Zuckerfest in Seelow: Süßes und Torten aus aller Welt vor dem Kulturhaus

Olga Zhellzniak, Petimat Tikaeva, Kataryna Viter, Salotta Freibergowa und Ines Klisch (v. l.) bereiten im Austauschladen das Zuckerfest vor. Dass es erst am 11. Mai gefeiert wird, sei eher von Vorteil, sagen sie.
Katja GehringWeil sich Muslime bei ihren religiösen Festen nicht nach dem Sonnenkalender, sondern nach dem Mondkalender richten, hat das islamische Festjahr 354, statt 365 Tage. Feierlichkeiten ‒ wie beispielsweise auch das Zuckerfest im Anschluss an den Fastenmonat Ramadan ‒ verschieben sich deshalb jedes Jahr um elf Tage nach vorn. Somit wurde das Zuckerfest in diesem Jahr am 9. und 10. April gefeiert. In Seelow findet es erst am 11. Mai (Sonnabend) ab 14 Uhr statt. „Aus einem ganz bestimmten Grund“, wie Ines Klisch, Vorsitzende vom Integrationsverein Seelow, auf Anfrage erklärt.
120 Gäste beim Zuckerfest in Seelow vor einem Jahr
Eine gewisse Tradition hat das Fest des Fastenbrechens ‒ wie es auch genannt wird ‒ in der Kreisstadt bereits. Marion Nowack, die frühere Vorsitzende des Integrationsvereins Seelow, hatte es einst initiiert. „In der Corona-Pandemie pausierten wir“, so Ines Klisch. Erst 2023 wurde das wieder gefeiert - in der Rathausgasse mit 120 Gästen aus Seelow und Umgebung.
„Und das, obwohl wir dafür nicht einmal groß Werbung gemacht haben“, betont die Vereinsvorsitzende. Deshalb zieht die Veranstaltung in diesem Jahr auf die Fläche vor dem Kulturhaus um. Dass das Fest erst einen Monat nach dem eigentlichen Termin stattfindet, sehe Ines Klisch nicht als Nachteil. „Im Gegenteil“, sagt sie. Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Muslime direkt nach dem Ramadan lieber im Familienkreis feiern ‒ in Seelow, aber auch andernorts, beispielsweise in Berlin.
Für die Zutaten bis nach Berlin
Weil die Menschen aus der Ukraine, Afghanistan, Libyen, Syrien, Pakistan, aus Tschetschenien, Tschechien und Spätaussiedler aus Russland ‒ mit denen der Integrationsverein jeden Tag arbeitet - wichtig sind für das Zuckerfest, wird dazu erst im Mai eingeladen. Die Frauen und Männer aus den vielen verschiedenen Ländern bringen sich intensiv in die Vorbereitungen ein. „Das ist manchmal gar nicht so einfach“, habe Ines Klisch sich erzählen lassen.
Denn Zutaten für die internationalen Spezialitäten seien in Seelow oftmals gar nicht zu kriegen. Zum Beispiel die nordamerikanische Red-Velvet-Torte: um sie authentisch backen zu können, braucht Tetimat Tikaeva rote Lebensmittelfarbe. „Die, die es hier gibt, ist aber nicht rot genug“, erzählt die Tschetschenin, die im vom Integrationsverein Seelow betriebenen Austauschladen arbeitet. Weshalb sie die Farbe bestellen musste. Manchmal, berichtet die 45-Jährige, habe sie Glück am russischen oder arabischen Wagen, die wöchentlich in Seelow am Stadion Halt machen. „Der russische kommt immer mittwochs um 14 Uhr und arabische samstags um 19 Uhr.“
Donuts und Baklava zum Probieren beim Zuckerfest in Seelow
Die Waren, die dort angeboten werden, werden nicht nur im Alltag der internationalen Community dringend gebracht, sondern auch für die internationalen Köstlichkeiten, die es beim Zuckerfest geben wird. Dazu gehört nicht nur die Red-Velvet-Torte. Vorbereitet werden ukrainisch-russische Honigtorten, tschechische Früchtekuchen, arabische Biskuittorten, amerikanische Donuts, syrisches Baklava sowie deutsche Kuchen am Stiel. „Und noch vieles mehr“, kündigt Ines Klisch an. Die Internationalität der Veranstaltung sei auch der Hauptgrund dafür, dass das Zuckerfest in diesem Jahr zum letzten Mal gefeiert wird. Ab nächstes Jahr werde es das „Fest der Kulturen“ genannt.
Auch das soll sich ‒ wie das Seelower Zuckerfest ‒ in erster Linie an Familien mit Kindern richten. Für sie gibt es neben den kulinarischen Spezialitäten jede Menge Attraktionen, die Spaß bereiten sollen und kostenlos sind. Zwei Hüpfburgen werden aufgebaut und ein Parcours. Geplant sind zudem Kinderschminken, Bungee-Run, Zielwurfspiele, sowie eine Sport- und Spielstrecke vom Kreissportbund Märkisch-Oderland. Zur Belustigung will ein Clown beitragen, Prinzessin Ella wird singen, tanzen und für Fotos zur Verfügung stehen. Ines Klisch: „Aber besonders freuen wir uns auch auf den Schmetterling, der mit seiner Seifenblasenkunst vermutlich alle Gäste zum Staunen bringen wird.“



