Tag der Baukultur: Vom DDR-Speicher bis altes Handwerk – was bei Seelow geboten wird

Die Ökospeicher in Wulkow bei Frankfurt (Oder) ist ein Schauplatz am Tag der Baukultur. Interessierten werden Fragen zu Finanzierung, Baumaterialien und –techniken beantwortet. Und dann gibt es noch einen einzigartigen mechanischen Klima-Rechner zu erleben.
Katja GehringMit einer Vielzahl von Veranstaltungen sollen am 14. September (Sonnabend) Bauwerke, Landschaften, Infrastrukturen und öffentlichen Räumen sowie Fragen der Stadtplanung und -entwicklung in den Fokus rücken. Rund um Seelow bietet der Tag der Baukultur nicht nur Dorfspaziergänge und Ausstellungen, sondern auch wahre Highlights, was spannende Häuser angeht.
Unter dem Motto „Baukultur geht uns alle an“ richten sich die Angebote sowohl an Fachleute als auch an die breite Öffentlichkeit.
Tag der Baukultur: In Ortwig architektonische Schätze erkunden
In Ortwig, einem Ortsteil der Gemeinde Letschin, entstand nach der Teilnahme am Tag der Baukultur im vergangenen Jahr die Idee, eine Wanderung durch das Dorf mit Bildtafeln zu gestalten. Die Hauptstraße von Ortwig dient oftmals nur als Transitstrecke für Touristen und Wochenendausflügler. Sie fahren eher ohne Halt in Richtung Groß Neuendorf. Die Dorfgemeinschaft wünsche sich jedoch „mehr Interesse von diesen Menschen sowie von Zuzüglern für unser Dorf“.
Am Tag der Baukultur lädt Ortwig also Einheimische und Besucher dazu ein, die vielfältige Geschichte und die architektonischen Schätze des Dorfes zu erkunden. Laut Veranstalter bietet der Rundgang „eine einzigartige Gelegenheit, die bedeutenden Bauwerke und die charmante Atmosphäre“.
Durch die Erweiterung des Rundgangs mit zusätzlichen Bildtafeln zum 675. Geburtstag, der erst im Juni begangen wurde, werde die kulturelle Vielfalt und die historische Bedeutung des Dorfes eindrucksvoll präsentiert. Der Rundgang beginnt um 14 Uhr im Gemeinderaum (Adresse: Wilhelm-Pieck-Straße 1a in 15324 Letschin). Eine Anmeldung ist unter der Rufnummer 033478 262 oder per Mail an orb-ortwig@t-online.de möglich.
Vom Aussterben bedrohtes Handwerk in Cöthen
In der Brennerei Cöthen (Adresse: Cöthen 66 in 16259 Falkenberg) steht die Maurerkunst der Tonnengewölbe im Mittelpunkt – „ein Handwerk, das zwar beeindruckend, aber zunehmend vom Aussterben bedroht ist“, heißt es in der Ankündigung. Hier wird das Thema mit einem Film, der den Wiederaufbau der von Rundbögen gehaltenen Gewölbe in der Maschinenhalle dokumentiert, und einem anschließenden Gespräch gewürdigt.
Der zirka 400 Quadratmeter große Feldsteinbau machte verschiedenste Bauphasen durch – zwischen dem Beginn des Brennrechts in Cöthen (1745) mit Gottfried von Jena über Carl von Jena (1808) zu Wilhelm von Jena (1842 und 1875) zur LPG „Neue Ordnung Dannenberg“ (1961 bis 1999).
Auch der Abriss des Dachs (1990) und der Zusammenbruch zur Ruine bis hin zum Wiederaufbau durch die aktuellen Betreiber des Gebäudes als Kulturort (ab 2016) prägt die Geschichte des Objekts. Darin befindet sich auch das technische Denkmal von 1875 – die älteste am Originalstandort befindliche Dampfmaschine in Berlin und Brandenburg.

In der Brennerei Cöthen geht es am Tag der Baukultur um die Bauweisen des Tonnengewölbes. Die alte Maurer-Kunst ist vom Aussterben bedroht.
Johanna FrohbergAlter DDR-Speicher in Wulkow zum Mehrzweckgebäude saniert
Der ehemalige Getreidespeicher in Wulkow (Adresse: Am Gutshof 1 in 15236 Lebus) bei Frankfurt (Oder) konnte mit dem Ende der LPG nicht mehr wie bisher genutzt werden. Seit den 90-er Jahren wurde er zum „Ökospeicher Wulkow“ ausgebaut – gemeinschaftlich vom gleichnamigen gemeinnützigen Verein.
Es gab zahlreiche Arbeitseinsätze, Workcamps, Lehmbauseminare, Subbotniks und Ausbildungs-Maßnahmen, um ihn zu sanieren. Heute sind in dem Mehrzweckgebäude im Dorfzentrum ein Verkaufsladen, ein Vereinscafé, Veranstaltungs- und Seminarräume, eine Galerie und ein Gästehaus untergebracht.
Bei den Baumaterialien – überwiegend Holz und Lehm – und der Haustechnik habe man Wert auf Klimafreundlichkeit gelegt, wird auf der Homepage zum Tag der Baukultur geschrieben. „Die Beheizung erfolgt unter anderem über Holzpellets und einen Lehm-Grundofen, Strom wird seit 1992 über eine Fassaden-PV-Anlage erzeugt. Innovative Baustoffe wie Pilze wurden im Rahmen von Workshops verbaut.“ Die Finanzierung erfolgte mit neben viel ehrenamtlicher Arbeit auch über Bürgerkredite, Sachspenden und zum Teil öffentliche Förderung.
Am Tag der Baukultur werden dazu und zu allen Baumaterialien und –techniken gerne Fragen beantwortet. „Zudem gibt es einen einzigartigen mechanischen Klima-Rechner zu erleben, mit dem sich der individuelle CO₂-Fußabdruck ermitteln lässt“, wird angekündigt. Das Speichercafé ist von 14 bis 16 Uhr geöffnet. In der gleichen Zeit kann das Haus in Wulkow besichtigt werden. Anmeldung: vorstand@oekospeicher.de.
Tag der Baukultur: Neue Vision für das Gutshaus in Altfriedland
„Wir laden herzlich ein zu einem Rundgang durch Altfriedland – mit Besichtigung des Gutshauses der Zukunft, der Klosterkirche, der Klosterruine und der neuen digitalen Heimatstube im Langen Haus“, heißt es aus dem Ortsteil von Neuhardenberg.
Das Gutshaus gilt als kulturgeschichtlich bedeutsam – für die gesamte Region. Erinnert wird hier an das Leben und Wirken der Frau von Friedland, die eine zentrale Persönlichkeit des 18. Jahrhunderts in der Mark Brandenburg und eine tatkräftige Förderin von Bildung und Wissenschaft war.
„Unsere Vision ist es, das seit 30 Jahren leerstehende und dem Verfall preisgegebene alte Gutshaus zu sanieren und mit neuem Leben zu erfüllen“, erklärt Christian von Oppen von der Gutshaus der Zukunft Altfriedland gGmbH. „Wir wollen, dass der ehemalige Gutshof neben der Klosterkirche, der Klosterruine und dem Pfarrhaus als historisch gewachsenes kulturelles Ensemble erhalten bleibt und einer neuen lebendigen Nutzung zugeführt wird.“
Schon vor Sanierungsbeginn sei begonnen worden, das Haus mit neuem Leben zu erfüllen. Geöffnet wird es regelmäßig für kulturelle Veranstaltungen wie Kunstausstellungen oder die „Altfriedländer Gespräche“. Am Sonnabend gibt es zwischen 14 und 17 Uhr Einblicke in die Arbeit vor Ort (Fischerstraße 36 in 15320 Neuhardenberg/OT Altfriedland). Anmeldungen werden unter info@gutshaus-der-zukunft.de entgegengenommen.

Die neuen Betreiber des Gutshauses Altfriedland beschreiben ihre Visionen, mit denen sie das alte Haus in die Zukunft führen wollen.
Wolfgang GülckerFrüherer Brennmeister erzählt auf dem Hof Prädikow Anekdoten
Einen Ausblick in die Zukunft erhalten Interessierte von 14.30 bis 16 Uhr bei Führungen und Rundgängen auf dem Hof Prädikow (Dorfstraße 402 in 15345 Prötzel). In der Scheune werden Details zum entstehenden Wohn- und Arbeitsprojekt und den geplanten Angeboten vermittelt. Der ehemalige Brennmeister Detlef Herrmann begleitet die Führung. Er leitete die einst hier angesiedelte Brennerei in fünfter Generation bis zum Jahr 2002.
„Seine Anekdoten machen die ehemalige Zeit auf dem Gut lebendig“, wird in der Ankündigung versprochen. Auch jetzige Hofbewohner berichten von den Zukunftsplänen und der Entwicklung, die das Areal und einer der größten Vier-Seiten-Höfe Brandenburgs seit 2017 genommen hat. Wer sich anmelden möchte, kann das auf www.hof-praedikow.de/event/hoffuehrung-im-september erledigen. Die Veranstalter freuen sich vor Ort über eine Spende.
„Das Brandenburger Tor, das Schloss Sanssouci in Potsdam, das Berliner Olympiastadion und viele weitere bedeutende Bauwerke in Berlin und Brandenburg haben eines gemeinsam: Sie wurden mit Kalkstein aus Rüdersdorf erbaut“, werben die Organisatoren des Tags der Baukultur für einen Besuch des Museumsparks Rüdersdorf.
Vor mittlerweile 770 Jahren wurde begonnen, den Kalkstein zu brechen und zu brennen. Heute ist der Museumspark mit seinen vielen Industriedenkmälern ein Ausflugsziel für die ganze Familie – mit Ausstellungen zu Geschichte und Geologie der Region. Am Sonnabend ist von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet für Erwachsene 10 Euro und 5 Euro für Kinder zwischen 6 und 16 Jahren.





