Oderbruch
: Mit Stirnlampe und Knicklichtern: Hochzeit der Quappenangler

Entlang des Oderbruchs verbringen wieder viele Petrijünger Silvester auf den Buhnen. Sie hoffen auf den Fang des Jahres.
Von
Ulf Grieger
Genschmar
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  • Delikatesse aus dem Oderstrom: Horst Brodhofer aus Hohenwutzen hat Quappen schon von Kindesbeinen an gefangen. Nach Jahrhunderte altem Rezept bereitet er sie auf Bestellung in seinem Altglietzener Gasthaus zu.

    Delikatesse aus dem Oderstrom: Horst Brodhofer aus Hohenwutzen hat Quappen schon von Kindesbeinen an gefangen. Nach Jahrhunderte altem Rezept bereitet er sie auf Bestellung in seinem Altglietzener Gasthaus zu.

    Steffen Göttmann
  • Immer wieder begeistert:  Harry Quast kommt aus Süddeutschland, um den "Oderleoparden" zu fangen.

    Immer wieder begeistert:  Harry Quast kommt aus Süddeutschland, um den "Oderleoparden" zu fangen.

    Ulf Grieger
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Angler sind besondere Touristen. Darauf hat sich auch die Branche eingestellt. Für sie hat der Verband Seenland Oder–Spree dieses Jahr eigens einen „Angelführer“ herausgebracht. Darin sind auch die Spezialisten unter den Petrijüngern abgebildet: die Quappenangler.

Angetan mit Stirnlampe, Tarnjacken und Knicklichtern sind sie wieder an den beliebtesten Quappenangelstellen an der Oder zu sehen. In Hohenwutzen, am Neurüdnitzer Spitz, am Güstebieser Looser Fährhafen, an der Ruschebuhne, in Kienitz oder in Nieschen und Kuhbrücke stehen sie seit Freitag und werden noch bis Ende dieser Woche dort auf ihren Fang des Jahres hoffen.

Erlebnis zum Jahreswechsel

Manche kommen jedes Jahr. Wie der in Diedersdorf aufgewachsene Harry Quast, der mit seinen Freunde wie Hermann Rackel aus Baden–Württemberg nach Nieschen kommt. Alljährlich fahren die beiden die rund 600 Kilometer vom Main an die Oder, um der Quappe nachzustellen. Sie freuen sich über das unbeschreibliche Naturerlebnis. Wie 2017, als die Deichvorländer geflutet waren. Oder nun, da die Trockenheit die Angler bis nahe ans Ufer lässt.

Schlechte Aussichten prophezeit Küstrins Alt–Fischer Detlef Schneider den Quappenanglern in diesem Jahr. Der niedrige Wasserstand macht es den „Oderleoparden“, wie die Knochjenfische auch genannt werden, schwer aus dem Haff in ihre Laichgebiete stromaufwärts zu wandern. "Kommt der Hecht nicht, kommt auch die Quappe nicht“, orakelt er. Wohl wissend, dass es dieses Jahr auch bei Nieschen schon eine paar Glückliche gegeben hat, die über 60 Zentimeter große Quappen geangelt haben. "Generell geht es den Fischen nicht so gut. Das Wasser ist auch zu sauber“, winkt Schneider ab. Seine Familie verfügt über Fischereirechte, die auf Privilegien von  1690 zurückgehen.

Einer der kenntnisreichsten Quappenfänger ist der Hohenwutzener Horst Brodhofer. Seit 30 Jahren führt er die Gaststätte „Zur Oderbrücke“ in Altglietzen. Eine absolute Topadresse für Quappen–Genießer. Dort gibt es sie noch: Die „Quappe braun mit Fliedermus–Soße“. Wer das kosten will, muss es bei Brodhofers anmelden. Denn er weiß nicht nur, wie man Quappen richtig fängt, er weiß sie auch zuzubereiten. Das alte Rezept fand schon um 1747, zu der Zeit Verwendung, in der der Oderbruchroman „Die Gleichung des Lebens“ von Norman Ohler spielt. Dazu muss die Quappe eine Nacht lang in heißem Sud ziehen, „nicht kochen“, sagt Brodhofer, der längst das Rentneralter erreicht hat.. Noch aufwändiger ist das Herstellen von Fliedermus. Die Holunderdolden müssen zum richtigen Zeitpunkt gepflückt und dann lange gekocht werden. „Ich weiß aber, wo ich es herbekomme. Und welche Gewürze an das Gericht kommen“, geheimnist der Wirt. Er bezieht seine Quappen von einem Haff–Fischer bei Ueckermünde. Im Haff beginnt die lange Wanderung  der Fische, die dort auch in die Netze der polnischer Fischer gehen.

Gefräßiger Fisch

Schon als kleiner Junge hat Brodhofer die Männer beobachtet, die ins erste stehende Oder–Eis Löcher gehackt haben, um ihre Netz zu stellen. Eine Kunst, die heute kaum noch einer beherrscht. Mitunter staunt aber auch er noch über die Gefräßigkeit der Quappen. Er zeigt Fotos, da hatte eine große Quappe allein fünf Zander im Magen. „Die frisst sogar weiter, wenn sie schon im Netz ist. Dann verschlingt sie die Mitgefangenen“, sagt Brodhofer. Er kennt aber auch die Steinquappen, die gar nicht groß wandern. Sie sind in den Altgewässern der Oder heimisch und lieben steinige Ufer. „Sie sind kleiner als die Verwandten aus dem Haff. Aber da sind Quappen im Bruch immer“, erzählt der Hohenwutzener, der selbst auch stets fasziniert ist, wenn er auf Quappe geht.