"Einige der alten Fotos kennen wir, aber manches ist für uns völlig neu", sagt Angelika Ebert. Die 69-Jährige ist die Enkelin von Otto Gleichfeld, der in Lebus einen der größten Gastgewerbe-Komplexe, das "Deutsche Haus", unterhielt. Dazu gehörten nicht nur die Wirtschaft selbst, sondern auch Brauerei und Hotel. Das "Deutsche Haus" wurde im Laufe der Kämpfe 1945 komplett zerstört, so wie auch viele andere Gaststätten.
Der Heimatverein hat lange recherchiert, in Archiven gesucht, alte Zeitungen ausgewertet, Dokumente von alten Lebusern gesichtet und auch Kontakt mit der im benachbarten Frankfurt lebenden Angelika Ebert aufgenommen. Die ist mit 14 Cousinen und Cousins, die in Westberlin leben, zur Ausstellungseröffnung nach Lebus gekommen. "Wir sind alle Enkel des einstigen Gastwirts", erzählt sie. Ihr Cousin Klaus Müller hat sogar einen Stammbaum erarbeitet. Die Nachfahren zeigen sich angetan von dem, was die Mitglieder des Vereins zusammengetragen haben. Kein einziger trat später in Fußstapfen des Großvaters, der mit seiner Familie auf mehreren alten Fotos in der Ausstellung zu sehen ist. "Aber irgendwie hatte ich das Service-Gen wohl immer im Blut", erzählt Angelika Ebert lachend. Sie sei stellvertretende Leiterin bei der Mitropa gewesen, habe immer auch gern mal ausgeholfen, wenn es im Service eng wurde.
Helga Töpfer, Manfred Hunger und Anne-Luise Eder haben für die neue Sonderausstellung wieder einmal die inhaltliche Hauptarbeit geleistet. "Andere Museen leihen sich Ausstellungen dieser Qualität aus, bei uns übernehmen das Ehrenamtler", würdigt Vereinsvorsitzender Günter Fehling zur Eröffnung.
Die neue Sonderausstellung unterstreicht einmal mehr die Bedeutung der Stadt in der Geschichte der gesamten Region. Ortschronist Manfred Hunger  erinnert an die alten Handelswege und den bronzezeitlichen Burgberg. Damals zogen viele Kaufleute durch die Stadt. Entlang der alten Poststraße seien diverse "Krüge" entstanden, in denen auch die Pferde versorgt wurden. Der Bischofszeit folgte die Domäne,  die das Brauereimonopol besaß. Mit dem Ausbau der Chausseen verloren diverse Krüge ihre Bedeutung.
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Jede Zeit hatte ihre besondere Gastwirtschaft-Landschaft. Nach der Eindeichung des Oderbruchs entstanden auf der anderen Seite der Oder  – heute Polen  – zahlreiche Fähr-Krüge. Der am Lebuser Ufer existierte bis 1945. In ihm hatte sich, so sagt es die Legende, jener Herr Fiddinger niedergelassen, der in Theodor Fontanes Roman "Unterm Birnbaum", der in Letschin spielt, den Getreidehändler ermordet haben soll.
Auch nach 1945 – nur das Gasthaus Hoppe hatte den Krieg unbeschadet überstanden – gab es sehr bald wieder Gastronomie. Dieses Kapitel interessiert die Besucher der Eröffnung besonders. Nach einem Aufruf des Vereins hatten zahlreiche Lebuser sowie Bürger aus dem Umland Exponate als Leihgaben für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Ein originaler Skattisch, Zapfhähne, Kaffeeautomaten, Bockwurstwärmer, Grammophone, Krüge und Gläser – all das findet der Besucher in der Ausstellung im Obergeschoss des Museums. Und natürlich haben auch die heutigen Gaststätten ihren Platz. Im Gegensatz zu vielen anderen Orten hat Lebus noch immer recht viele Einkehrmöglichkeiten. Die Stadt profitiert von ihrer idyllischen Lage, die während der Saison Tausende vor allem aus Frankfurt in die Altstadt und an die Oder lockt.
Sonderausstellung "Lebuser Gastgewerbe im Wandel der Zeiten", bis 22. Dezember, geöffnet Mi bis So sowie an Feiertagen 13 bis16 Uhr, Tel. 033604 230