Wahl 2024 bei Seelow: Kinder und Jugendliche mit eigenem Wahlgang am 9. Juni

Sie stellen sich 2024 in Letschin zur Wahl: Die Kandidaten für den Jugendbeirat der Gemeinde haben recht genaue Vorstellungen, wofür sie sich einsetzen wollen.
Ulf GriegerDie Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an politischen Entscheidungsprozessen ist im Land gesetzlich verankert. Doch die Umsetzung erfolgt in den Kommunen recht unterschiedlich. Das hatte sich kürzlich auch beim Kreistag MOL gezeigt, als es darum ging, diese Altersgruppe in die Nahverkehrsplanung einzubeziehen.
In Letschin hat man sich entschieden, einen neuen Weg zu beschreiten. Dort wird am 9. Juni 2024 ein Kinder- und Jugendbeirat gewählt.
Wahl eines Beirats mit allen Rechten und Pflichten
Die Gemeinde Letschin hat mit den beiden Beiräten, die es bereits seit längerem dort gibt, recht gute Erfahrungen gesammelt. Sowohl der Senioren- als auch der Tourismusbeirat bringen sich in die Entscheidungsprozesse konstruktiv ein und haben selbst bereits einige Beschlüsse initiiert. Die Mitglieder werden bei den Aufwandsentschädigungen der Gemeinde berücksichtigt und erhalten Rederecht bei den diese Bereiche betreffenden Debatten.
Der Kinder- und Jugendbeirat soll gleichberechtigt mit den anderen Beiräten sein, erläutern Kita-Leiterin Jana Behrend und Wahlleiterin und Ordnungsamtsleiterin Steffi Katzorke, die sich von Seiten der Gemeinde um die Jugendbeteiligung kümmern.
Seitens der Gemeindevertreter und Ortsbeiräte sei die Etablierung dieses Beirates Ende Februar sehr befürwortet worden, so Jana Behrend. Mit Steffi Katzorke hatte sie in allen Klassen der Theodor-Fontane-Schule um Kandidaten geworben. Es geht um die Mitbestimmung der Sechs-bis 18-Jährigen bei allen Bau- und Gestaltungsvorhaben sowie bei Veranstaltungen. Für alle, die bereits in der Ausbildung sind oder am Gymnasium lernen, wurde ein Video auf der Internetseite der Gemeinde erstellt.
Der Kinder- und Jugendbeirat soll für die gesamte Wahlperiode gewählt werden und zehn Mandate haben. Dies sollte sich an der Zahl der Ortsteile orientieren. Auch nach der Wahl können noch weitere Mitglieder bestellt werden.
Jana Behrend und Steffi Katzorke nutzten die Kandidatenwerbung natürlich auch dafür, die kommunalen Strukturen und die Möglichkeiten zur Mitbestimmung zu erläutern. Das sind Fragen, die mitunter selbst den Erwachsenen und Eltern nicht immer bewusst sind, wie sich bei einigen Debatten in der jetzt zurückliegenden Wahlperiode gezeigt hatte.
Kandidaten aus Letschin im Alter von zehn bis 16
Die Gemeinde Letschin hat für den Kinder- und Jugendbeirat insgesamt 379 Wahlberechtigte. Um einen Sitz im Beirat haben sich sieben Kandidaten beworben. Sie sind zwischen zehn und 16 Jahre alt und wissen recht genau, wofür sie sich einsetzen wollen.
Im Boberhaus Letschin, wo der Kinder- und Jugendbeirat auch seinen Sitz haben wird, machte Helene (11) deutlich, worum es ihr geht. Die Kandidatin aus Letschin will sich für bessere Lernmöglichkeiten an der Fontane-Schule einsetzen. „Es wäre gut, wenn auch wir mit Tablets lernen könnten“, sagt sie mit Blick auf die kreislichen Gymnasien in Seelow und Bad Freienwalde. Ihre Mappe mit den Schulbüchern sei mitunter elf Kilogramm schwer.
Willi aus Groß Neuendorf ist mit zehn Jahren der Jüngste in der Runde. Er wünscht sich, dass der Sportplatz im Ortsteil so gepflegt wird, dass man dort auch Fußball spielen kann.
Lilli (14) aus Groß Neuendorf will sich für einen Basketballplatz und einen Jugendtreff im Ortsteil einsetzen.
Lea (14) aus Letschin stört der Dreck in ihrem Dorf. Sie will Umweltthemen ansprechen.
Da sie alle zur Fontane-Schule gehen, haben sie auch dafür gemeinsame Vorstellungen. Etwa, wenn es um die Schulhofgestaltung geht. Dort wird es demnächst eine Sportkiste geben, um dem ewigen Mangel an Spielgeräten abzuhelfen. Beim Schulessen soll die Auswahl verbessert werden.
Beim Fontane-Lauf am Freitag, 17. Mai, hatten sie als Mitglieder der Gruppe „Fontane-Kids“ bereits an der Gestaltung mitgewirkt. Die Fontane-Kids wollen frischen Wind in den Schulalltag bringen, erklärt Lilli. Die Sponsorenläufe erfolgten erstmals so, dass die Älteren zusammen mit den jüngsten Schülern auf die Strecken gingen.
Teilnahme an Gemeindevertretersitzungen
Tessa (13) aus Voßberg und Max (16) aus Wilhelmsaue sprechen Themen an, die alle Kinder und Jugendlichen bewegen wie die mangelhafte Mobilität und die Erreichbarkeit der Angebote für Jugendliche in der Gemeinde. Vor allem aber wollen die Kandidaten Ansprechpartner sein, um die Probleme direkt zu den Entscheidungsträgern in der Gemeinde zu bringen. Es sei durchaus geplant, dass Vertreter des Kinder- und Jugendbeirates an den Gemeindevertretersitzungen teilnehmen, erklärte Jana Behrend.
Am 9. Juni 2024 ist Wahl in Letschin
Am Wahltag, 9. Juni, finden die Wahlen zum Kinder- und Jugendbeirat ebenfalls mit den Kommunalwahlen in den zehn Wahllokalen der Gemeinde statt. Das wird auch dazu führen, dass die junge Generation bereits miterlebt, wie dort gewählt und ausgezählt wird, erklären Jana Behrend und Steffi Katzorke.


