Flucht nach Berlin-Spandau
: Wie ein Flüchtling aus Syrien Gärtner und Landwirt wurde

Munir Alhawash floh mit seiner Familie von Damaskus nach Spandau. Jetzt baut er vor den Toren von Berlin Kürbisse und Tomaten an. Wie es dazu gekommen ist.
Von
Pamela Kaethner
Berlin-Spandau
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Munir Alhawash und die beiden Frauen, die ihn unterstützen ein Leben in Deutschland aufzubauen.

Flucht von Syrien nach Berlin-Spandau: Munir Alhawash mit Christiane Jungbluth (Mitte) und Jennifer Schreiter. Die Frauen unterstützen ihn dabei, ein Leben in Deutschland aufzubauen. Erreicht hat er bereits einiges.

Pamela Kaethner
  • Munir Alhawash floh 2015 von Syrien nach Berlin-Spandau.
  • In Gatow begann er als Gärtner im interkulturellen Garten.
  • Er pachtete 2021 zwei Hektar Land in Wustermark für den Anbau.
  • Seine Pflanzen aus Saatgut aus Syrien sind trockenheitsresistent.
  • Munir plant, 2025 seine Landwirtschaft zu erweitern und profitabel zu machen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der syrische Geflüchtete Munir Alhawash kämpft gegen bürokratische Hürden, um in Wustermark Landwirtschaft zu betreiben. Sein Tatendrang bringt nicht nur Fortschritt, sondern auch Konflikte mit sich – und trotz Erfolgen bleibt die Bürokratie eine Herausforderung.

Neugierig-forsch läuft Munir Alhawash durch das große Gartentor aus riesigen Robinienästen. Er hat es selbst gebaut. Seine Liebe zum Gärtnern hat ihn hier im interkulturellen Garten in Gatow mit zwei Frauen zusammengebracht, die ihn unterstützen, sich ein Leben in Deutschland aufzubauen.

Flucht aus Syrien nach Berlin-Spandau

„Er war plötzlich da und hat Beete umgegraben“, berichtet Jennifer Schreiter, Leiterin des Gartens vom SOS-Kinderdorf. „Er ist ein Macher. Und ein Künstler. Schauen Sie sich das Tor an!“ 2017 sei das gewesen, erinnert sich die Gartenbauerin und Naturpädagogin. Da gab es den Garten erst seit gut einem Jahr. Familien aus aller Herren Länder treffen sich dort und gärtnern gemeinsam.

Eine Weile haben sie sich nicht gesehen: Munir, Jennifer und Christiane, die Frau, die ihm geholfen hat, Ackerland zu pachten. Munir sitzt mit zwei seiner Kinder in der offenen Küche des Gartens. Dann springt er auf und holt Brennholz für den Gartenofen.

Munir

Munir Alhawash kam 2015 von Damaskus, Syrien nach Berlin, wo bereits drei seiner Kinder lebten. Eine seiner jüngsten Töchter macht gerade das Abitur und möchte Pharmazie studieren.

Pamela Kaethner

61 Jahre ist er alt. Das weiße Haar und der graue Schnurrbart deuten auf sein Alter hin. Munir Alhawash erzählt von seiner Kirschplantage bei Damaskus, die er nebenbei betrieb. Landwirtschaft sei immer seine Liebe gewesen. Er habe Häuser gebaut und verkauft. Als der Krieg 2015 auch bei Damaskus alles zerstörte, habe er gerade ein Hochhaus gebaut – kam aber nur bis zum 16. Stock, floh dann zu seinen Kindern nach Deutschland.

Drei seiner acht Kinder sind verheiratet und kamen bereits 2013 nach Berlin. Mit ihrer Hilfe gelangte er mit seiner Frau und den drei Jüngsten nach Staaken in Spandau.

Der Anfang war nicht leicht. Ohne Deutschkenntnisse schlug sich der Syrer durch und landete über einen Landsmann in dem Garten in Gatow. Auch jetzt übersetzt seine 17-jährige Tochter, die gerade Abitur macht, wenn ihm einige Worte fehlen. Aber Munir behauptet sich in allem, was er tut.

Auch in diesem Garten wollte er ein Hochhaus bauen. Ein Baumhaus für alle Kinder der Familien, die den Garten nutzen. „Es war auch schwierig, das ein bisschen zu lenken. Mal zu sagen: Nein. Und mal zu sagen: Wow, gut“, sagt Jennifer Schreiter mit ihrer sanften, aber festen Stimme. Sie lacht viel, wenn sie beschreibt, wie sie öfter die Wogen zwischen Gartenmitarbeitern oder anderen Familien und Munir glätten musste. Das bleibt nicht aus, wenn einer so tatkräftig ist, einfach loslegt, oft ohne zu fragen.

Munir legte los. Jahrelang war er jeden Tag im interkulturellen Garten. Seine Frau und seine drei jüngeren Kinder waren immer dabei, als die Pergola für die Weinreben, das Schaukelgerüst, der Wildzaun und das große Eingangstor entstanden. „Ich habe so viele Ideen im Kopf. Und immer einen Akkuschrauber im Auto“, lacht Munir.

Eingangstor zum Interkulturellen Garten in Gatow.

Eingangstor zum Interkulturellen Garten Gatow in Spandau. Gartenfreunde, Neuzugezogene und Geflüchtete kommen hier auf 1.000 qm Fläche als Hobby-Gärtnerinnen und -gärtner in Kontakt. Der Garten ist ein Projekt des SOS-Kinderdorfs.

Pamela Kaethner

So viel er hier im Garten auch verwirklichen konnte, er wollte unbedingt ein eigenes Stück Land bewirtschaften und fragte beharrlich, wie das gelingen könnte, bis ihm jemand half. „Eines Tages bist du aufgetaucht, Christiane“, sagt Jennifer Schreiter.

Der Rauch des Gartenofens beißt in der Nase, aber tatsächlich erwärmt das Feuer die Luft in der kleinen Freiluftküche. Christiane Jungbluth beugt sich vor, sie hat in der DDR Landwirtschaft studiert und lebt seit einigen Jahren in Gatow. Sie war noch nicht lange Rentnerin, als sie begann, sich im interkulturellen Garten zu engagieren. Als Schreiter erfuhr, dass sie zuletzt für eine Firma arbeitete, die Ackerland aus ehemaligem DDR-Volkseigentum verpachtet und verkauft, brachte sie Munir und Christiane zusammen.

„Von einer ehemaligen Kollegin wusste ich, dass Grundstücke in der Gemeinde Wustermark verpachtet werden", sagt Christiane Jungbluth. Das war 2021. Dann habe sie Munir geholfen, die Formulare für die Ausschreibung auszufüllen und er bekam als Meistbietender den Zuschlag.

Zukunft für syrischen Geflüchteten in der Landwirtschaft

Munir zückt sein Handy, seine blauen Augen blitzen auf. Auf dem kleinen Display flimmern große Kürbisse mit grün-weißer Schale, Zucchini in verschiedenen Formen, Tomaten. Zweieinhalb Hektar umfasst sein Pachtland. Fast alles machen Munir und seine Familie von Hand, nur einen Traktor besitzen sie. Christiane Jungbluth flüstert begeistert: „Er betreibt Mischkultur auf dem Feld. Die Pflanzen wachsen nebeneinander, stärken sich gegenseitig und den Boden.“

Munir Alhawash auf seinem Pachtacker. Er kultuviert Kürbisse, Tomaten, Bohnen, Zucchinis und vieles mehr. Mit der Trockenheit kommen seine Pflanzen gut aus, er züchtet sie und bringt auch an Wassermangel gewöhntes Saatgut aus Syrien ein.

Munir Alhawash im Herbst 2021 auf seinem Pachtacker. Er kultiviert Kürbisse, Tomaten, Bohnen, Zucchinis und vieles mehr. Mit der Trockenheit kommen seine Pflanzen gut aus, er züchtet an die Bedingungen angepasste Pflanzen und verwendet auch Saatgut aus Syrien.

Christiane Jungbluth

Und er gießt nicht. Viel Saatgut stammt aus Syrien, es ist gut an die Trockenheit angepasst. Die Nachbarbauern staunen. Munir will ihnen zeigen, dass es geht: eine erfolgreiche Ernte ohne Pestizide und vor allem nur mit dem Wasser, das vom Himmel fällt.

„Du bist im Dorf gut akzeptiert. Wenn ein Ausländer Acker pachtet, sind die anderen Bauern eher skeptisch. Aber bei dir hat es gut geklappt“, wirft Christiane Jungbluth ein und führt das auf Munirs offene und gastfreundliche Art zurück. Die Nachbarn dürfen sich nehmen, was sie brauchen, und Munir verschenkt Teile seiner üppigen Zucchiniernte.

Munir Alhawash im Sommer 2022 auf seinem Pachtacker in der Wustermark. Alles macht Munir in Handarbeit. 2025 will er seine Landwirtschaft umstellen, weniger Mischkultur und dafür ein leichteres Unkrautjäten. Dann würde sein Ertrag ihm auch Gewinn einbringen.

Munir Alhawash im Sommer 2022 auf seinem Pachtacker in der Gemeinde Wustermark. Alles macht Munir in Handarbeit. 2025 will er seine Landwirtschaft umstellen, weniger Mischkultur und dafür ein leichteres Unkrautjäten. Dann würde er auch Gewinn erwirtschaften.

Christiane Jungbluth

Bisher kann er davon nicht leben, verkauft die Ernte an einem Stand direkt auf dem Feld. Wenn er auf dem Acker in einem Kessel Kürbismarmelade einkocht, kommen oft arabische und türkische Familien, um die Delikatesse aus ihrer Heimat zu kaufen.

„Im nächsten Jahr helfe ich dir wieder mit der Ausschreibung“, sagt Christiane Jungbluth, denn der Pachtvertrag läuft aus. Dann will Munir aus seinem Hobby ein Geschäft machen. Drei Jahre lang hat er nun getestet, ausprobiert, Sorten durch Züchtung an den sandigen Boden und den Wassermangel angepasst. Er will sich selbst und seinen freundlichen Nachbarn etwas beweisen. Unbedingt.