Wegen Corona war lange kein Flohmarkt mehr, auch nicht in Strausberg. Etwa 100 Passanten schlenderten am Sonnabend durch die Große Straße. Diese war dadurch voller als an üblichen verkaufsoffenen Wochenenden – für Citymanager Marcus Herrmann aber nicht voll genug: „Bei schönerem Wetter wäre die ganze Straße mit Ständen belegt gewesen.“ Wer zum angekündigten Familienflohmarkt in die Strausberger Innenstadt wollte, musste neben Einkaufstaschen für den Transport gut gewappnet gegen den Regen gewesen sein. Herrmann hatte im Vorfeld 74 Anmeldungen von Standbetreibern entgegengenommen. Davon sagte dann mindestens die Hälfte kurzfristig ab oder kam einfach nicht. Vor den geöffneten Geschäften blieben deshalb Markierungen frei von Trödlern. Um 8.30 Uhr hatten die Ersten ihre Stände aufgebaut, wenige Stunden später ergriff ein Großteil die Flucht, um 12 Uhr boten nur noch wenige ihre Waren an. Die provisorischen Überdachungen hielten dem Dauerregen kaum stand. Es tröpfelte von allen Seiten auf teilweise ungetragene Baby- und Kinderkleidung, Spielzeug und Utensilien wie Babyschalen und Kinderwagen. Trotzdem ist Herrmann im Ergebnis zufrieden: Die Stadt wollte bei ihren Bürgern mit erlassenen Standgebühren punkten und damit etwas im Sinne der bundesweiten Nachhaltigkeitstage tun. Bei der kurzfristigen Ausschreibung nach den Sommerferien hätte er nicht damit gerechnet, dass es so erfolgreich angenommen wird, sagt er. „So einen großen Rücklauf hatten wir uns gar nicht erträumt.“

Preiswerte Angebote

Für seinen sieben Monate alten Sohn stöbert der Strausberger Dieter Bormann gern auf Flohmärkten der Umgebung: „Es muss nicht alles neu sein und Geld sparen lässt sich dabei auch.“ An ihn sind Katharina Ortel und Anja Linek vor allem Spielzeug losgeworden. Susi Ahrens und Marcel Schneider haben sich daneben zum ersten Mal mit einem Stand beteiligt. Wie bei fast allen Anbietern sind die eigenen Kinder aus ihren Sachen rausgewachsen. Bevor sich die Kisten und Gegenstände zu Hause stapeln, finden sie auf dem Flohmarkt dankbare Abnehmer. „Bei vielen Sachen kommt es besser an, die Dinge selbst anfassen zu können als sie im Internet zu kaufen“, sagt Schneider, der selbst ein Gewerbe in Strausberg besitzt. Für seine Frau war der größte Anreiz, keine Gebühr zahlen zu müssen: „Das Geld muss auch erst einmal wieder verdient werden.“ Sie würde es jederzeit wieder mitmachen, sagt sie. „Die Leute waren alle sehr nett, es hat richtig Spaß gemacht.“

Aufleben der Geschäftswelt

Neben eingefleischten Flohmarkt-Fans tummelte sich an den Ständen die übliche Laufkundschaft der Einkaufsstraße. Und Ladenbesitzer profitierten von einem spontanen Gang ins Geschäft. Ins „Blumen und Präsente“ kamen tatsächlich mehr Leute als sonst, sagt Besitzerin Ngoc Brandes. Sie hatte erst vor einem Monat das Blumenhaus Strausberg übernommen und freute sich über den regen Zulauf. Das deckt sich mit dem Leitgedanken, die Innenstadt weiter attraktiv zu halten und durch unterstützende Veranstaltungen Besucher von außerhalb reinzuholen, sagt Herrmann. „Neben dem Verkaufsangebot der Geschäfte wird den Bürgern etwas geboten.“
In dieser Woche noch steht die Aktion „Strausberger Lichter“ mit Ladenöffnung am 3. Oktober als Ersatz für das ausgefallene Altstadtfest an. Der Familienflohmarkt soll mit hoher Wahrscheinlichkeit im kommenden Jahr erneut stattfinden, kündigt Herrmann an.

Testlauf für 2021

Wer nach dem regnerischen Start ins Wochenende trotzdem noch Lust hatte, die ab 12 Uhr geöffnete Strandbar zu testen, stand nicht ganz allein am Wasser. Die Gastronomen Christian Schlatter und Andreas Köhler hatten sich extra mit Glühwein, Mixgetränken und einem Grillstand auf erste Besucher vorbereitet. Mit 15 Gästen bis zum Nachmittag machte der Auftakt bei elf Grad Celsius und Dauerregen keinen schlechten Schnitt, resümiert Schlatter. Unter Zelten konnte mit Blick auf den Straussee angestoßen und zugeprostet werden. Doch soll sich die Öffnung der Strandbar an den kommenden Wochenenden rentieren, muss für den Aufenthalt im Freien zukünftig auch das Wetter mitspielen. „Nur zehn Grad mehr und die Strandbar ist voll“, ist sich Schlatter sicher. Zum 3. Oktober bereitet er sich mit Blick auf die Prognosen optimistisch auf Publikumsandrang vor.
Auch neugierige Stammgäste Schlatters wie Christiane Ludwig hoffen darauf, dass das Strandbarkonzept unabhängig von einzelnen Beachpartys im Sommer am Straussee Fuß fasst und sich dauerhaft bewährt. Was für Schlatter als erster Testlauf für das Bedürfnis der Strausberger nach alternativen gastronomischen Angeboten gilt, kommt bei Robert und Mina Schreiber aus Berlin schon mal gut an. Die beiden Studenten waren spazieren, um die Gegend zu erkunden. Ein baldiger Umzug aus der Großstadt nach Strausberg steht bevor. Kurz vor einer geplanten Fahrt mit der Fähre sind sie dann unterwegs sehr dankbar auf warmen Glühwein gestoßen.