Protest in Seelow und Bad Freienwalde
: Apotheken geschlossen – wo es trotzdem Medizin gibt

Rund um Seelow und Bad Freienwalde bleiben die meisten Apotheken bald geschlossen. Aus welchem Grund und wie Patienten dennoch an Arzneien kommen.
Von
Katja Gehring
Seelow
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Rund um Seelow und Bad Freienwalde bleiben die meisten Apotheken am Mittwoch (29. November) geschlossen. Patienten müssen sich auf Einschränkungen einstellen. (Symbolbild)

Monika Skolimowska/dpa

Ohne Apotheke keine sichere Versorgung – so lautet die Botschaft, die Apotheker aus dem Land Brandenburg am Mittwoch (29. November) vermitteln wollen. Der „Demovember“, wie der Monat intern bezeichnet wird, findet damit seinen gemeinsamen Abschluss mit Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Zuvor wurde bereits in den anderen Bundesländern protestiert.

„Bundesgesundheitsminister Lauterbach ist auf dem besten Weg, das jetzige Apotheken-System zu zerstören“, lautet die Kritik der Apotheker, mit der sie sich in Aushängen an den Schaufenstern an ihre Kundschaft wenden. „Das kann nicht im Sinne unserer Patientinnen und Patienten sein“, finden sie. „Deshalb protestieren wir auch für Sie.“

Kritik an Karl Lauterbach

Apotheken in Seelow, Manschnow, Lebus, Neuhardenberg und Bad Freienwalde beteiligen sich an dem landesweiten Protesttag. „Diesmal sind wir auch dabei“, sagt Rita Möller, die die Adler-Apotheke am Marktplatz in Seelow betreibt. Bisher hatte sie sich immer dagegen entschieden, weil ihre Apotheke mittwochs generell am Nachmittag geschlossen ist. „Jetzt ist langsam genug“, begründet sie ihre Entscheidung gegenüber MOZ.de. Auch wenn darunter die Patienten leiden. „Das tut mir leid. Aber diesmal muss das sein.“

So wird dem Bundesgesundheitsminister beispielsweise von der Abda (Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände) vorgeworfen, „bewährte Strukturen infrage zu stellen und eine zerstörerische Deregulierung in Richtung von Leistungskürzungen und einem Zwei-Klassen-Apothekensystem vorzuschlagen“. Bisher ist der Betrieb einer Apotheke so geregelt, dass immer ein Apotheker anwesend sein muss, was auch in der Apothekenbetriebsordnung vorgeschrieben ist. Dass in Filialen auch ausschließlich Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) versorgen dürfen, sei abzulehnen.

In den Schaufenstern weisen Apotheker in Märkisch-Oderland auf ihre Protest-Aktion hin.

Katja Gehring

Fachkräfte-Mangel bleibt großes Problem

„Das sind ganz furchtbare Pläne“, sagt auch Christian Major, Inhaber der Apotheke im Einkaufszentrum Seelow. Er lehne dieses Vorhaben ab, weil die Qualität der Arbeit in den Apotheken darunter leiden würde. Ähnlich äußert sich auch der PTA-Berufsverband: „Wir sind sehr gut qualifiziert, wir übernehmen in den Apotheken viele Patientenkontakte, wir fertigen einen Großteil der Rezepturen an. Aber wir sind keine Apotheker, und wir lassen uns nicht gegen unsere approbierten Kolleginnen und Kollegen ausspielen.“

Zumal diese Pläne auch kein Personal in die Region bringt. Denn der Fachkräfte-Mangel ist das nächste große Problem. Christian Major musste schon vor Monaten die Öffnungszeiten seiner Apotheke einschränken. Das kommt jetzt auch auf die Burg-Apotheke in Lebus zu. Seit Montag (21. November) ist dienstags, mittwochs und freitags nur noch bis 16 Uhr geöffnet. Laut Aushang „vorläufig und aus betrieblichen Gründen“.

Internet-Anbieter sind Konkurrenten

„Noch können wir unsere bisherigen Öffnungszeiten abdecken“, erklärt Robert Witzke, der insgesamt drei Apotheken in Bad Freienwalde und Oderberg betreibt. „Toi, toi, toi – ich habe genug Leute“, sagt er. „Noch“, räumt der Apotheker ein und verweist auf die Sparmaßnahmen, die das Bundesgesundheitsministerium forciert. „Die Honorierung ist nicht mehr ausreichend“, so Witzke.

Steigende Umsätze, die Apotheken beispielsweise während der Pandemie verzeichnen konnten, sind nicht gleichbedeutend mit steigenden Gewinnen – so lautet ein weiterer Einwand der Abda. „Ganz besonders gilt dies in der aktuellen Phase massiver Inflation sowie gestiegener Energiekosten und Tariflöhne.“ Für Robert Witzke komme noch hinzu, dass die Apotheken vor Ort gegenüber den Internet-Anbietern konkurrenzfähig bleiben müssen. Er arbeite im Zusammenhang mit dem E-Rezept an einer digitalen Variante. „Vielleicht per App, in die das Rezept hochgeladen wird“, überlegt er. „Aber auch das kostet Geld.“

Notdienst in Frankfurt sowie Strausberg und Letschin

Der Ratschlag der Apotheker rund um Seelow und Bad Freienwalde an die Patientenschaft lautet, sich Medikamente vorausschauend noch vor Mittwoch zu besorgen. Auch Fragen mit dem Apotheken-Team sollten möglichst vor oder nach dem Protesttag geklärt werden. Zwar werden vereinzelte Apotheken am Protesttag nicht schließen, allerdings müsse man dafür teilweise ziemlich weite Wege auf sich nehmen.

Geöffnet haben auf jeden Fall die Wriezen-Apotheke und die Marien-Apotheke zu den gewohnten Zeiten, wie eine Nachfrage von MOZ.de ergab.

Die Notdienstsuche für Mittwoch, den 29. November, hat für Seelow im Umkreis von 40 Kilometern folgende Ergebnisse geliefert: die Fontane-Apotheke in Letschin, Tel. 033475-50231 sowie die Oderland-Apotheke in Frankfurt (Oder), Tel. 0335-22288; die Stadt-Apotheke in Strausberg, Tel. 03341-313841 und die Rathaus-Apotheke in Fürstenwalde/Spree, Tel. 03361-301226.