ist, berichtet sie. Sie wisse allerdings nicht was und ob dadurch nicht auch anderes, darunter vor allem aber Insekten, mit platt gemacht werden. Auf deutscher Seite gebe es zudem Naturschutzgebiete, erinnert sie.

Dass die Betroffenen vor allem auf der Oder zugewandten Seite genervt sind, kann sie nachvollziehen, die Mücken aber auch unterscheiden. Die Quälgeister seien jetzt weniger die bekannten Hausmücken. „Diese sind eher schüchtern im Anflug, lassen sich auch verscheuchen, ehe sie einen erneuten Versuch unternehmen, uns zu stechen.“ Bei den Kamikaze–Fliegern und kleinen fiesen Stechern handele es sich um die Rheinschnake, deren Name im doppelten Sinne verwirrend sei. „Sie kommt auch an der Oder vor und der Begriff Schnake ist sowieso falsch. Aber das ist ein anderes Thema.“

Druck zur Vermehrung

Die Rheinschnake habe jedoch einen ganz anderen Vermehrungsdruck. „Die Weibchen benötigen nach der Befruchtung eine Blutmahlzeit, um Eier zu bilden“, erläutert Doreen Werner. Die Eier wiederum werden in feuchten Gebieten abgelegt, wobei Auen ja auch trockenfallen können. Dort können die Eier jedoch mehrere Jahre überdauern. „Sobald die Gebiete überschwemmt werden, entwickeln sich die Larven.“ Für die Rheinschnake sei es also eine Frage des Überlebens, ob sie eine oder mehr Generationen über den Sommer bekommt.

Doreen Werner testet in Frankfurt übrigens auch spezielle Stechmückenfallen, deren Fangrate mehrere hundert Mücken am Tag umfasst. Doch diese Fallen seien perspektivisch etwas für einzelne Grundstücke, darunter auch Krankenhäuser und Reha–Kliniken.

Info: www.mueckenatlas.com.