Werner Otto in Seelow
: Warum die Stadt mit einer Tafel an den Ehrenbürger erinnert

Versandhaus-Gründer Werner Otto ist vor 117 Jahren in Seelow geboren. 1998 wurde er dort Ehrenbürger. Der Heimatverein Schweizerhaus erinnert daran.
Von
Ulf Grieger
Seelow
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Werner Otto als Wohltäter und als „Ideal eines europäischen Unternehmers“ verehrt:  Zum 100. Gbeurtsga würdigten  2009 Bundeskanzlerin Angela Merkel (l.) und Bundespräsident Horst Köhler den gebürtigen Seelower.

Werner Otto als Wohltäter und als „Ideal eines europäischen Unternehmers“ verehrt: Zum 100. Geburtstag würdigten 2009 Bundeskanzlerin Angela Merkel (l.) und Bundespräsident Horst Köhler den gebürtigen Seelower.

dpa
  • Seelow ehrt Werner Otto mit erneuerter Tafel am Geburtshaus – Einweihung am 13. August um 10 Uhr.
  • Der Gründer des Otto-Konzerns wurde 1909 in Seelow geboren und 1998 Ehrenbürger.
  • Otto finanzierte den Wiederaufbau des 1994 geplanten Kirchturms maßgeblich und weitere Projekte.
  • Karriereweg: Versandhandel ab 1949 erfolgreich, später ECE gegründet und Immobilien in Kanada/USA.
  • Frühe Stationen: Schulabbruch wegen Geldnot, Haft 1934 wegen Flugblättern für Otto Strasser.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Er war einer der Pioniere des Wirtschaftswunders in der Bundesrepublik und daneben ein unermüdlicher Mäzen von Kultur und Denkmalschutz, auch in Brandenburg: Werner Otto, der Gründer des Otto-Konzerns, ist vor 117 Jahren in Seelow geboren und getauft worden. Am 19. April 1998 wurde er Ehrenbürger der Stadt Seelow.

Zu seinem 100. Geburtstag am 13. August 2009 hatten der Heimatverein Schweizerhaus und die Stadt am Geburtshaus von Werner Otto in der Frankfurter Straße 57 eine Ehrentafel enthüllt. In dem Haus wurde er 1909 als Sohn von Frieda und Wilhelm Otto geboren. Der Vater hatte einen Kolonialwarenladen in diesem Haus.

Diese Tafel ist jetzt mithilfe von Sponsoren durch Torsten Schrödter im Betonstein- und Terrazzowerk, einem Seelower Traditionsunternehmen, erneuert worden. Am 13. August wird sie um 10 Uhr am Geburtshaus feierlich eingeweiht.

Kirche in Seelow kurz vor der Schlacht gesprengt

Am 11. April 1945, wenige Tage vor der großen Schlacht, hatten deutsche Soldaten die Seelower Kirche gesprengt. Der Wiederaufbau des Westteils begann 1952. Der erste Superintendent nach dem Weltkrieg, Siegfried Ringhandt, hatte sich gegen einen Wiederaufbau des Turms gewandt, solange die Kirchruinen in den Dörfern ringsum mahnten.

Die Seelower verdanken Werner Otto die Wiedererrichtung des Turms als Wahrzeichen der Stadt. Als sich in der Stadt 1994 ein Förderverein gründete, der sich den Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Turms auf die Fahne geschrieben hatte, gingen die Akteure davon aus, dass sie für ihr ehrgeiziges Ziel viele Jahre brauchen würden.

Geburtshaus von Werner Otto  im Stadtzentrum von Seelow. Die kleine Stadt sucht nach Lösungen, um das Zentrum lebendig zu halten. Viele Geschäfte und Gaststätten sind geschlossen.

Geburtshaus von Werner Otto im Stadtzentrum von Seelow. Die kleine Stadt sucht nach Lösungen, um das Zentrum lebendig zu halten. Viele Geschäfte und Gaststätten sind geschlossen.

Ulf Grieger

Dann stieß man in den Kirchenbüchern auf den Namen Werner Otto, der in der Seelower Kirche getauft wurde. Bereits zu seinem 80. Geburtstag hatte Werner Otto um einen Auszug aus dem Seelower Taufregister gebeten. Das war einige Monate vor dem Mauerfall. Kirche und Verein wandten sich 1994 an den Berliner und fanden Gehör. Es spricht für ihn, dass er ohne großes Aufheben den Wiederaufbau nicht nur unterstützte, sondern ihn komplett in die Hand nahm.

Auch für Arbeiten im Kirchenschiff sowie für die Sportarbeit in Seelow spendete er Geld. Bei der Einweihung des Seelower Kirchturms am 19. April 1998 sagte der damals fast 90-Jährige zu seinen Motiven: Er wolle den Menschen zeigen, dass es sich wieder lohne, im Osten Deutschlands zu leben. An dem Tag wurde er Ehrenbürger der Stadt. Der Heimatverein Schweizerhaus hat die Daten, Lebensstationen und Ehrungen des Jubilars dokumentiert.

Haftstrafe wegen Flugblättern eines NS-Ideologen

In der Frankfurter Straße 57 wurde Werner Otto 1909 als Sohn von Frieda und Wilhelm Otto geboren. Die Familie zog später nach Angermünde, wo Werner Otto die Schule besuchte. Das Gymnasium in Prenzlau muss er noch vor dem Abitur abbrechen, nachdem der Vater mit seinem Lebensmittelladen Konkurs anmeldete: Es reicht nicht mehr für das Schulgeld. Im elterlichen Betrieb in Angermünde begann er eine kaufmännische Lehre.

Schließlich machte er sich als Einzelhandelskaufmann in Stettin selbstständig. Wegen der Verbreitung von Flugblättern für den NS-Ideologen Otto Strasser, einen Hitler-Gegenspieler innerhalb der NSDAP, wurde Otto 1934 zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt, die er im Strafgefängnis Plötzensee verbüßte.

Erinnerungstafel an der Stadtpfarrkirche Seelow: 1909 ist Werner Otto dort getauft worden.

Erinnerungstafel an der Stadtpfarrkirche Seelow: 1909 ist Werner Otto dort getauft worden.

Ulf Grieger

Später eröffnet er nahe dem Alexanderplatz einen Zigarrenladen. Nach dem Krieg verschlägt es ihn nach Hamburg. Zunächst versucht sich Otto erfolglos als Schuhfabrikant. Am 17. August 1949 gründet der damals 40-Jährige seinen eigenen Versandhandel. Otto führt gemäß dem Motto „Vertrauen gegen Vertrauen“ als Erster der Branche den Kauf gegen Rechnung statt per Nachnahme ein und gewährt Sammelbestellern einen Rabatt. Seine Ideen zünden. Schnell wird aus der Hinterhof-Firma mit anfangs drei Mitarbeitern ein Großunternehmen mit heute 36.300 Mitarbeitern in 20 Ländern und einem Milliardenumsatz.

Ab Mitte der 1960er-Jahre zieht sich Werner Otto aus der Unternehmensführung allmählich zurück. Er baut noch einmal etwas Neues auf. Er gründet die ECE, heute europäischer Marktführer bei innerstädtischen Einkaufszentren, und baut nach der Wende etwa in der Stadt Schwedt (Uckermark) das Oder-Center. Zuvor hatte er bereits in Kanada erfolgreich eine Immobiliengruppe aufgebaut, ab 1973 tat der inzwischen fünffache Vater Gleiches in den USA.

Marmortafel mit schlichter Aufschrift: Bärbel Stellbaum, Michael Schimmel und Marion Krüger (v.l.) vom Heimatverein Schweizerhaus enthüllen mit Bürgermeister Udo Schulz die Tafel am Schuhgeschäft Richter in der Frankfurter Straße 57.

Marmortafel mit schlichter Aufschrift: Bärbel Stellbaum, Michael Schimmel und Marion Krüger (v.l.) vom Heimatverein Schweizerhaus enthüllen mit Bürgermeister Udo Schulz die Tafel am Schuhgeschäft Richter in der Frankfurter Straße 57.

Michael Märker

Ein Mann, der sich die Bodenhaftung bewahrt habe und sich stets seiner Wurzeln erinnere, so würdigte einst der damalige Ministerpräsident Brandenburgs, Manfred Stolpe Werner Otto. Da hatte Werner Otto gerade 4,5 Millionen Mark für das Belvedere auf dem Potsdamer Pfingstberg gespendet. Drei Jahre später sagte Otto drei Millionen Euro für den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche zu. Und auch Berlin, wo der Hamburger Otto einen Zweitwohnsitz hat, freute sich über Zuwendungen des Mäzens.

4,5 Millionen Euro stellte er 2002 zur Verfügung, damit ein Orchesterprobensaal zu einem Mehrzwecksaal umgebaut werden konnte.