Klettern in Spandau
: Wie der Sport gegen Ängste, Stress und Depression helfen kann

Klettertherapeut Thorben Rebitzer aus Berlin-Spandau setzt auf die besondere Kombination von Sport und Therapie. Wie das Klettern die mentale und physische Stärke seiner Patienten fördert.
Von
Jessica Neumayer
Spandau
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Thorben Rebitzer, Klettertherapeut, Heilpraktiker, bietet ab Januar 2025 therapeutische Kletterstunden in Spandau an, Selbsttändig als Klettertrainer und Klettertherapeut bei Perspektivwechsel

Thorben Rebitzer kombiniert Training und Therapie. Als Klettertrainer und -therapeut bietet der ausgebildete Heilpraktiker auch Kurse in Berlin-Spandau an.

Thorben Rebitzer
  • Klettertherapeut Thorben Rebitzer kombiniert Sport und Therapie in Berlin-Spandau.
  • Klettern stärkt Selbstbewusstsein und hilft bei ADHS, Depressionen und Angststörungen.
  • Ab Januar 2025 bietet Rebitzer Kurse in den Hallen Cliffhanger und Magic Mountain an.
  • Eine Therapiestunde kostet derzeit 40 Euro und ist noch keine Kassenleistung.
  • Rebitzer nutzt Klettern, um Themen wie Vertrauen und Selbstwirksamkeit zu fördern.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eine hohe Wand erklimmen. Von oben sehen, wie klein die Welt aussieht. Eigene Grenzen überwinden. Wer klettert, trainiert nicht nur seinen Körper. Auch der Geist wird beim Erklimmen eines hohen Hindernisses gefordert. Dieser Vorteil kann auch in der Therapie genutzt werden. Ein Klettertherapeut bietet eine moderne Form an, die das Selbstbewusstsein stärkt und bei ADHS und Depressionen helfen soll.

Egal ob an der Hochwand im Gebirge oder der Kletterwand in der Halle: Wer sich in die Seilwinde begibt, muss voll da sein. Das unterstreicht Thorben Rebitzer, Klettertherapeut in Spandau. Der Sport erfordere Fokussierung. „Man muss immer im Moment sein.“

Klettern in Spandau – Therapie bei ADHS und Ängsten

Vor allem für Personen, die sich mit sich selbst auseinandersetzen wollen, ist die Therapie geeignet. Bei ADHS, Depressionen oder Ängsten – wie zum Beispiel Höhenangst – habe sich das Klettern als Therapieform auch schon bewährt, benennt Rebitzer konkrete Anwendungsgebiete.

Trotz Corona ist Klettern in der Boulderhalle erlaubt. Allerdings sind auch hier besondere Vorschriften zu beachten. (Symbolbild)

Ein Sportler klettert in einer Kletterhalle die Wand hinauf. Die Messe Vertical Pro in Friedrichshafen startet bald durch. +++ dpa-Bildfunk +++

Das therapeutische Klettern schult die Aufmerksamkeit und sorgt für einen klaren Kopf. Wer die Wand erklimmen möchte, muss in diesem Moment voll bei der Sache sein.

Felix Kästle/dpa

Vor mehr als zehn Jahren hatte der gebürtige Friesländer eine Ausbildung zum Heilpraktiker in der Psychotherapie gemacht. Die Idee, sein heilpädagogisches Wissen als Klettertherapeut zu nutzen, kam dem Wahl-Spandauer vor einem Jahr bei einem Projekt zum inklusiven Klettern.

„Ich habe den Wunsch, wieder therapeutisch zu arbeiten. Weg vom Schreibtisch, zurück in die Praxis.“ Der 38-Jährige hat bisher in einer Beratungsstelle mit psychosozialem Schwerpunkt gearbeitet. Im Herbst 2024 traf er den Entschluss, sich als Klettertherapeut selbstständig zu machen.

Klettern für mehr Selbstbewusstsein und Selbstwirksamkeit

„Das Besondere am Kletter-Sport ist, dass ganz viele Erlebnisqualitäten in dem Sport stecken“, sagt Rebitzer. Gemeint ist damit die Auseinandersetzung mit Themen wie Angst, Körperlichkeit, den eigenen Grenzen, Frustration und Stolz in einem ganz individuellen Rahmen.

In der Kletterhalle in St. Peter hangelt sich Torben an der Kletterwand entlang. Die ehemalige Pfarrkirche St. Peter wurde zu einer Kletterkirche umgebaut. (zu dpa:« Forscher suchen Ideen für leere Kirchen ») +++ dpa-Bildfunk +++

Klettern fördert das Vertrauen in sich selbst, aber auch das in andere Personen. Es ist eine Teamleistung, bei der eine Person immer absichert und eine andere das Absichern zulässt.

picture alliance/dpa/Roland Weihrauch

„Beim Klettern erlebt man eine eigene Art der Selbstwirksamkeit.“ Diese Erfahrung unterstütze auch die Steigerung des eigenen Selbstwerts. „Vertrauen und Bindung stecken auch mit drin“, bei dieser Kombination aus Training und Therapie. „Unten steht ja immer jemand, der einen absichert.“

Therapeutisches Klettern – Ziele und Methoden

Im Unterschied zum sportlichen Klettern steht beim therapeutischem Klettern die Auseinandersetzung mit verschiedenen Themenkomplexen im Fokus. „Als Trainer bringe ich jemandem das Klettern und Sichern bei“, sagt der ausgebildete Kletterprofi. „Bei der Klettertherapie ist das Klettern zweitrangig. Es ist nur das Medium, um andere Dinge sichtbar zu machen.“

Vor und nach jeder Therapiestunde gehe man in die Kommunikation. „Wir definieren gemeinsam Ziele.“ Diese sind für die Patienten immer individuell. Das Klettern könne beispielsweise Menschen unterstützen, die das Gefühl haben, unkonzentriert zu sein. „Menschen mit ADHS kann das Klettern helfen, die Gedanken zusammenzuhalten.“

„Wir arbeiten in der Therapie spielerisch.“ Der Klettertherapeut nutzt dafür zum Beispiel kleine Sandsäcke, die während des Kletterns auf dem Fuß balanciert werden müssen. „Das Ziel ist es so bewusst und langsam zu treten, dass das Säckchen nicht herunterfällt.“ Mit dieser Methode sei quasi fast nichts anderes möglich, als im Moment zu bleiben.

Neben dem Selbstvertrauen kann mit der Therapie an der Kletterwand auch das Vertrauen zu anderen Personen geübt werden. Beim Klettern gebe es immer eine Person, die sichert und eine, die das Sichern zulässt. „Es ist eine Teamarbeit, bei der etappenweise Vertrauen aufgebaut wird.“ Die gemachten Erfahrungen und Erkenntnisse können dann in den Alltag mitgenommen werden.

Informationen zum therapeutischen Klettern

Termin erfolgt nach Vereinbarung ab Januar 2025

Kontakt: 0176 618 767 99 (Anruf, SMS, WhatsApp, Signal)

Adresse: Cliffhanger, Telegrafenweg 21, 13599 Berlin und Magic Mountain, Böttgerstraße 20, 13357 Berlin

Social Media: Instagram @perspektivwechsel_klettern

Rebitzer kombiniert in seinen Therapiestunden sein Wissen aus den Ausbildungen als Trainer und Therapeut. Dafür funktioniert er viele Dinge aus der Trainerausbildung für die Therapie um. „Letztendlich ist es so: Klettern bleibt Klettern und auch Kletterspiele bleiben die gleiche, nur der Fokus wird anders gesetzt.“

Eine Therapiestunde an der Kletterwand kosten bei ihm derzeit 40 Euro. Das therapeutische Klettern sei noch keine Kassenleistung, sagt Rebitzer. „Kassen wollen unheimlich viele Wirksamkeitsstudien haben.“ Daher werde es noch etwas dauern, bis die Therapie eine Kassenleistung wird.

Ab Januar 2025 bietet er therapeutische Kletterstunden in der Spandauer Kletterhalle Cliffhanger (Telegrafenweg 21, 13599 Berlin) an. Schon jetzt finden auch Therapiestunden in der Kletterhalle Magic Mountain (Böttgerstraße 20–26) am Gesundbrunnen statt.