Bibliothek: Krimi-Lesung mit Lokalkolorit

Schlussrunde: Birgit Scherfling von Gagern, Gabriele Gottschling vom Förderverein der Bibliothek, Scherflings Schwägerin Annemarie von Gagern und Lektorin Roswitha Jendryschik (v. l.)
Uwe SprangerGabriele Gottschling vom Förderverein leitete mit Ausschnitten aus Scherflings Buch „Eilfahndung“ die Veranstaltung ein. Es war bereits 1989 geschrieben, aber nicht mehr im Mitteldeutschen Verlag veröffentlicht worden, sondern erst 1991 vom Reiher-Verlag. Darin dreht sich alles um einen S-Bahn-Mord und eine vermisste Frau. Mit ein bisschen Lokalkolorit, denn es ist vom Scheunenviertel die Rede und von Ecken, in denen Altlandsberger die Umgebung ihrer Stadt wiedererkennen können. „Wer wissen will, wie es ausgeht, kann sich das Buch bei uns ausleihen“, warb Gabriele Gottschling und übergab an Birgit Scherfling von Gagern, die Ehefrau des Autors. Sie hatte ihn damals noch als Opernsänger und Schauspieler in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) auf der Bühne kennen gelernt und stellte Scherflings Familie näher vor. Der Großvater Schneidermeister und wohl gut betucht, denn er war mehrmals Schützenkönig. Der Vater Musiker und oft in Berlin unterwegs. Scherflings Geburtshaus war die heutige Poststraße 9, berichtete sie.
Nach den ersten schulischen und musikalischen Schritten in der Kleinstadt sei Gerhard ans Gymnasium an der Parkaue in Biesdorf gewechselt, später an die Musikhochschule, zuerst mit der Geige, dann als Posaunist. Durch die Musik habe er Krieg, kurze Gefangenschaft und Nachkriegszeit gut überstanden, startete dann als Sänger am Theater in Rostock und war auf mehreren Bühnen aktiv. Irgendwann auch im Fernsehen. „Aber er wollte immer schreiben“, erzählte sie.
1973 kam mit „Die Zeitungsnotiz“ sein Erstlingswerk heraus. „Er galt durch das Debüt als junger Autor, obwohl er schon 54 war“, berichtete Roswitha Jendryschik, seine erste Lektorin. Das Gespräch über das Manuskript im Beisein von Scherflings Frau und deren Schwester sei der Beginn einer langen Freundschaft mit der Familie geworden, fügte sie hinzu. Und machte auf Charakteristika der insgesamt neun Bücher Scherflings aufmerksam: Durch einen allwissenden Erzähler werde der Leser gut eingebunden, müsse aber ein kunstvolles Knäuel an Informationen entwirren, um auf die richtige Spur zu kommen. Werner Stephan, der mit Ausschnitten aus dem Debütbuch den Schlusspunkt setzte, würdigte vorab die gute Recherchearbeit, durch die auch dem heutigen Leser ein Gesellschaftsbild der damaligen Zeit vermittelt werde.
Zum Abschluss bat Gabriele Gottschling schließlich noch ans Büfett.(ufo)