Schloss Trebnitz: Jugendliche aus Brest und Seelow sprechen über den Krieg

Am Krugberg mit Friedenswald bei Seelow: Schüler der 7. Brester Schule und des Seelower Gymnasiums begannen dort mit der Workshop-Arbeit. Eine Gruppe beschäftigt sich mit Malen. Vor Ort wurden gleich Blätter und Bäume gezeichnet.
Doris SteinkrausEs sind Bilder, die trotz aller Krisenpunkte in Europa optimistisch stimmen: Junge Leute aus der Brester Schule Nr. 7 der weißrussischen Grenzstadt und des Seelower Gymnasiums „Auf den Seelower Höhen“ sitzen zusammen, sehen sich an, wer was malt. Andere sind mit der Kamera unterwegs, halten im Film die Begegnungen und Aktionen fest. Nach vier Jahren Pause ist Schloss Trebnitz wieder ein Ort des Zusammentreffens zwischen Deutschen und Belarussen.
Mit einigen Hürden erhielten die 15– und 16–Jährigen sowie ihre Begleiter aus der belarussischen Stadt am Westlichen Bug (309.764 Einwohner) ein Visum für den Besuch in Deutschland.
Begegnungen seit 25 Jahren organisiert
Nach 18–stündiger Anreise — davon zwölf Stunden warten an der polnischen Grenze — gab es gleich zu Beginn ein herzliches Wiedersehen zwischen den Lehrerinnen Galina Kowoljowa und Petra Wilpert. Letztere hat gemeinsam mit ihrer Brester Kollegin 25 Jahre lang mit den deutsch–belarussischen Begegnungen den Gedanken der Friedenswälder weiter getragen. Auch als Pensionärin liegt Petra Wilpert das Thema weiter am Herzen.

MOL-Landrat Gernot Schmidt ließ es sich nicht nehmen, die jungen Leute direkt auf dem Krugberg zu begrüßen. Er freue sich, dass es wieder eine Begegnung gibt.
Doris SteinkrausMOL–Landrat: Miteinander reden bleibt wichtig
„Es ist wichtig, dass wir miteinander reden“, appellierte Landrat Gernot Schmidt bei der Begrüßung der Schülerinnen und Schüler am Werbiger Friedenswald. Er ist einer der vier Initiatoren des Friedenswaldes, der 1991 gepflanzt wurde — als Zeichen des Friedens und der Verständigung, wie er betonte. Es folgten weitere Friedenswälder im polnischen Gorzyca (1993), Brest (1994) und Moskau (1998), wobei letzterer 2010 verheerenden Waldbränden zum Opfer gefallen ist.
„Der neuerliche Austausch steht unter dem Thema Ökologie — meine Zukunft auf diesem Planeten“. Und natürlich bilden da Bäume einen zentralen Punkt. Beim Besuch des Friedenswaldes arbeiten die ersten Teilnehmer schon eifrig mit, zeichnen Bäume und deren markante Blätter. „Bäume sind nicht nur ein Symbol des Friedens, sie stehen für Ökologie, für Leben schlechthin“, macht Baumexperte Siegmar Sixdorf. Symbol des Friedenswaldes sei der Ginkgo. Er wachse langsam und werde bis zu 1000 Jahre alt. Nach dem Atombombenabwurf in Hiroshima verbrannten Ginkgos und schlugen wieder Grün aus. Sie gelten weltweit als Überlebenskünstler.

Petra Wilpert (l.) und Galina Kolowaljowa pflegen seit 1996 eine enge Partnerschaft. Sie organisierten zahlreiche Jugendbegegnungen in Trebnitz und Brest. Hier im Gespräch mit Darius Müller, dem Leiter von Schloss Trebnitz. Der Verein ist Kurator der Friedenswälder.
Doris SteinkrausFriedenswald im Klimastress
Die Suche nach einem Ginkgo auf dem Werbiger Areal erweist sich als schwierig. Einige wurden in den ersten Jahren gestohlen, die wenigen verbliebenen sind recht klein gegenüber den anderen Bäumen. Einige der anderen rund 400 Bäume haben zudem die letzten trockenen Jahre nicht überlebt, werden im Herbst gefällt. Der Werbiger Krugberg Verein um Karsten Kaethner kümmert sich um den Friedenswald, der inzwischen imposante Ausmaße erreicht hat und von dem aus man einen fantastischen Blick ins Oderbruch bis weit nach Polen hat. „Bei uns heißt er Friedenspark“, erklärt Galina Kowoljowa. „Er wird immer gepflegt und ist in sehr gutem Zustand.“ 1000 Bäume waren 1994 in einem Brester Neubaugebiet gepflanzt worden. Wie in Werbig erklärt auch dort ein Stein den Hintergrund der Anpflanzung.
Eine Woche lang beschäftigen sich die Jugendlichen in vier Workshops — Tanz, Theater, Film und Kunst — mit dem Thema Ökologie. An ihrer Seite stehen mit der Koordinatorin Magda Steuer sowie Juliane Saß gestandene Teamer. Am Freitag werden sie ihre Ergebnisse präsentieren. Die letzten beiden Abende verbringen die belarussischen Jugendlichen bei ihren deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Thema Ukraine–Krieg nur anonym artikuliert
Man könne angesichts der gegenwärtigen Lage natürlich auch das Thema Ukraine–Krieg nicht auslassen, macht Darius Müller, Leiter von Schloss Trebnitz, deutlich. Doch man wolle die jungen Leute nicht vordergründig damit belasten. In einer Box können sie die ganze Woche über ihre Gefühle, Sorgen und Empfindungen anonym artikulieren. Schon die ersten Einwürfe machen eines deutlich: Die Schüler haben Angst vor einem Krieg, vor dem, was möglicherweise noch auf sie und ihre Familien zukommt. Einige von ihnen haben Verwandte in der Ukraine.
Öffentliche kritische Äußerungen können in Belarus schnell Inhaftierung und Repressalien bedeuten. Um so mehr genießen sie die gemeinsame, ungezwungene und von jeglicher Bespitzelung freien Zeit mit Gleichaltrigen im Oderland. Beide Seiten können dabei ihre Sprachkenntnisse vertiefen. Denn reisen durften nur aktive Brester Schüler der Deutschkurse. Seitens des Gymnasiums nehmen Jugendliche des Russischkurses teil.
Möglich wurde die neuerliche belarussisch–deutsche Jugendbegegnung durch Zuwendungen des Landkreises, des Bildungsministeriums und über die Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) des Auswärtigen Amts.

