Zweiter Weltkrieg bei Seelow
: Gedenken der Kriegstoten am Panzer und Friedensmal

Mit einer Forderung nach Frieden ist in Kienitz bei Seelow der Toten des Zweiten Weltkrieges gedacht worden. Was Bürgermeister Michael Böttcher zu sagen hatte und wer noch daran teilgenommen hat.
Von
Ulf Grieger
Kienitz
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Gedenken am Panzerdenkmal in Kienitz: MOL-Landrat Gernot Schmidt (SPD) hat am 31. Januar 2024 dort einen Kranz niedergelegt.

Ulf Grieger

Traditionell erinnert die Gemeinde Letschin am 31. Januar in Kienitz bei Seelow daran, dass die Rote Armee dort 1945 bei ihrem Vorrücken auf Berlin den ersten Brückenkopf auf dem Westufer der Oder errichtet hatte. Am 1970 errichteten Panzerdenkmal und dem vom kürzlich bei einem Verkehrsunfall ums leben gekommenen Künstler Roland Rother sowie Baumeister Veit Templin geschaffenen Denkmal für die Kriegsopfer wurden Kränze niedergelegt.

Letschins Bürgermeister Michael Böttcher und Pfarrer Frank Schneider nahmen in ihren Reden Bezug auf die Widersprüchlichkeit der Gedenkorte. Deutlich hörbar waren dabei Detonationen von Fundmunition aus dem Zweiten Weltkrieg, die bei Letschin gleichzeitig gesprengt werden musste.

Viele Teilnehmer aus Politik und Wirtschaft

Neben einigen Einwohnern aus Kienitz und den anderen Ortsteilen von Letschin waren zahlreiche Vertreter von Politik und Wirtschaft nach Kienitz gekommen. So auch MOL–Landrat Gernot Schmidt (SPD) und die Vorsitzende des Kreistages und Landtagsmitglied Bettina Fortunato (Linke), die Amtsdirektoren von Seelow–Land, Lebus und Golzow, Wriezens Bürgermeister Karsten Ilm, sowie Vertreter der Oderland–Bauern wie Andreas Schmidt–Frielinghaus und Timo Scheib. Sie bedankten sich ausdrücklich beim Letschiner Bürgermeister dafür, dass an dieser Gedenktradition festgehalten werde.

Vom Volksbund Kriegsgräberfürsorge waren Wolfgang Bartsch und Erwin Kowalke sowie Max Georg von Korff vor Ort. Eine Gruppe mit Siebtklässlerinnen der Letschiner Fontane–Oberschule legte ebenso Blumen nieder wie Stadtverordnete der Linksfraktion aus Seelow.

Letschins Bürgermeister Michael Böttcher betonte, dass beide Denkmale, der Panzer und das Kreuz für den Frieden stehen. Er erinnerte an die Mahnung, dass von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen dürfe. „Ich frage mich, ob die jetzigen Regierenden in Berlin dieser Nachkriegsweisheit wirklich noch folgen.“ Er betonte, dass man die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs und seiner Nachwirkungen im historischen Kontext sehen müsse.

Gedenken mit Oberschülerinnen: Siebtklässlerinnen der Fontane-Oberschule Letschin legen Blumen am Mahnmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs nieder.

Ulf Grieger

Die damalige Situation sei nicht auf die heutige Lage übertragbar. „Im Ergebnis dieses Krieges stand die Befreiung Deutschlands und Europas vom Nationalsozialismus, wobei die Soldaten der Roten Armee den größten Blutzoll geleistet haben“, so Böttcher.

Pfarrer: Panzer steht auch für Unfreiheit

Letschins Pfarrer Frank Schneider hingegen erinnerte mit Blick auf den Panzer, einen T 34, daran, dass der nicht ausschließlich für die Befreiung vom Faschismus stehe, sondern auch in besonderer Weise für die Gewaltherrschaft. Mit solchen Panzern seien die Volksaufstände in Berlin 1953, in Budapest 1956 und in Prag 1968 niedergeschlagen worden. „Dieser Panzer ist nicht mein Freund“, so Pfarrer Schneider. Aber wie auch Böttcher mahnte er dringend zum Frieden.