Die frisch sanierte Fachwerkkirche in Sietzing war genau aus diesem Grund nun binnen weniger Tage erneut Treffpunkt für eine besondere Veranstaltung. Diesmal für die Präsentation des Jahrbuchs Märkisch-Oderland 2021. Es vereint 31 Beiträge zu ganz unterschiedlichen Themen von 27 Autoren aus dem gesamten Landkreis.

Dank an alle Beteiligten

Karl-Heinz Sommerfeld als Mitglied des Freundeskreises der Fachwerkkirche Sietzing läutete da zu Beginn gern die Glocken, während sich Jan Paepke, Leiter des Amtes für Landwirtschaft und Umwelt, auf seine neue Aufgabe vorbereitete. Schließlich vertrat er den verhinderten Landrat Gernot Schmidt. Das Jahrbuch, es ist der 28. Jahrgang, war ihm als mehrfacher Mitautor natürlich ein Begriff, auch wenn er darin diesmal nicht vertreten ist. „Es ist wieder sehr schön geworden“, dankte er allen Beteiligten, darunter auch Sigrid Heise, Kulturreferentin in der Kreisverwaltung.

Außergewöhnliche Befunde in Sietzing

Sie hatte bereits im Vorjahr auf ihren langsam kommenden Ruhestand aufmerksam gemacht. Mehrere Anwesende warben nun erneut darum, dass sie dem Redaktionskollegium erhalten bleibt. Dazu zählte Reinhard Schmook, der selbst als profunder Kenner der Region und deren Geschichte wie andere darüber staunte, was das kleine Sietzing an außergewöhnlichen Befunden zu bieten hat. Auf diese war zuvor Kerstin Geßner in ihrem Vortrag „Sietzings Kirche und der Zahn der Zeit“ eingegangen. Unter diesem Titel hat sie mit Annett Dittrich auch einen Beitrag für das Jahrbuch über die archäologische Spurensuche zu Beginn der vor gut 16 Monaten gestarteten Sanierungsarbeiten verfasst.

Themenbreite und treue Autoren

Was die Breite der Themen angeht, habe sich auch in der neuen Ausgabe des Jahrbuchs nichts geändert, so Schmook. Allerdings gebe es mehr archäologische Themen als sonst, hob er Beiträge von Martin Petzel vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum hervor.
Reinhard Schmook nannte treue Autoren wie Michael Braun, Michael Schimmel und Gerd-Ulrich Herrmann und freute sich, dass Theodor Fontane auch nach dem Jubiläumsjahr 2019 noch Neues bietet. So habe Uwe Schieferdecker in den bis dahin unveröffentlichten 60 Reise-Notizbüchern des Schriftstellers die Bestätigung dafür gefunden, dass Fontane auch in Strausberg war.

Vom Botaniker bis zum Kosmonauten

Schmook selbst ist unterdessen der Frage nachgegangen, wo in Letschin Fontanes Apotheke stand. Immer wieder interessant seien auch die Beiträge von Marco Thiedig, früher Schulz, der diesmal über den Jahnsfelder und Humboldt der Botanik Johannes Mildbraed geschrieben hat.
Sigmund Jähn (1937–2019), dem ersten Deutschen im All, ist im Jahrbuch ebenfalls ein Beitrag gewidmet. „Er war wirklich sehr bescheiden“, sagte Reinhard Schmook und verwies darauf, dass Jähn auch nicht viel Aufhebens darum gemacht habe, dass er zweimal zum Ehrenbürger der Stadt Strausberg ernannt worden ist – einmal zu DDR-Zeiten und einmal danach.
Margret Brademann, Leiterin des Buckower Brecht-Weigel-Hauses, wünschte er, dass es bald mit dem Bau des geplanten Pavillons losgeht und dieser dann noch vor ihrem Ruhestand im nächsten Jahr eingeweiht werden kann. Sie hatte einen Beitrag über den Wandel des Dichterhauses von der Gedächtnisstätte zum Literaturmuseum beigesteuert.

Eheurkunde des Reichskanzlers gefunden

Bereits im Ruhestand ist Doris Steinkraus, bis Dezember 2019 langjährige Leiterin der Seelower Lokalredaktion dieser Zeitung. Sie ist mit Beiträgen über Regina Tismer-Benthin, ebenfalls Jahrbuch-Autorin, und Albert Lipfert (1930–2020), den ersten frei gewählten Landrat von Seelow, vertreten. Holm Discher als heutiger Kreisarchivar sei – so Reinhard Schmook – eine gute Wahl. Nicht zuletzt, weil er die Eheurkunde des Landrats und Reichskanzlers Theobald von Bethmann Hollweg im Kreisarchiv Märkisch-Oderland gefunden und darüber auch fürs Jahrbuch geschrieben hat.
Nicht unerwähnt bleiben durfte „Spezi“ Horst Drewing. Der Seelower Fotograf steuerte unter anderem Aufnahmen zu Loose-Gehöften im Oderbruch bei. Sandra Knopke und Saskia Klamm, seit 2016 an der Spitze des Findling-Verlags, dankte Reinhard Schmook für die kontinuierliche Weiterführung. „Trotz Corona sind wir dieses Jahr sogar früher dran. Vielleicht hatten wir alle weniger Ablenkung als sonst.“

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Das Jahrbuch ist über die Tourist-Informationen in Märkisch-Oderland. ausgewählte Kultureinrichtungen, die Kreisverwaltung und den Buchhandel erhältlich.