Die Oder führt zurzeit mehr Wasser als in vergangenen Jahren zur selben Zeit. Auch fließt sie nicht so träge dahin. Für Paddler fluss-abwärts kann die Strömung schnelleres Vorankommen bedeuten, wenn dies nicht durch Seiten- oder gar Gegenwind behindert wird. Henryk Siemon-Ueberfeld rät den beiden schon etwas geübteren Kanufahrern deshalb, die Steuerung des Kajaks zu nutzen.
Die Ausflügler wollen von Kienitz nach Zollbrücke. Das sind knapp 20 Kilometer und damit sowohl für eine Halbtages- als auch Ganztagestour geeignet. Je nachdem, wie gemütlich man es angehen lassen und wie oft man zwischendurch an Land gehen will. Schon der Startpunkt bietet unter anderem mit Hafenmühle und Radwegkirche sowohl Kultur als auch Gastronomie. Übernachtungsmöglichkeiten inklusive Camping- und Wohnmobilplatz gibt es in Kienitz ebenfalls.
Henryk Siemon-Ueberfeld verleiht Kajaks – also mit Doppelpaddel – als Zweier und Einer, bietet aber auch Kanadier mit Stechpaddel an. Schwimmwesten, Sitzkissen, Karten, Packsäcke und Handytaschen stellt er ebenfalls zur Verfügung. Zweckmäßig sei zudem sportlich-leichte Kleidung, die auch mal nass werden darf, vor allem aber schnell trocknet. Damit rechnen, dass man ins Wasser muss, sollte man auch. Etwa, um sicher an Land oder ins Boot beziehungsweise bei Niedrigwasser auch über eine Sandbank zu kommen. Doch im Moment sind sogar Buhnen problemlos zu überfahren.
Familien mit kleineren Kindern empfiehlt Henryk Siemon-Ueberfeld für ein erstes Paddelabenteuer allerdings eher eine Strecke auf der alten Oder. Er selbst, so erzählt er, habe einst fast jedes Wochenende bei seiner Großmutter in Kietz verbracht. Er kennt sich am Strom also bestens aus und das sollten Kunden nutzen. "Die meisten wollen ein paar schöne Stunden auf dem Wasser und in der Natur verbringen", sagt er und gibt gern Tipps zu geeigneten Ausstiegen. Für das Paddeln an sich seien keine besonderen Anforderungen zu erfüllen, meint er und bittet noch an Land ins Boot, um Fußrasten und Sitze einzustellen. Schließlich muss man darin eine Weile aushalten.

In Ufernähe ist es stets ruhiger

Nach etwa 15 bis 20 Minuten ist alles besprochen, Picknickdecke und Rucksäcke wasserdicht verstaut, kurz darauf schon die Bundeswasserstraße erreicht. Das Kajak schaukelt sich fast ohne Zutun gen Norden, ein paar Paddelschläge und das Kajak nimmt ordentlich Fahrt auf. Der Wind drückt etwas, aber in Ufernähe ist es stets ruhiger, stört auch der Wellenschlag vorbeirauschender Motorboote weniger. Ihnen ist ebenso Vorfahrt zu gewähren wie zum Beispiel Schubverbänden. Letztere sind allerdings selten geworden.
Mit Land in Sichtweite ist natürlich einiges mehr zu entdecken, eine Biberburg zum Beispiel. Oder Angler, teils mit Zelten und auf Welsfang, Fischreiher, Schafe als tierische Rasenmäher auf dem Deich, Radfahrer, Schwalben, die an Abbruchkanten nisten, der Elektrozaun, der das Einschleppen der Afrikanischen Schweinepest verhindern soll. Wer fotografieren will, dem bleibt bei der Strömung in diesen Tagen nicht viel Zeit zum Auslösen. Und noch einmal stromaufwärts zu paddeln, ist an diesem Sonntagnachmittag keine Option, die Kraftanstrengung wäre zu groß. Doch die Begeisterung wächst von Kilometer zu Kilometer. Vielleicht ist es die immer wieder einkehrende Ruhe, obwohl Vögel zwitschern und der Wind deutlich hörbar durch das Schilf streicht.

Zollbrücke bleibt unerreicht

Groß Neuendorf mit seinem Kulturhafen war bereits nach 20 Minuten vorbeigezogen und die Kirche von Czelin (Zellin) schon von Weitem zu sehen. Dort bei Flusskilometer 640 – anhand der viereckigen weißen Schilder mit schwarzer Schrift ist die Orientierung sonst kein Problem – lässt sich die Unterrähne umfahren. Noch so ein Tipp von Henryk Siemon-Ueberfeld! Aber man muss schon ein bisschen schauen, zwischen all dem Grün die Einfahrt zu erwischen.
Nur der Himmel zieht sich zunehmend zu. Erste Regentropfen fallen. Gozdowice – die Fähre "Bez Granic" liegt noch immer im Kienitzer Hafen und wird aus personellen wie finanziellen Gründen in diesem Jahr wohl nicht mehr eingesetzt – ist schon in Sicht. Und gegenüber auf deutscher Seite ist dann nach drei Stunden Schluss für die Tour. Henryk Siemon-Ueberfeld verspricht am Telefon, in 25 Minuten da zu sein. Also wird noch einmal in den Proviant gegriffen, Spaziergänger mit Hund oder auch Störche beobachtend, die auf den Wiesen nach Futter suchen. Fünf Kilometer auf dem Wasser können lang, bei Gewitter sogar gefährlich werden. Nach Zollbrücke mit seiner Deichscharte, mehreren Einkehrmöglichkeiten und dem Theater am Rand geht es vielleicht beim nächsten Mal...

Ansprechpartnerzum Wasserwandern

Informationen zu Kanu-Verleihern erhalten Interessierte bei allen Tourist-Informationen in der Region.

Der Internetauftritt des Tourismusverbandes Seenland Oder-Spree ist ebenfalls ein guter Ausgangspunkt zur eigenen Vorbereitung. "Endlich wieder aufs Wasser" heißt es dort bereits auf der Startseite unter www.seenland-oderspree.de.

Henryk Siemon-Ueberfeld ist am besten unter seiner Handy-Nummer 0176 34600616 oder per E-Mail an katleen-u@gmx.de zu erreichen. Mehr zu den Booten, Tourvorschlägen und Preisen ist auf seiner Internetseite www.kanu-oderbruch.de zu finden.