Projektvorstellung
: Gemeinsames Erinnern

Deutsch-polnische Konferenz als Auftakt für EU-gefördertes Geschichtsprojekt Seelow-Kostrzyn-Słonsk
Von
Doris Steinkraus
Seelow
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  • Auftakt-Konferenz: Im Schweizerhaus trafen sich Vertreter von deutschen und polnischen Kommunen sowie Einrichtungsleiter – v.l. Ursula Bretschneider (Ministerium), Thomas Drewing (Ansprechpartner in der Stadt), Bürgermeister Jörg Schröder, Agnieszka Zurawska-Tatala (Kostrzyn) und Dominika Piotrowska (Słonsk).

    Auftakt-Konferenz: Im Schweizerhaus trafen sich Vertreter von deutschen und polnischen Kommunen sowie Einrichtungsleiter – v.l. Ursula Bretschneider (Ministerium), Thomas Drewing (Ansprechpartner in der Stadt), Bürgermeister Jörg Schröder, Agnieszka Zurawska-Tatala (Kostrzyn) und Dominika Piotrowska (Słonsk).

    Doris Steinkraus
  • Denkmal: Eingang zum ehemaligen KZ Sonnenburg.

    Denkmal: Eingang zum ehemaligen KZ Sonnenburg.

    privat
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„Stätten der Erinnerung Oder-Warthe“ ist der Titel eines grenzüberschreitenden Projekts, das Vertreter der drei beteiligten Kommunen erstmals in Seelow vorstellten. Gastgeber für die deutsch-polnische Konferenz war der Verein Schweizerhaus.

Über den Beamer flimmern Bilder einer stolzen und an architektonischen Kostbarkeiten reichen Stadt. Eine Stadt, die es nicht mehr gibt. Richard Skalba vom Festungsmuseum Kostrzyn macht anhand weniger Bilder deutlich, was der Zweite Weltkrieg den Menschen beiderseits der Oder bescherte. Kein Haus blieb stehen im einstigen Küstrin. Über den Ruinen der Altstadt herrschte Jahrzehnte die Natur. „Die Altstadt ist eine einzige Erinnerungsstätte, in der wir auch heute noch die Überreste von Toten bergen. Mehr als 600 waren es bisher schon“, berichtet Skalba. Er zeigt aktuelle Bilder von freigelegten Straßenpflastern, Hauseingängen, aber auch von sanierten Teilen der einst mächtigen Festung, vom Museum, in dem  viele Originaldokumente und Artefakte der alten Festungsstadt gezeigt werden. Die Geschehnisse vor mehr als 70 Jahren bilden die Klammer um das ehrgeizige Erinnerungsstätten-Projekt. Über Interreg wurden insgesamt 3,8 Millionen Euro bereitgestellt, um an markanten Orten die Geschichte lebendig werden zu lassen.

Das Bahnhofsgebäude Seelow soll künftig vom Leid und vom Alltag der Zivilbevölkerung während des Krieges und danach berichten. Christian Hirte stellt in der Konferenz das Konzept für die Schaffung einer Geschichtswerkstatt und eines Dokumentationszentrums im Bahnhof vor. In Slonks geht es um das Kulturhaus am  dortigen  Martyriummuseum, wo sich einst das KZ Sonnenburg befand. Die ehemalige Fabrikbesitzer-Villa Wagner in Kostrzyn war lange als Rathaus genutzt worden und soll nun mit multimedialen Mitteln die Industriegeschichte Küstrins nachvollziehbar machen. Seelow agiert als Lead-Partner, koordiniert die Maßnahmen und wird dabei von Unternehmen Eccofort aus Berlin begleitet.

„Wir werden drei solcher Konferenzen durchführen“ erklärt Dirk Röder von  Eccofort. Zum Auftakt sei es darum gegangen, das Vorhaben der Öffentlichkeit vorzustellen. Jetzt würden Workshops in den einzelnen Bereichen und viele detaillierte Gespräche mit weiteren Partnern folgen. Ende 2019 wolle man die ersten Ergebnisse vorstellen. Mitte 2020, so das Ziel, sollen die drei Stätten der Erinnerung Oder-Warthe eine kulturhistorische Marke sein, für die in einem gemeinsamen dreisprachigen Reiseführer und übers Internet geworben wird. Und das unter Einbeziehung weiterer Orte, die für den gemeinsamen historischen Kulturraum Oder-Warthe, für den Schicksalsraum während des Zweiten Weltkrieges und heute als Begegnungsraum in einem geeinten friedlichen Europa stehen. Die Seelower Gedenkstätte gehört ebenso in diesem Raum wie das Schweizerhaus mit der Geschichte seines jüdischen Bewohners Hugo Simon, die Kriegsgräberstätten auf beiden Seiten der Oder, das Festungsmuseum Kostrzyn sowie die Fort- und Festungsanlagen. Die geplanten Investitionsvorhaben in Seelow, Kostrzyn und Slonsk ergänzen sich durch ihre Inhalte und schaffen eine neue Qualität der Geschichtsaufarbeitung, die vor allem auch die jüngere Generation mit ihren veränderten Kommunikationsverhalten anspricht.

Es sei ein beispielhaftes Projekt zur Aussöhnung zwischen Deutschen und Polen, lobt Ursula Bretschneider aus dem  Potsdamer Ministerium für Justiz und Europa. „Die Netzwerkarbeit ist ein sehr guter strategisch wichtiger Ansatz, um auch in künftigen Förderperioden Berücksichtigung zu finden.“ Denn anders in den zurückliegenden Förderperioden werde es künftig noch stärker darauf ankommen, übergreifend und vernetzt zu agieren, weg von der bloßen Förderung von Einzelobjekten zu kommen. Sie interessiere sich zudem persönlich sehr für die Geschichte dieser Region zwischen Oder und Warthe, werde das Projekt aufmerksam verfolgen.

Ansprechpartner im Seelower Rathaus: Thomas Drewing, Tel. 03346 802152; E-Mail:thomas.drewing@seelow.de