Ausbilung: Gute Chancen für junge Bewerber in Märkisch-Oderland

Arbeitssuchende wenden sich an das Job-Center
Bernd WüstneckZiel: Corona-Delle verhindern
„Mit diesem Programm soll verhindert werden, dass es einen Corona-Jahrgang mit weniger Auszubildenden gibt, der irgendwann zu einer weiteren Delle bei Fachkräften führt“, sagt Kerstin Kurths-Buchloh. Sie weist darauf hin, dass einige Vorgaben zu erfüllen sind. So gelte die Förderung nur für Ausbildungsverhältnisse ab dem 1. August und für Betriebe, die „in erheblichem Umfang von der Corona-Krise betroffen“ seien. Dazu zählten Kurzarbeit, aber auch kräftige Umsatzeinbußen. Firmen, die Interesse hätten, könnten sich an die Arbeitgeberservicehotline (Tel. 0800 4555520, wochentäglich 8–18 Uhr) wenden oder ihre persönlichen Arbeitsberater vor Ort.
„Ich denke, dass eine beachtliche Zahl der Firmen die Hilfe beantragt. Wir hatten dazu schon einige Anfragen“, sagt Kerstin Kurths-Buchloh. Vielleicht sei es ja für einige Unternehmen der Anstoß, überhaupt auszubilden. Die Formulare könnten auf der Seite der Arbeitsagentur heruntergeladen werden. „Wichtig sind vollständige Unterlagen und nicht allzu langes Warten. Bundesweit stehen 330 Millionen Euro zur Verfügung, wenn das Geld alle ist, ist es alle“, sagt sie.
Um Jugendliche, die noch einen Ausbildungsplatz suchen, optimal betreuen zu können, hat sie eine Bitte. „Es wäre toll, wenn uns alle, die schon einen Platz gefunden haben, darüber informieren könnten.“ Dann könnten diese aus dem Vermittlungssystem genommen werden. „Unsere Berufsberater konzentrieren sich lieber auf 100 Jugendliche, die noch suchen und die unsere Hilfe benötigen, als auf 200, von denen die Hälfte schon etwas gefunden hat.“ Zwar rufe man alle 14 Tage die Firmen an und frage nach, ob sie inzwischen Lehrlinge gefunden hätten. Aber nicht alle könnten dazu Auskunft geben. Kerstin Kurths-Buchloh ist sich sicher, dass die für Märkisch-Oderland im Juli offiziell gemeldeten 509 unversorgten Bewerber, die auf 317 offene Ausbildungsstellen kamen, zu hoch gegriffen sind.
Der Hilfebedarf bei den Jugendlichen sei mitunter sehr groß. „Wir klären sie über falsche Vorstellungen bestimmter Berufsbilder auf, testen, wo ihre Stärken, Schwächen und Interessen liegen, und können schon vor der Ausbildung Unterstützung organisieren, wenn sie schon in der Schule Probleme hatten. Zum Beispiel sozial-pädagogische Betreuung oder Förderunterricht neben der Ausbildung.“ Für all das bleibe weniger Zeit, je mehr Bewerber betreut werden müssten. „Daher sind die Rückmeldungen so wichtig.“
Quote wird steigen
Was den Gesamt-Arbeitsmarkt betrifft, rechnet sie damit, dass die Arbeitslosenquote im Geschäftsstellenbezirk Strausberg von zuletzt 4,9 Prozent weiter steigt. Getrieben vor allem von Entlassungen in Berlin, die viele Pendler betreffen. Dazu beitragen werde auch Karstadt, das in der Hauptstadt Warenhäuser schließen will. Von den Firmen aus der Region gebe es positive Signale. „Mit Ausnahme des Hotel- und Gaststättengewerbes haben unsere Arbeitgebervermittler bisher keinerlei Signale, dass Firmen dieses Jahr nicht überstehen könnten“, sagt sie. Positiv sei auch, dass es in fast allen Branchen im Vergleich zum Juli 2019 nicht spürbar weniger offene Stellen gebe.
Infos und Formulare zum Ausbildungsprogramm: https://bit.ly/3fsmMeI