Tierwohl
: Dicke Schweine und neue Ställe in Klessin

Die Schließung der Tönnies-Schlachthöfe betrifft auch Landwirte im Oderland. Vor allem den Zuchtbetrieb Gut Klessin.
Von
Ines Weber-Rath
Klessin
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Investition in mehr Tierwohl: Beim Dorffest 2017 wurde der neue, moderne Jungsauen-Stall des Gutes Klessin präsentiert. Jetzt will Landwirt Frank Tiggemann im Sachsendorfer Betriebsteil investieren.

Cornelia Link-Adam

Vor allem seine Schlachtsauen gingen in die Werke des nordrhein-westfälischen Fleisch-Königs – in die Wurstverarbeitung. Nach der Schließung der Schlachthöfe musste sich Tiggemann nach anderen Vermarktungskapazitäten umschauen. „Unsere Schlachtschweine liefern wir jetzt nach Polen. Dort ist die Schlachthofdichte inzwischen größer als in Deutschland“, weiß der Podelziger.

Der Absatz kam ins Stocken

Sein Hauptgeschäft ist die Jungsauen-Vermehrung. Gut Klessin ist ein Drehkreuz für die Schweinezucht in Deutschland. Der Betrieb ist einer von dreien, in denen die Gen-Reserve für zwei Schweinerassen in Europa produziert wird, die Landrasse und das Large White-Schwein.

Doch weil die Bauern ihre Schlachtschweine kaum noch los werden, nehmen sie keine neuen Zuchttiere ab. Die Folge: In den Klessiner Ställen werden die Jungsauen derzeit dicker als gewollt. Statt der üblichen 110 bis 115 Kilogramm, mit denen der Zuchtbetrieb sie an Mäster in ganz Deutschland verkauft, hätten sie jetzt schon „fünf bis zehn Kilo mehr“, so Frank Tiggemann. Der längere Verbleib kommt den Landwirt teuer zu stehen.

Doch das ist nur ein Problem, das den 47-Jährigen derzeit beschäftigt. Das zweite ist die Verschärfung der Nutztierhaltungsverordnung. „Wir hatten den Bauantrag zur Umgestaltung unseres Abferkelbereiches schon vorher gestellt. Nun müssen wir den Plan nochmal ändern, den neuen Forderungen anpassen“, sagt Tiggemann.

Gemeint ist die Zuchtsauenanlage im Lindendorfer Ortsteil Sachsendorf. Dort werden rund 1900 Sauen jeweils von der Geburt an bis zum Absetzen der Ferkel in den umstrittenen Kastenständen gehalten – zum Schutz der Ferkel, erklärt der Landwirt. Er will in mehr Tierwohl investieren, den alten Stall umgestalten und zwei neue Ställe bauen.

Anstelle der jetzigen engen Kastenstände sollen „Bewegungsbuchten“ den Sauen mehr Freiheit und zugleich den Ferkeln in der Zeit unmittelbar nach der Geburt, wenn sie besonders gefährdet sind, erdrückt zu werden, mehr Sicherheit geben. Die geplanten 6,5 Quadratmeter je Sau lägen sogar über den vom Gesetzgeber geforderten fünf Quadratmetern je Stand.

Angst vor der Schweinepest

Der Sommer und speziell die höhere Sonneneinstrahlung hat eine andere Sorge, die Frank Tiggemann umtreibt, zwar gemildert. Denn die UV-Strahlung hilft, das Pest-Virus abzutöten. Aber da ist sie noch – die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP), die in Polen bis in den Grenzraum vorgedrungen ist.

„An der Oder müsste längst ein fester Zaun stehen“, meint Frank Tiggemann. Der Landkreis hat das Zaunmaterial zwar angeschafft, aber vorerst noch eingelagert. Man will abwarten, bis das Virus wieder aktiv, die Gefahr akut ist. Ansonsten könnte, wie im Nachbarlandkreis Oder-Spree und in Frankfurt geschehen, der Zaun beschädigt werden, bevor er am dringendsten benötigt wird.

Frank Tiggemann jedenfalls sagt: "Wenn die Schweinepest zu den ganzen anderen Problemen noch dazu kommt, dann gnade uns Gott.“