Tierschutz: Verein betreut mehr Katzen an Futterstellen in Seelow

Giny Feldhahn und ihr Verein verzeichnen in und um Seelow mehr Anfragen nach Katzen, aber auch mehr ausgesetzte Tiere. Giny Feldhahn, Vorsitzende des Tierschutzvereins Seelow und Umgebung, mit Hündin Chanel sowie den Katern Diego und Rüpchen.
Anett Zimmermann/MOZDie 31-Jährige ist seit Februar die Vorsitzende des Tierschutzvereins Seelow und Umgebung. „Wir suchen aktive Leute, die sich bei uns einbringen wollen“, erklärt die zweifache Mutter und Altenpflegerin in einem mobilen Dienst. Vor acht Jahren, als sie noch in Gusow wohnte, sei sie auf den Verein aufmerksam geworden. „Mein zweijähriger Kater Gery kam damals eines Abends nicht nach Hause.“ Überall habe sie nachgefragt. Handzettel mit Foto folgten. „Ich bin sogar mit Megafon durch den Wald gelaufen.“ Zwar habe sich jemand gemeldet. „Aber die dort zugelaufene Katze war zu jung.“
Im Notfall private Quartiere
Chanel, ihre 14-jährige Yorkshire-Terrier-Hündin, hat sich derweil nach drinnen verzogen. Kater Jimmy sonnt sich vor dem Kamingrill. „Wir wissen nicht, was ihm widerfahren ist, aber er ist so verängstigt, dass wir ihn nicht vermitteln können.“ Giny Feldhahn hat vier Katzen. „Wir nehmen Tiere im Notfall privat auf“, sagt sie und fügt hinzu, dass der Wunsch nach einem Vereinsdomizil natürlich groß ist. „Auch deshalb müssen wir präsenter werden.“ Wobei die Spendenbereitschaft nicht nachgelassen, sondern dank mehrerer Aufrufe über Facebook und WhatsApp zuletzt eher zugenommen habe. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Giny Feldhahn. 150 Bitten um Unterstützung habe sie zuletzt per Internet an in Frage kommende Firmen geschickt.
„Geld brauchen wir immer“, macht die Vereinschefin deutlich. An die 800 Euro würden vierteljährlich allein für Kastrationen benötigt. Wenn es nach dem Verein ginge, müsste jede Freigänger-Katze – wie zum Beispiel in Frankfurt – kastriert und mit einem Chip versehen werden. „Katzen können bis zu dreimal im Jahr Junge bekommen“, begründet sie. „Das macht pro Wurf sechs bis acht Junge.“ Ein festes Revier hätten frei lebende Kater selten: „Sie legen mitunter bis zu 250 Kilometer zurück. Aber wehe, sie treffen auf einen Rivalen. Die Kämpfe können tödlich enden.“ Kastrierte Katzen würden sich allerdings wieder auf eines konzentrieren: Die Jagd von Mäusen.
Ihre medizinischen Kenntnisse kann Giny Feldhahn zurzeit auch bei einer Katze nutzen, die offenbar in einem Zaun hängengeblieben ist. „Sie ist an einer unserer vier Futterstellen mit ihren Jungen aufgetaucht.“ Dort habe man Wildkameras installiert, die Population zumindest an diesen Orten im Blick. Eine Betreuerin habe jüngst von vier neuen Katzen berichtet. Sonst seien es eher ein bis zwei, oft einfach ausgesetzt. „Bei Ausreißern melden sich die Besitzer.“
Die Vereinsvorsitzende verweist auf einen selbst auferlegten Abgabestopp in Corona-Zeiten. Wie zu Weihnachten, denn Tiere seien nicht als Geschenk geeignet. „Wir prüfen vorab, an wen wir Katzen weitergeben.“ Das sei wegen des Virus jedoch nicht so einfach. Vom Deutschen Tierschutzbund habe es schnell eine Anfrage gegeben, was gebraucht wird. „Wir haben um Masken gebeten und auch bekommen“, zeigt sich sie erleichtert und hat davon gehört, dass der eine oder andere, der zuletzt zu Hause war, sich ein Haustier angeschafft hat.
Ein Tier zu halten, sei aber immer mit Verantwortung verbunden. „Was passiert mit ihnen, wenn die Leute wieder voll arbeiten müssen?“ Stubenkatzen seien für die Vereinsmitglieder einfach zu unterscheiden: „Sie verhalten sich ganz anders, sind ängstlich.“ Mehrfach seien zuletzt Babykatzen gemeldet worden, ihre Stellvertreterin Ilona Langner angesichts von 14 Jungtieren fast verzweifelt. „Da werden schon mal 20 bis 30 Dosen Futter pro Tag gebraucht.“
Tipps und Kontakt zum Tierschutzverein Seelow
Junge Katzen brauchen Beschäftigung, müssen "bespielt" werden. Eine zweite Katze kann da helfen. Eine Katze könne man auch nicht erziehen, so Giny Feldhahn. Am besten sei es, sich von einer Katze finden zu lassen.
Seit Beginn der Corona-Krise haben Tierhalter häufiger Rat gesucht. "Da ging es meist um die Frage, wer wen ansteckt", sagt die Vereinschefin. Aber da müsse sich niemand Sorgen machen.
Der Verein wurde im Jahr 2000 gegründet und zählt aktuell 20 Mitglieder. Mehr im Internet: https://tierschutzsee.hpage.com.⇥azi