Bildungs- und Teilhabepaket: Für die Reform auf Werbetour
Das Mitglied der Bundesregierung war an dieser Stelle in Sachen Bildungs- und Teilhabepaket unterwegs, das als eine Etappe innerhalb des Starke-Familien-Gesetzes zum 1. August in einigen wesentlichen Punkten aufgestockt wurde. Kinder, deren Eltern Hartz-IV-Empfänger sind oder die aus Geringverdienerfamilien stammen, profitieren mit Beginn des neuen Schuljahres beispielsweise von 150 statt bisher 100 Euro Beihilfen vom Staat für Schulranzen, Hefte und anderes Lernmaterial, 15 statt zehn Euro Monatszuschuss für Sportverein oder Musikschule, nunmehr kostenlosen Busfahrkarten und Mittagessen.
Heil will diese Neuerungen bei der Zielgruppe bekannt machen, damit die gesetzlich verbriefte gesteigerte Unterstützung auch im Alltag von den Familien tatsächlich abgefordert wird. Neben Fernsehteams von ARD, ZDF und rbb verfolgten auch Journalisten der großen Agenturen wie Reuters Heils Besuch in Rüdersdorf, wo die Grund- und Oberschule in einem "klassischen“ Plattenbauviertel liegt. Tatsächlich geht es vielen der Familien hier finanziell nicht so gut, wie Schulleiter Dirk Treßin bestätigte. Es komme sogar noch immer vor, dass sich einzelne Kinder früh hungrig in den Unterricht setzen.
Beeindruckt zeigte sich der hohe Besuch aus der nahen Hauptstadt vom Rüdersdorfer Bildungscampus, dem engen Neben- und Miteinander von der Kita auf der einen Seite über die Grund- und Oberschule bis zum Gymnasium auf der anderen Seite. Nicht zuletzt dank vereinzelter „Doppelnutzung“ mit diesem sei man mit Lehrkräften zu Schuljahresbeginn bedarfsgerecht ausgestattet, sagte Treßin auf eine Nachfrage des Gastes. Der Neubau, in dem vorrangig die Grundschüler untergebracht sind, stammt erst aus dem vergangenen Jahr. Die große Aula werde ebenso für Gemeinde- und Vereinsveranstaltungen rege genutzt, erfuhr Heil beim Rundgang.
Auch in einer 2. Klasse legte er noch kurz Station ein, fragte Cecilia in der ersten Reihe und die anderen beispielsweise nach ihren Ferienfahrten. Schon die Tatsache, dass beim Zusatz „Wer war denn im Ausland?“ kaum Finger in die Höhe gingen, zeugt davon, dass viele Familien sich solche Urlaube nicht leisten können. Dafür meldeten sich viele bei der Ergänzungsfrage nach ihren Lieblingsfächern wie Mathe. Während der Neubau schon komplett mit interaktiven Tafeln ausgestattet ist, gibt es die im Altbau bisher nur an zwei Stellen. Eine Facette aus dem Bereich Digitalisierung, die auch den Heil begleitenden Brandenburger Staatssekretär Thomas Kralinski interessierte, der in seinem Ressort mit für Digitales zuständig ist.
Die Schüler freut derweil auch der neue Schulhof, vor allem der zentrale Teil mit dem Klettergerüst kommt gut an, bekam der Minister, dann wieder draußen, von einigen Jungen und Mädchen versichert. Anschließend ging es noch hinüber in die Mensa, wo Heil und Kralinski für die Kameraleute kurz bei der Essenausgabe halfen, sich aber auch nach Qualität der Versorgung und Essenbeteiligung erkundigten. Etwa 120 der 700 Schüler nähmen derzeit am Schulessen teil, erklärte Treßin. An diesem Tag standen Eintopf, Nudeln und Eierkuchen zur Auswahl.
Schritte zu weniger Bürokratie
Hubertus Heil ist, wie er herausstellte, übrigens nicht nur die Erhöhung der finanziellen Hilfe im Bildungs- und Teilhabepaket wichtig, sondern ebenso die Entbürokratisierung. Zwar müssen vereinzelt immer noch Anträge gestellt werden, manches läuft aber künftig automatisierter und einfacher. Das wäre auch wichtig, merkte Schulleiter Dirk Treßin aus der Praxis an, wenn zum Beispiel die Zuschüsse für Klassenfahrten und Exkursionen nun einfacher werden. Er und seine Kollegen wissen auch von etlichen Bitten um Hilfe von Eltern, wie kompliziert Anträge bislang zum Teil waren.
Symbolisch übergab ihm Heil am Ende ein Info-Scheckheft, von dem ganze Klassensätze beispielsweise für Elternabende bestellt werden können. Die kleine Broschüre soll das, was an Unterstützung abrufbar ist, auch noch mal übersichtlich bündeln. Eine bisherige Inanspruchnahme des Kinderzuschlags von lediglich 30 Prozent könne noch nicht zufrieden stellen, sagte der Minister. Insgesamt gehe es um zwei Millionen Kinder bundesweit, für die Teilhabe praktisch sichergestellt werden müsse.

