Radfahren im Oderbruch: Womit eine besondere Kultur-Radtour zur Europabrücke lockt

Europabrücke Bienenwerder: Sie ist als neuester Kulturerbe-Ort das Ziel. Doch womit lockt die Radtour zuvor schon auf dem Weg dorthin?
Nadja VoigtDie Liste der Kulturerbe-Orte im Oderbruch wächst beständig – über 40 sehr unterschiedliche Stätten und Objekte sind es inzwischen. Im Monatsrhythmus kommt nun jeweils ein neuer dazu. Das Molkenhaus in Bärwinkel, Erstlingswerk von Friedrich Schinkel, war es gerade erst im Juli. Nummer 45 wird im August nun die Europabrücke, die in Bienenwerder die Oder überspannt.
Ein kleiner Festakt ist die Aufnahme zwar jedes Mal. Diesmal jedoch haben sich das Kulturerbe-Netzwerk und das Team vom Oderbruch Museum Altranft etwas ganz Besonderes für diesen Termin einfallen lassen: Zu einer Kultur-Radtour durch das nördliche Oderbruch sind alle Interessierten am 5. August willkommen. Wer dabei sein möchte, kann sich auf eine Ausfahrt über 19 Kilometer Streckenlänge einstellen.
Zwischenstopp an „Rebellenkirche“ Altwustrow
Start soll 11.15 Uhr am Lebensbrunnen vor der Marienkirche in Wriezen sein, eines der prägenden Bauwerke, das bereits über die Stadtgrenzen wirkt. Der Zeitpunkt ist so gewählt, dass guter Anschluss mit ankommenden Zügen besteht. Gegen 12.30 Uhr soll dann die erste Zwischenstation erreicht sein: Die sogenannte „Rebellenkirche“ in Altwustrow ist sozusagen ein Schwarzbau – 13 örtliche Bauernfamilien waren es, die das Gotteshaus 1789 ohne königliches Einverständnis errichteten. Zwei Jahre zuvor war ihnen die Bitte nach einem Betsaal vom Kienitzer Amt verweigert worden.
Ursprünglich war die Kirche ein einfacher, quadratischer Fachwerkbau in aller Bescheidenheit, der Turm kam erst nachträglich 1832 dazu. Kurz zuvor, nämlich 1830, hatte die mit so viel Eigensinn errichtete Kirche ihre spezielle Inneneinrichtung mit der bemalten Papierdecke erhalten. Ihr dominanter Farbton wurde später als Preußisch-Blau bekannt. Die Decke wurde aus handgeschöpften, einzelnen kleinen Flachspapierbögen zusammengefügt, und als es vor einigen Jahren an die erste Sanierung dieses architektonischen Kleinods im ländlichen Raum ging, stand sie ganz besonders im Fokus. Auch die Kirche Altwustrow, in deren Geschichte bei diesem Zwischenstopp eingetaucht wird, ist bereits Kulturerbe-Ort.
Kaffeepause im Kolinistendorf Neulietzegöricke
Das gilt ebenso für das Kolonistendorf Neulietzegöricke, das vor zwei Monaten Gastgeber des Oderbruchtags war und wo die Teilnehmenden der Radtour gegen 13.15 Uhr zu einer Erkundung samt erholsamer Pause mit Kaffee und Kuchen eintreffen sollten. Die Europabrücke als Zielpunkt ist nach der Weiterfahrt über ein weiteres Teilstück erreicht, dort ist für 14.45 Uhr die Ausweisung als 45. Kulturerbe-Ort geplant. Die ehemalige Eisenbahnbrücke über die Oder bei Neurüdnitz ist heute als Übergang für Fußgänger wie Radwanderer eines der wichtigsten Verbindungselemente zwischen Brandenburg und der Nachbarregion in Polen östlich des Flusses. Das metallene Bauwerk ist rund 860 Meter lang – je 330 Meter liegen auf deutscher und polnischer Seite, 200 Meter führen über eine Oderinsel. In die Sanierung hatte das Amt Barnim-Oderbruch 5,8 Millionen Euro investiert.
Eine Besonderheit der Tour ist überdies, dass die Akteure vom Festival der Leisen Gesten, das sonst derzeit erneut mit Aktionen auf dem Finowkanal aktiv ist, sich mit diversen Performances einbringt. Musik, Clownerie, Geschichten und Installationen von und mit Georg Traber, Julian Bellini, Ursula Suchanek und The Cat’s Back warten als Überraschung an verschiedenen Stellen unterwegs. Auch diese künstlerische Bereicherung macht die Fahrt sicherlich zu einem bleibenden Erlebnis. Die Rückfahrt erfolgt individuell.
Um Anmeldung unter 03344 333911 oder info@kulturerbe-oderbruch.de wird gebeten.


