Seelow: Nach 145 Jahren bald wieder wie neu
Das Bahnhofsgebäude an der Oderbruchstrecke Eberswalde–Frankfurt hatte seine Schönheit in den vergangenen Jahren hinter hässlichen Graffiti verstecken müssen. Das Gebäude war verrammelt und nur Historiker wissen noch davon zu berichten, dass es seit 1930 dort die Tanzdiele „Nora“ gab und Skatturniere stattfanden. 1987 wurden nördlich Toiletten angebaut. Nach der Wende fiel alles in den Dornröschenschlaf. 2013 wurde das Umfeld bereits verschönert. Im Jahr darauf kaufte die Kreisstadt das Gebäude.
EU–Projekt mit Nachbarn
Europa–Staatssekretärin Anne Quart hatte im Mai 2018 die Fördermittelbewilligung für das EU–Projekt, an dem auch Kostrzyn/Küstrin und Slonsk/Sonnenburg teilnehmen, überbracht. 3,8 Millionen Euro schwer ist das Projekt, in dessen Zuge drei Erinnerungsstätten nun hergerichtet werden können. Der Seelower Bahnhof ist dabei die größte Nummer, gefolgt von der Wagner–Villa in Kostrzyn (1,1 Mio Euro) und dem alten Slonsker Kulturhaus (1 Million Euro). Die drei Kommunen müssen jeweils einen Eigenanteil von 15 Prozent tragen.
Aktuell verhüllen Bauplanen und Gerüste die kunstfertigen Klinkerelemente am Seelower Bahnhof, die die Firma Tauer–Bau nun mit speziellen Steinen saniert. Dabei werden auch dort die Rundbögen wiederhergestellt, die durch verschiedenste Einflüsse und Anbauten verloren gegangen waren. Kriegsspuren sollen ausdrücklich erhalten bleiben.
Während der Anbau im Norden abgerissen wurde, bleibt der am Südende erhalten. Dieses Funktionsgebäude soll später aber farblich angepasst werden, erläutert Thomas Drewing. Das Erdgeschoss wird gerade „trockengelegt“. Aufsteigende Nässe wird künftig durch eine Sperrschicht unterbunden, die die Seelower Firma HBS–Schuckar einbaut. Das sieht ein bisschen so aus, als würden die Wände an Flaschen nuckeln.
Imposant ist der Gesamteindruck im Erdgeschoss schon jetzt. In der künftigen Ausstellungshalle ermöglichen Durchbrüche ein ganz neues Raumerlebnis. Besucher werden dort künftig die Exponate und Sammlungen des Heimat– und Geschichsvereins Gusow–Platkow erleben können, der die Erforschung der regionalen Entwicklung und Alltagskultur zu seinem Schwerpunkt erklärt hat. Auch die Seelower Geschichte, die bislang noch keinen Platz hatte, spielt dann eine Rolle.
Zwei Treppenaufgänge, eine nördliche als historische Anlage und eine mittlere als Neubau, werden in die oberen Räume führen. Im Nordbereich ist die Einrichtung einer Projektwohnung geplant. Dort besteht dann eine Übernachtungsmöglichkeit für Teilnehmer von Projekten oder Referenten, die in den Einrichtungen des Erlebnisbereiches Bahnhof, Gedenkstätte und Schweizerhaus Vorträge halten.
Zentrale Wirtschaftsförderung
Neben dieser Projektwohnung sind einige Büros geplant. Möglich wäre, dass dort ein Kompetenzzentrum Wirtschaftsförderung auf der Grundlage interkommunaler Zusammenarbeit entsteht. Entscheidungen gibt es dazu noch nicht. Aber im Kreis–Landwirtschaftsausschuss ist bereits recht deutlich gemacht worden, dass gerade kleinere Verwaltungen Bedarf an kompetenter Wirtschaftsförderung haben, die die Auswertung der Förderprogramme und Beantragung von Geldern und Zuschüssen für die Gemeinden beherrscht. Zunächst einmal soll aber die Wirtschaftsförderung der Kreisstadt dort Arbeitsräume bekommen, so Thomas Drewing, der auch Vorsitzender des Geschichtsvereins ist.


