Streit: Hohe Wellen am Weinbergsee

Dranbleiben in Diedersdorf: Ihren Ponton zurück in den Weinbergsee fordern v.l. Daniel Marten, Harry Skeide, Irene Linke, Magrit Lindholz und Stefanie Büchau mit etlichen Kindern im Namen vieler Badegäste am Strand des Gewässers.
Cornelia Link-AdamSonne, 30 Grad. Bestes Badewetter. Allerdings nicht mehr am Weinbergsee von Diedersdorf. Dort fehlt links vom Strand der Ponton, von dem viele Diedersdorfern und Seelowern gern ins Wasser gehüpft sind. Das schwimmende Spielgerät aus Hartplastik liegt eingelagert beim Amt Seelow–Land. Rausgeholt haben es Mitarbeiter vom Wasserverband auf Anweisung der Amtsdirektorin Roswitha Thiede.
Verärgert sind darüber viele Eltern und Badegäste. Die Wellen schlagen hoch. „Nun hat Frau Thiede ja ihren Willen bekommen“, sagt Magrit Lindholz aus Diedersdorf und hat sich an die MOZ gewandt. Gern und oft geht sie mit Enkel Jonas (9) im See baden, mochte den Ponton. Das sei nun alles vorbei. „Und nur weil im Vorjahr mal Thiedes Enkel dort runtergeschubst wurde. Da hat sie schon gesagt, sie sorge dafür, dass das Gerät weg kommt“, berichtet sie.
Jetzt herrsche im See zwar Ruhe, dafür gebe es aber Stress vorn am Strand. „Wo sollen die Jugendlichen jetzt hin?“, fragt Margit Lindholz. Nur am Strand zu sitzen, dass sei denen zu langweilig. Man kabbele sich, stolpere auch mal über kleinere Kinder. Zum Schwimmen fehle den Teenagern das Ziel — der Ponton. „Selbst mein Schwager, zwei Meter groß und 120 Kilo schwer, hat da runter mal eine Kerze gemacht und keinen Grund berührt“, fügt Irene Linke aus Seelow an. Mit ihrem Freund Daniel Marten (Neuhardenberg) sei sie oft hier. Die Kinder hätten sogar gut schwimmen gelernt, mit Ponton als Ziel. Dass sie als Eltern auf ihre Kinder achten, sei allen klar. Auch Senior Harry Skeide aus Seelow ist oft hier draußen, ebenso. Stefanie Büchau mit ihrer Familie. Alle wollen, dass der Ponton wieder kommt, ganz schnell.
Magrit Lindholz hat stellvertretend für viele Eltern das Gespräch bei Roswitha Thiede gesucht. „Sie hat mir gesagt, wir sollen Spenden besorgen, dann werde das Areal eingezäunt, gebe es einen Bademeister. Hier will die Gemeinde wohl auf Kosten der Kinder reich werden“, schimpft Lindholz. Das sei schließlich der einzige See mit freiem Zugang. Seltsam findet Lindholz auch die hervorragende Wasserqualität, bescheinigt vom Gesundheitsamt, zum anderen die Warnung vor Blaualgen. „Das ist abschreckend, hier will man nur den See leer bekommen“, mutmaßen viele.
Amtsdirektorin Roswitha Thiede erklärt, man habe den Ponton 2014 aufgestellt, wohlwissend, dass die Badevorschriften eine größere Tiefe brauchen. Doch jetzt sei diese auf nur noch 2,50 Meter gesunken. „Ich bin nicht bereit, weiter die Verantwortung zu tragen, wenn jemand zu Schaden kommt.“ Daher habe sie in Absprache mit Ortsvorsteher Jörg Berndt den Ponton entfernen lassen. "Sollte das Wasser wieder steigen, kann er wieder aufgebaut werden.“ Sie hat mit vielen Eltern gesprochen. „Ich kann und will einfach nicht mehr mit gutem Gewissen die Garantie übernehmen, dass nichts passiert.“ Viele Eltern hätten hohe Ansprüche, sollten nicht nur fordern, sondern sich auch einbringen. "Bei der größeren Politik, dass die Gesetze geändert werden.“ Bis dato bleibe der Ponton auf dem Trockenen.
