Tauschbörse für Briefmarken: Mehr als 50 Sammelfreunde kommen nach Seelow

Sammlerglück: Doris Richter, Ullrich Fischer, Tobias Krüger, Christa Ansorge und Horst Drewing bestaunten eine Briefkarte von Li Xiaohua und eine Postkarte von Horst Bunge von 1883.
Cornelia MikatGut 50 Philatelisten aus der Region Berlin-Brandenburg trafen sich am Samstag in der Caféteria des Seelower Gymnasiums zum großen Herbsttausch. Den weitesten Anreiseweg nahmen fünf Hoyerswerdaer Sammlern auf sich, wenn man den Pekinger Li Xiaohua, der aber schon länger in Berlin lebt, außen vor lässt.
Sammeln lässt sich ja fast alles, bemerkte der Vorsitzende des Seelower Philatelistenklubs Thomas Dräger, aber Briefmarken gehören zu den absoluten Klassikern. Sie üben einen besonderen Reiz aus. Für die meisten Philatelisten ist es ein spannendes Hobby, bei dem es darum geht, durch Tausch ein bestimmtes Sammelgebiet, zumeist eine Zeitperiode wie „Deutsches Reich“, „West-Berlin“ oder „DDR“ komplett zu bekommen. Für Einsteiger sei das Motivsammeln - wie es fast jeder aus seiner Schulzeit kenne – beliebt. Dabei stehen Raumfahrt oder Blumen bzw. Pferde im Mittelpunkt.
Exklusivität entscheidet
Der Wert von Marken richtet sich grob festgestellt nach ihrer Beliebtheit. Er resultiert aber auch aus ihrer Exklusivität, die sich oft aus Fehldrucken oder einer geringen noch verfügbaren Stückzahl ergibt. Doris Richter, Ullrich Fischer, Tobias Krüger, Christa Ansorge und Horst Drewing bestaunten zum Beispiel eine besondere chinesische Briefkarte von Li Xiaohua und eine Postkarte die Horst Bunge mitbrachte. Diese stammte aus dem Jahr 1883 und wurde im Lemberg abgestempelt. Historische Briefmarken und Postsendungen bieten nicht nur die Möglichkeit ein Fenster in die Vergangenheit zu öffnen, sie sind zugleich von kulturgeschichtlichem Interesse. Horst Bunge sammelt, wie er berichtete, eigentlich in der SBZ (Sowjetische Besatzungszone) hatte aber auch schon in einem anderen Sammelgebiet ein besonderes Erlebnis. In einem Berg von zugekauften Marken entdeckte er durch Zufall die gegenwärtig teuerste Marke der DDR - Katalognummer 332 - mit dem Motiv von Rudolf Virchow und einem besonderen Wasserzeichen.
Doch solche Glückstreffer sind eher selten. Und so stand im Mittelpunkt des Herbsttausches bei den Philatelisten im Gymnasium auch nicht die Jagd nach wertvollen Briefmarken, sondern das Erlebnis der Begegnung mit Gleichgesinnten. Für das leibliche Wohl der Aktions-Teilnehmer sorgten Petra Dräger und Doris Richter mit selbstgebackenem Kuchen und belegten Broten. In der Mitte des Saales stand außerdem ein großer „Grabbeltisch“ mit hunderten gespendeten Briefmarken. Wer sich davon bediente, konnte seinerseits eine Geldspende geben. Der Gesamterlös der Aktion ging jeweils zur Hälfte an den Förderverein des Gymnasiums und an den Seelower Philatelistenklub.