Bergfest: Tradition mit Sprengkraft
Dass zum traditionellen Auftakt des Festes mit Aufzug der Bergleute und Zapfenstreich der Bergkapelle erstmals Eintritt verlangt wurde – Erwachsene mussten vier, Kinder zwei Euro zahlen –, hat sich nicht negativ auf die Besucherzahlen ausgewirkt. Mehr als 600 Gäste wurden am Freitagabend im Museumspark gezählt. „Die Zahl ist fast identisch mit der vom vergangenen Jahr“, sagte Diana Peter, Vertriebsleiterin des Veranstalters Museums und Kultur GmbH am Sonntag. Das Eintrittsgeld war im Vorfeld kritisiert worden, am Abend selbst zeigten die meisten Verständnis. „Ich finde den Preis sehr hoch, aber gut. Dadurch erhält man sich ein bestimmtes Niveau“, sagte die Rüdersdorferin Doris Förster. Auch für Hans-Jürgen Teichmann, der von 1966 bis zur Wende im Zementwerk gearbeitet hat, war der Eintrittspreis gerechtfertigt angesichts „des Aufwands, der hinter dem Fest steckt“. Seine Lebensgefährtin Ingrid Hausmann war erstaunt, dass so viele Leute gekommen sind. „Das zeigt, es lohnt sich, die Preise im Vorfeld klar zu kommunizieren, damit es in den Köpfen ankommt.“
Gedicht zur Bergbaugeschichte
Nachdem Roland-Kaiser-Double Steffen Heidrich das Publikum auf der Festwiese in Stimmung gebracht hatte, setzte sich der Tross der Bergleute in Bewegung zum kleinen Festplatz, wo die Zuschauer mit Begleitung der Bergkapelle unter anderem das Steigerlied intonierten. Bewegend war ein selbst verfasstes Gedicht des Bergmannes Richard Thielemann, in dem er mehr als 750 Jahre Bergbaugeschichte mit all ihren strukturellen Veränderungen Revue passieren ließ – bis zu den rasanten Modernisierungen nach der Wende, dem Verlust von Arbeitsplätzen und einer neuen Sauberkeit im Ort. „Der viele Staub war wie weggeblasen. Im Zementwerk säte man Rasen. Das hätte ich nie gedacht, dass in Rüdersdorf überall das Grüne lacht“, sagte Thielemann. Bürgermeister André Schaller betonte in seiner Eröffnungsrede, dass es wichtig sei, jedes Jahr das Bergfest zu feiern, „um an unsere Tradition und Herkunft zu erinnern, weil sie zugleich unsere Gegenwart und auch unsere Zukunft sind“.
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Auch am Sonnabend und Sonntag konnten sich die Veranstalter über einen guten Zulauf im Museumspark freuen. Beliebt waren vor allem die Führungen im Heinitztunnel, aber auch das Kinderprogramm mit Frau Luna. Die größte Aufmerksamkeit zog die Schausprengung am Schacht Heinitz auf sich. Moderiert vom Leiter des Cemex-Tagebaus, Thomas Weber, wurden mithilfe von 1225 Kilogramm Sprengstoff per elektronischem Zündverfahren von einer Abbruchkante des vier Kilometer langen Tagebaus 9800 Tonnen Kalkstein abgesprengt. „Pro Jahr benötigen wir etwa drei Millionen Tonnen für die Herstellung von Kalk und Zement“, erklärte Weber. Unter der Woche gebe es durchschnittlich eine Sprengung täglich. „Wir schauen immer, dass wir für die Schausprengung eine Stelle aussuchen, die die Leute gut erreichen können und von der sie eine gute Sicht haben“, sagte er. Diese gute Sicht genossen Veronika und Jürgen Kopp aus Eggersdorf. Den Moment der Sprengung fanden sie „beeindruckend“, auch wenn Jürgen Kopp erwartet hatte, dass durch die Detonation noch mehr Gesteinsmasse abgesprengt wird. Für die Kopps war es das erste Bergfest. "Es ist toll, was hier für Kinder geboten wird. Und auch, dass Rüdersdorf mittlerweile so schön sauber ist“, sagten beide. „Das kennen wir noch anders.“
Wenige Stunden später feierten dann am Abend mehrere hundert Zuschauer bei einer Schirmparty im Dauerregen den Auftritt der Münchener Freiheit. "Man müsste einen akustischen Spiegel aufstellen, euch gehört der Applaus“, lobte Sänger Tim Wilhelm das Publikum, das bei Klassikern wie „Ohne Dich“ und "So lang’ man Träume noch leben kann“ geschlossen mitgesungen hatte.
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