„Wenn wir den Preis nicht bekommen hätten, hätten wir wohl dieses Jahr ein ganz schönes Loch in der Vereinskasse gehabt“, gab Andreas Lüders, der Vorsitzende des Vereins Bauernvolk Eggersdorf, bei der Preisverleihung am Dienstagabend auf dem Gelände am Eggersdorfer Fuchsbau zu. Denn durch die Corona-Beschränkungen war den Doppeldörflern mit dem traditionellen mittelalterlichen Dorffest zu Himmelfahrt eine wesentliche Einnahmequelle weggebrochen. Dabei hatte die Truppe in dessen Vorfeld eigens eine Palette Mehrwegbecher geordert, um dem Nachhaltigkeitsgedanken Rechnung zu tragen und von Einwegbechern wegzukommen. Mit der nicht zweckgebundenen Zuwendung des regionalen Kreditinstituts könne man zumindest einen Teil der Kosten auffangen, sagte Lüders.
Es waren aber nicht die Becher, die die Sparkassen-Stiftung dazu bewogen hatten, ihren 14. Preis an das Bauernvolk zu geben, erklärte Uwe Schumacher, Vorstandschef und Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung. Vielmehr passten die Aktivitäten des Vereins zum Motto „Anreizen zum Mitmachen“. Sie gehörten längst zum Ortsbild. Er erinnerte an die Anfänge 1999 mit dem Marktfest im neu gebauten Herz von Eggersdorf. „Nicht jeder mochte damals diesen Platz.“ Neben der Belebung habe es eine kulturelle Aufwertung gegeben.

Events gehören zu den größten von Vereinen getragenen Festen

Mit dem Umzug zur Fachwerkscheune am Fuchsbau sei mehr Raum für weitere Entwicklung gewesen, der auch genutzt wurde. Es sei etwas Beeindruckendes entstanden, lobte Schumacher. Die Bauernvolk-Veranstaltungen gehörten zu den größten von Vereinen getragenen Volksfesten in der Region, vermittelten Tradition, regionale Identität und humanistisches Heimatgefühl und trügen zur Verwurzelung der jüngeren Generation bei. Durch Kontakte zu Gemeinschaften auch in Polen und Frankreich will das Bauernvolk zudem den europäischen Gedanken vertiefen.
Bürgermeister Marco Rutter lobte, der Verein mache auch für Zugezogene Wurzeln und Phasen des Ortes anschaulich erlebbar. Der vom Bauernvolk geförderte Zusammenhalt der Vereine ermögliche überhaupt solch große Veranstaltungen wie zu Himmelfahrt oder Halloween. Im Doppeldorf werde ja oft gefragt, wo das Zentrum sei. „Mehrmals im Jahr ist es hier“, bestätigte er. Mit seinem überörtlichen Wirken sei der Verein zugleich Botschafter des Ortes, wenn auch nie offiziell benannt.

Vorsitzender lobt Zusammenarbeit mit dem Kinderhilfeverein

„In Bretten kennt jeder Eggersdorf“, bestätigte Lüders von vielen Treffen mit Partnern in Baden-Württemberg. Und erinnerte daran, dass neben dem Engagement vom „Urkern“ mit den Gründungsmitgliedern insbesondere die Zusammenarbeit mit dem Kinderhilfeverein seit Jahren gut funktioniere. Der hat sein Domizil ebenfalls am Fuchsbau und über persönliche Kontakte einen Anteil daran, dass und wie im Doppeldorf gefeiert wird. Bei der letzten erlaubten Auflage seien mehr als 100 Kuchen unter die Gäste gebracht worden, berichtete Irmgard Schuchardt.
Nach 21 historischen Dorffesten folgte nun in diesem Jahr die coronabedingte Zwangspause, auch wenn Krimi-Autor Mario Worm in seinem jüngsten Roman über die 22. Auflage berichtet, als hätte es sie gegeben. „Wir hoffen, dass es nach der schwierigen Zeit weitergeht“, blickte Lüders nach vorn. Das Weihnachtssingen, eine der jüngeren Aktivitäten, wolle man auch in diesem Jahr versuchen, da die Besucherzahlen dabei nicht so riesig waren. Wann es wieder Musikveranstaltungen und Vorträge geben kann, für die das Bauernvolk im Normalfall am Fuchsbau ebenfalls Gastgeber ist, bleibt abzuwarten.
2019 war der Stiftungspreis an den Heimatverein Lebus gegangen, zuvor an den Posaunenchor Müncheberg.