Noch ehe er mit seinem Vortrag "Hase, Fuchs und Reh und Hirsch – (K)ein Jäger auf der Pirsch" beginnt, berichten Anwesende, wie sehr sie sich auf seine Naturaufnahmen und die Erläuterungen dazu freuen. Der einstige Biologielehrer und nach 1990 auch Mitarbeiter des Landesumweltamtes weiß, wovon er spricht, hat in den vergangenen Jahrzehnten Flora und Fauna in der Region wohl wie kaum ein anderer fotografiert.
Mit einer Kamera, die den einen oder anderen im Haus Lebuser Land vielleicht sogar ermutigt, künftig selbst genauer hinzuschauen und den Finger bereits auf dem Auslöser zu haben. Wenn er nicht ohnehin schon  der seit zehn Jahren bestehenden Arbeitsgruppe Fotografie des Heimatvereins Lebus angehört, der erneut Gastgeber eines interessanten Abends mit Werner Weiß ist.
Bauchlage hilft mitunter
Von den "großen wildlebenden Tieren unserer Heimat" hat er für seinen Vortrag fünf Arten ausgesucht. "Vier stehen bereits im Titel", sagt er, die Fünfte käme gleich um die Ecke. Besser auf die Leinwand. Ein Wildschwein. Auf seine Frage "Wann haben Sie das letzte Mal eins gesehen?", folgt allgemeines Achselzucken. Kein Wunder, meint Weiß, schließlich würden Tier und Mensch versuchen, sich aus dem Weg zu gehen. Trotz der bundesweit mehr als 800 000 erlegten Wildschweine in der Jagdsaison 2017/2018 würden es kaum weniger werden. Das wiederum hänge mit dem guten Nahrungsangebot, darunter Mais zum Ärger der Landwirte, und den milden Wintern zusammen.
Dass man Tiere selten sieht, sei zudem darauf zurückzuführen, dass sie ihre Aktivitäten vom Tag in die Dämmerung und Nacht verlegt hätten. "Gegen fünf Uhr morgens sind sie bereits in ihren Tagesverstecken", berichtet Werner Weiß. Und: Tiere hören und riechen gut. Da sei es schwer, nah an sie heranzukommen. Der Frankfurter, der in Neuhardenberg aufgewachsen ist, wartet auch schon mal auf sie – auf dem Bauch liegend, die Mütze tief ins Gesicht gezogen, oder im Auto sitzend.
Als Erstes geht er näher auf Rehe ein, von denen es heute deutlich mehr als in seiner Kindheit geben würde. "Da hatten wir mehr Hasen." Zuvor sind aber Rehe in Sommer- und Winterfell zu sehen, auch mal ein Tier "schwebend" im Sprung. Kitze habe er nie gesucht, erzählt er und hat doch ein paar eindrucksvolle Zufallsaufnahmen dabei. Dass Rehe lernfähige Tiere seien, könne jeder an Bahnstrecken beobachten. Obwohl die Züge meist mit Getöse vorbeirauschen, ließen sie sich beim Äsen kaum stören. An Wanderwegen würden sie häufiger im Unterholz stehen bleiben, obwohl dort Spaziergänger vorbeigehen. "Die Tiere wissen, dass ihnen keine Gefahr droht."
Beim Hasen kommt Werner Weiß dann nicht um Angst- und Osterhase herum, auch Hase und Igel haben ihn inspiriert. Es ist sein Jägerlatein auf andere Art und macht beim Zuhören einfach Spaß. Wer kann schon fünfeinhalb Hasen in der Paarungszeit auf einem Foto vorweisen?
Noch viel schwieriger sei es jedoch, den Rotfuchs mit der Kamera festzuhalten. Aber über einen Graben hinweg hat Weiß sogar Jungtiere vor einem Bau "erwischt". Beim Rothirsch behilft er sich mit Aufnahmen aus dem Gehege Gut Hirschaue bei Beeskow und dem Wildpark in Frankfurt, hat vor einigen Jahren aber auch etwa 25 Tiere in einer verschneiten Senke zwischen Lossow und Finkenheerd entdeckt. "Sie waren offenbar im Wald aufgeschreckt worden, aber über die Bundesstraße mit ihrem Verkehr trauten sie sich nicht."
Ein Wiedersehen mit Werner Weiß gibt es übrigens am 20. Juni bei einer Kräuterwanderung.
Infos:www.heimatverein-lebus.de