Polizei: Vandalismus in Seelow hält an
„Nachts gegen 2.30 Uhr hörten wir einen lauten Knall“, erklärte Carmen Thiedecke. Entdeckt hatte ihre Nachbarin Irmtraud Wiedmer dann die Ursache. Der Inhalt der mobilen Chemietoilette war den Gehweg entlang geflossen. Irmtraud Wiedmer hatte am frühen Morgen bei der Polizei angerufen und die Antwort erhalten, dass es sich dabei um keine Straftat handele sondern es nur eine Sachbeschädigung sei, für die die Polizei aber nicht zuständig sei. Auch auf der Mittelinsel der Puschkinstraße wurde randaliert. Dort wurde der große Deko–Blumenbehälter umgeworfen. „An unserem Haus haben wir keine besonderen Schäden entdeckt. Aber man weiß ja nicht, was unter den anderen umgekippten Anlagen passiert ist“, so Carmen Thiedecke.
Der jüngste Fall reiht sich ein in eine Reihe weiterer Vorfälle in diesem Sommer, bei denen vor allem Sachschaden entstand war. So wurden in einem Geschäftshaus gleich neben der Polizeiwache die Werbe–Elemente mutwillig herausgerissen und zerstört und in einer anderen Nacht waren etliche Gebäude in der Innenstadt mit Krakeleien beschmiert worden.
Stadtväter reagieren bereits
„So langsam läuft aber das Fass über! Wir dürfen uns das nicht gefallen lassen!“, machte Bürgermeister Jörg Schröder bereits öffentlich deutlich und erntete dafür viel Zustimmung. Er berief eine Sonderberatung zum Vandalismus in der Kreisstadt ein, an der auch die Sicherheitspartner und Polizeibeamte teilnahmen. Der Verdacht erhärtet sich , dass es sich bei den Tätern um junge Seelower im Alter zwischen 12 und 14 Jahren handele, die sich vor allem nachts dazu treffen, ihre überschüssigen Kräfte unter Beweis zu stellen.
Man könne den Eindruck bekommen, dass die jungen Täter es darauf absehen, möglichst viel Aufsehen zu erregen, um sich damit bestätigt zu fühlen, schätzt der Bürgermeister. Er will das Thema auch in den Fachausschüssen der Stadtverordnetenversammlung und mit den Trägern der Jugendarbeit beraten. Mit dem CVJM und der Kindervereinigung war auch die „aufsuchende Jugendarbeit“ vereinbart worden. Die beinhaltet die direkte Kontaktaufnahme von Jugendsozialarbeitern mit den Jugendlichen an deren Treffpunkten. Die Stadt strebe an, den betreffenden Kindern und Jugendlichen eine sinnvollere Freizeitbetätigung anzubieten und dabei mit Partnern zu kooperieren, so der Bürgermeister.
Polizei geht Beschwerden nach
Zu dem Umstand, wie die Polizei am Sonntagmorgen auf die Anzeige der Seelowerin reagiert haben soll, wird ein Beschwerdeverfahren in Gang gesetzt, informierte Bärbel Cotte–Weiß von der Polizeidirektion Ost in Frankfurt. Nachgegangen werde in diesem Zusammenhang auch dem Hinweis eines aufmerksamen Bürgers, der sich extra in die Seelower Polizeiwache begeben hatte, um Jugendliche anzuzeigen, die am Samstag gegen 9.30 Uhr an einem See in Vierlinden zum einen Fischwilderei betrieben haben, da sie keine Angelerlaubnis hatten und zum anderen in berauschtem Zustand am Verkehr teilnahmen. In der Wache sei dem Mann lediglich beschieden worden, er möge die Rufnummer 110 anrufen. „Das wird nun untersucht“, so Bärbel Cotte–Weiß. „Das ist nicht die Reaktion, die wir uns vorstellen.“


